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Landkreis Donau-Ries

16.02.2021

Zweiter Brandbrief an Aiwanger: Nördlingens OB ist "maßlos enttäuscht"

Einige Donau-Rieser Bürgermeister verschärfen in ihrem zweiten Brandbrief den Ton an Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger.
Foto: Ulrich Wagner (Symbolbild)

Plus Im zweiten Brandbrief fordern Bürgermeister aus dem Landkreis Donau-Ries ein regionales Stufenmodell für Corona-Regeln. Die aktuellen Beschränkungen seien nur noch "schwer zu vermitteln", sagt ein Händler.

Der erste Brandbrief einiger Donau-Rieser Bürgermeister hat viele Menschen erreicht, aber nur wenig bewirkt. Nun gibt es einen zweiten, in dem sich der Ton deutlich verschärft und konkrete Besserungen für den Landkreis Donau-Ries gefordert werden.

Noch immer Lockdown, noch immer keine Perspektive: Händler wie Patrick Behringer von der Hosenecke in Nördlingen treffen die derzeitigen Corona-Beschränkungen hart. Seit Mitte Dezember darf er sein Geschäft nicht mehr für den Kundenverkehr öffnen. Die Lage sei „sehr schwierig“ sagt er: „Das Hauptproblem ist, dass ich ein halbes Jahr vorher die Ware einkaufe. Ich bin verpflichtet, die abzunehmen, und muss sie auch bezahlen.“ Doch während das Geld dafür auf der einen Seite rausgeht, kommt auf der anderen lediglich durch Click&Collect ein Teil wieder rein – vom Bund bekam Behringer zuletzt nur Kurzarbeitergeld. Angesichts der derzeitigen Corona-Zahlen, so der Geschäftsmann, sei das alles nur noch „schwer zu vermitteln“. Das sieht auch der Nördlinger Oberbürgermeister so und wendet sich bereits zum zweiten Mal mit seinen Bürgermeisterkollegen an den bayerischen Wirtschaftsminister. Was der auf den ersten Brief geantwortet hat.

Patrick Behringer ist der Inhaber der Hosenecke in Nördlingen. Seit Mitte Dezember ist sein Geschäft geschlossen, lediglich über Click&Collect kann er noch Ware verkaufen. Bei einer Inzidenz von 26,2 für den Landkreis sei das nur noch „schwer zu vermitteln“, sagt er.
Foto: Cara-Irina Wagner, Fotohaus Hirsch

Corona: Inzidenz liegt im Landkreis Donau-Ries bei 26,2

Doch zunächst zur Lage im Kreis: Tatsächlich lag der Inzidenzwert für den Landkreis Donau-Ries gestern wieder unter der 35er-Marke, nämlich bei 26,2. Oberbürgermeister David Wittner hat sich zusammen mit seinen Kollegen aus Donauwörth, Rain, Wemding, Harburg, Oettingen, Monheim, Kaisheim, Mertingen, Wallerstein und Asbach-Bäumenheim nun erneut mit einem Brief an den bayerischen Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger gewandt. Darin fordern die Rathauschefs nicht nur ein eigenes Förderprogramm des Freistaats sowie echte Perspektiven für Handel, Dienstleister und Gastronomie in den Innenstädten. Nein, die Bürgermeister gehen noch weiter: Sie wollen, dass Corona-Beschränkungen zielgenau und regional differenziert eingesetzt werden und schlagen ein regionales Stufenmodell vor.

Für den Landkreis Donau-Ries seien die aktuellen Regelungen nicht mehr nachvollziehbar, sagt Wittner. Ihn störe, dass man gar nicht darüber spreche, was für einen Preis die Gesellschaft und die Wirtschaft für den Lockdown bezahle – und der sei „horrend“. Wittner fragt sich, wie die Städte wohl nach der Pandemie aussehen, was aus der Gastronomie, aus den Geschäften wird. „Maßlos enttäuscht“ ist der OB von der Staatsregierung in München. Die erlasse zwar sämtliche Verordnungen: „Der Ministerpräsident legt ja Wert darauf, dass seine Rolle die entsprechende mediale Würdigung bekommt.“ Doch wenn es um die Hilfen für Unternehmen gehe, dann verweise man auf Berlin und Brüssel: „Das ist unbefriedigend. Bei den Betrieben geht es um Existenzen.“

Antwort von Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger einen Monat später

Wittner und seine Kollegen haben bereits am 15. Januar einen ersten Brief an Aiwanger geschrieben, die Antwort erhielten sie am vergangenen Freitag, also knapp einen Monat später. Wirtschaftsminister Aiwanger äußert darin „größtes Verständnis“ für die Bürgermeister und die schwierige Situation der von den Corona-Beschränkungen Betroffenen. Er geht davon aus, dass es bald ausreichend Spielraum für Lockerungen geben werde – auch weil die Corona-Fallzahlen sinken und die Zahl der Impfungen steigt. Ausführlich weist Aiwanger auf die verschiedenen finanziellen Unterstützungen hin, von denen Geschäftsleute oder Gastronomen profitieren können.

Blumen Ritter wird schon seit dem 17. Jahrhundert in Wallerstein von der Familie von Richard Ritter geführt. Derzeit ist das Geschäft aufgrund des Lockdowns für den Kundenverkehr geschlossen. Vom Bund hat Ritter bislang kein Geld bekommen. Erst seit wenigen Tagen könne man auf die Homepage der Corona-III-Hilfen, sagt der Wallersteiner. Für den Antrag werde unter anderem eine Umsatzprognose für die kommenden acht Monate gefordert: „Das ist eine Farce.“ Man müsse einen Steuerberater beauftragen, um diesen Antrag ausfüllen zu können – und der koste auch Geld.

Bislang habe man die Branche auf den 7. März vertröstet, doch was danach komme, wisse keiner. Ungewissheit mitten in der Hauptsaison sei das für die Fachhändler – im Frühling fangen die Menschen schließlich an zu pflanzen. Ritter ist aufgefallen, dass die Supermärkte derzeit Produkte aus seiner Branche anbieten. Er fürchtet, dass sich das in den Köpfen der Menschen verankert, dass sie auch künftig ihren Blumen- oder Gartenbedarf dort kaufen.

Ritter liefert seine Pflanzen auch an andere Gärtnereien in ganz Bayern aus. Die ersten hätten ihre Bestellung schon storniert. Sie werden auch nach dem Lockdown geschlossen bleiben – und zwar für immer.

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