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Wörnitz

24.09.2013

Zwölf Stämme: Zwei Mädchen wollten zurück

Mit zahlreichen plakativen Bibelsprüchen vor dem Gelände in Klosterzimmern appellieren die Zwölf Stämme gegen Gerüchte und Vorurteile, bevor das Gericht entschieden hat.
Bild: hum

17-Jährige stand mit ihrer kleineren Schwester vor der Tür ihrer Eltern in Franken. Beide sind wieder bei den Pflegefamilien. Alle Eltern hatten telefonischen Kontakt zu ihren Kindern

Wörnitz/Klosterzimmern Wie berichtet, wurden am 5. September 40 Kinder der Sekte „Zwölf Stämme“ von Jugendamt und Polizei aus Klosterzimmern und dem fränkischen Wörnitz weggebracht. Sie leben jetzt bei Pflegeeltern und in Jugendhilfeeinrichtungen. Am vergangenen Freitag standen allerdings in Wörnitz zwei der Kinder – ein 17-jähriges Mädchen mit ihrer zehnjährigen Schwester – wieder vor der Tür der Eltern und wollten zurück zu ihnen. Die Eltern informierten die Polizei. Die Pflegeeltern hatten die Mädchen, die sich per Bus auf den Weg zur Sektenniederlassung gemacht hatten, bereits als vermisst gemeldet. Noch am selben Abend wurden die Mädchen von der Polizei wieder zu den Pflegeeltern zurück gebracht.

Die Rieser Nachrichten versuchten bei Sektenmitgliedern in Klosterzimmern, die in Kontakt mit den Mitgliedern in Wörnitz stehen, Näheres über die Beweggründe der Mädchen zu erfahren. Demnach gab es keine Klagen über das Leben in der Pflegefamilie direkt, aber Sehnsucht nach den Eltern. Auch dem Jugendamt mache die 17-Jährige keine Vorwürfe, habe sich aber geäußert, dass aus ihrer Sicht die gesamte Aktion für alle Kinder großen psychischen Schaden bedeute.

Alle betroffenen Eltern hatten in der Zwischenzeit telefonischen Kontakt mit ihren Kindern. Dazu werden sie vom Jugendamt über eine unterdrückte Nummer angerufen. Ein Vater, mit dem die RN sprachen, erklärte, er habe seit der Polizeiaktion zweimal für je zehn Minuten mit seinem Sohn sprechen können. Der Tenor aller Gespräche laute, dass die Kinder unter der Situation nicht leiden, aber Sehnsucht nach ihren Eltern hätten; das treffe vor allem auf die Kleinen zu.

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Die Eltern der Kinder, die vor Gericht angehört wurden, erhalten die Protokolle der Anhörungen ihrer Kinder. Der Vater, mit dem die RN sprachen, gab ein Zitat seines 15-jährigen Sohnes wider, wonach dieser sich zur Kernfrage, ob er geschlagen wurde, nicht geäußert habe. Erzieherische Maßnahmen wie ein Schwimmverbot, wenn er unerlaubt zum Fluss gegangen sei, habe der Junge eingeräumt.

Mehrere Väter betonten, sie hätten durchaus den Eindruck, dass die Jugendrichterin am Nördlinger Amtsgericht die Befragungen korrekt und objektiv durchführt und keine Fangfragen stellt: „Wir fühlen uns nicht ungerecht behandelt.“ Probleme hätte man eher mit dem strengen Auftreten des Jugendamtes und einem durch die Gesamtheit der Medien vermittelten Bild von den Zwölf Stämmen, das die Realität verzerre.

Anhörung am Familiengericht wird fortgesetzt

Unterdessen findet vor dem Familiengericht am Amtsgericht Nördlingen weiterhin die Anhörung der Kinder und Eltern aus Klosterzimmern statt. Die Dauer dieses Verfahrens wurde mit mehreren Wochen angegeben (wir berichteten).

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