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Wechingen

30.09.2017

Zwei Mühlen an der Rohrach

Die Mündung der Rohrach in die Wörnitz an der oberen Kirche in Wechingen im Jahr 1957 mit Blick zur Pfladermühle.
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Die Mündung der Rohrach in die Wörnitz an der oberen Kirche in Wechingen im Jahr 1957 mit Blick zur Pfladermühle.
Bild: Gerhard Beck

In der Pfladermühle mahlt Walter Schröppel noch immer Mehl. In der Wolfsmühle wird Strom erzeugt.

Kurz bevor die Rohrach bei Wechingen in die Wörnitz einmündet, befinden sich an ihrem Lauf zwei Mühlen. Das Flüsschen entspringt nördlich der Marktgemeinde Heidenheim am Hahnenkamm und treibt entlang seines Laufs einige Mühlen an. Doch im Ries reihen sich die beiden letzten Mühlen an der Rohrach im Abstand von 700 Metern aneinander.

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Die Wolfsmühle wird zum ersten Mal 1312 urkundlich genannt. Sie dürfte aber bereits damals schon einige Jahrhunderte alt gewesen sein und gehörte zum Kloster Zimmern. In einem Grundbuch aus dem Jahr 1367 wird sie „Mühle, genannt Willing“ bezeichnet. Der Name „Willingsmühle“ wechselt des Öfteren mit der Bezeichnung „äußere Mühle“ ab. Über mehrere Generationen trugen die Müller auf diesem Anwesen den Familiennamen Willing. In der Zeit, als sich zwischen dem 14. und 16. Jahrhundert die Familiennamen in den Rieser Dörfern herausbildeten, war es durchaus noch üblich, dass der Besitzer einer Mühle einfach nur Müller oder in diesem Falle eben Willing genannt wurde.

Wie viele Rieser Mühlen wurde auch die Willingsmühle in den Wirren des Dreißigjährigen Krieges stark in Mitleidenschaft gezogen. Nach der Schlacht bei Nördlingen im Jahr 1634 waren die Zeiten dermaßen unsicher, dass sich der damalige Müller seine Wohnung im Nachbardorf Schwörsheim nahm und offenbar nur zum Getreidemahlen in die Mühle kam. Der Hausname „Müller“ hat sich dadurch auch in Schwörsheim auf einem Hof etabliert und bis heute erhalten, obwohl es dort gar keine Mühle gegeben hat.

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Im Frühjahr 1641 wurden durch das Anzünden von Stroh und Heu auf den umliegenden Feldern die noch stehenden Gebäude der Willingsmühle eingeäschert. Damit war es mit dem Betrieb der Mühle zu Ende. Erst in den Jahren 1659/60 baute der Zimmermann Martin Schwefel die Mühle wieder auf. Seine Witwe heiratete im Jahr 1664 mit Thomas Obermüller einen österreichischen Glaubensflüchtling. In dieser Zeit kamen aus dem „Ländle ob der Enns“ in Oberösterreich sehr viele Menschen, die dort wegen ihres evangelischen Glaubens vertrieben worden waren. Ihre Zuflucht fanden sie in den Gebieten der Grafschaft Oettingen und Ansbach, wo sie kriegszerstörte Höfe aufbauten und ihren evangelischen Glauben leben konnten.

In der Zeit von Thomas Obermüller wechselte die Bezeichnung des Anwesens zu „Wolfsmühle“. Zu der Mühle gehörte immer auch eine Landwirtschaft. Im Jahr 1845 bewirtschaftete der Wolfsmüller Joh. Leonhard Meier 47 Tagwerk Felder und gehörte damit zu den größeren Bauern in der Gemeinde. Seine Mühle umfasste damals zwei Getreidemahlgänge, einen Gerbgang, eine Öl- und eine Hirsemühle. Noch heute findet sich auf der Empore der unteren Kirche St. Moritz in Wechingen ein kunstvoll gestaltetes Täfelchen von Joh. Leonhard Meier, das dessen Sitzplatz in der Kirche markierte. Das Schild aus dem Jahr 1856 ziert ein Mühlrad und nennt Meier als „Müllermeister, Vereinsvorsteher“ und „Besitzer auf der Wolfsmühle“.

Im Jahr 1973 wurde der Mahlbetrieb auf der Wolfsmühle nach dem Tod des damaligen Mühlenbesitzers Georg Bogendörfer eingestellt und nur noch die Landwirtschaft im Vollerwerb weiter betrieben, bevor in den 1990er-Jahren auch diese beendet wurde. Im Jahr 1995 schließlich wurde eine Turbine zur Stromgewinnung installiert. Zwischenzeitlich stand das Wohngebäude der Wolfsmühle leer. Es wurde um 2006 abgebrochen. Heute werden Stallung und Scheune als Reitstall genutzt.

Anders dagegen die letzte Mühle an der Rohrach, die Pfladermühle bei Wechingen. Dort befindet sich ein Milchviehbetrieb, jedoch betreibt der 77 Jahre alte Müller Walter Schröppel noch heute im alten Gebäude eine Getreidemühle wie seine Vorgänger. Bis vor einigen Jahren war er mit seinem Traktor und Anhänger in den Nachbardörfern unterwegs und bot sein Mehl zum Verkauf an. Heute beliefert er die immer kleiner werdende Zahl an Kunden meist mit dem Auto.

Im Mittelalter gehörte die Pfladermühle zum Kloster Heidenheim am Hahnenkamm. Bei der ersten schriftlichen Erwähnung wird sie noch als „Beytmül“ bezeichnet. Später wechseln die Namen „Beutmühle“ und „Innere Mühle“ ab, bevor um das Jahr 1700 der Name Pfladermühle aufkommt und sich durchsetzt.

Im Gegensatz zur Wolfsmühle gehörte die Pfladermühle zur Oberen Pfarrei St. Veit in Wechingen. In Wechingen gab es nicht nur zwei Kirchen, sondern auch bis zum Jahr 1810 auch zwei evangelische Pfarrer. Die Mühlbesitzer gehörten zu den reicheren Leuten im Dorf und hatten natürlich ein entsprechendes Selbstbewusstsein. So kam es im 18. Jahrhundert immer wieder zu Differenzen zwischen dem Pfarrer und dem Müller. Letzterer war der Überzeugung, dass der Pfarrer bei der Beerdigung eines Kindes den Leichenzug auf der Mühle abzuholen hätte. Als Kompromiss traf man sich auf halber Strecke auf der Wörnitzbrücke.

Auch die Pfladermühle war im Dreißigjährigen Krieg verlassen und erst 1658 wieder aufgebaut worden. Zahlreiche Besitzer hat auch diese Mühle gesehen. Neben vielen anderen Namen war von 1667 bis 1766 die Müllerfamilie Grießmeier auf dem Anwesen. Sehr dramatisch war der Brand der Scheune auf der Pfladermühle am 16. Januar 1968. Die Wörnitz führte damals Hochwasser und so war der Brandort von einem einzigen See umschlossen. Zusätzlich waren Wege und Straßen noch vereist.

Auch die Feuerwehren aus den Nachbarorten waren im Einsatz und der benachbarte Wolfsmüller zeigte den von Osten anrückenden Feuerwehrleuten einen etwas höher gelegenen und damit befahrbaren Feldweg an der Rohrach, auf dem sich die Feuerwehrmänner dem Brandort nähern und mit den Löscharbeiten beginnen konnten.

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