Bronzeschwert von Nördlingen kehrt zurück und wird im Stadtmuseum ausgestellt
Nördlingen
Das 3400 Jahre alte Bronzeschwert kehrt ins Ries zurück: „Das müssen wir in Nördlingen zeigen“
Das Bronzeschwert von Nördlingen sorgte weltweit für Beachtung, jetzt stellt die Stadt es aus. Holz- und ein Bronzekrümel helfen, den Sensationsfund einzuordnen.
Döderlein-Geschäftsführer Klaus Baier und Nördlingens Oberbürgermeister David Wittner bei der Schwert-Abholung in Thierhaupten.Foto: Jan-Luc Treumann
Wenn es um so eine wertvolle Fracht geht, sichert Nördlingens Oberbürgermeister David Wittner lieber einmal mehr: Das Panzertape in der Hand, reißt er einmal kurz einen Streifen mit den Zähnen an und klebt dann die Box noch ein weiteres Mal zu. Jene Box, zwei Teile aus grauem Plastik, fixiert mit mehreren Streifen Panzertape, ist ziemlich unscheinbar für ihren besonderen Inhalt. Darin wird nämlich das 3400 Jahre alte Bronzeschwert transportiert, das 2023 bei Grabungen in Nördlingen gefunden wurde. Das Schwert kehrt nun nach Nördlingen zurück und markiert damit einen besonderen Tag für die Stadt.
OB Wittner, Andrea Kugler, Leiterin des Stadtmuseums und Klaus Baier, Geschäftsführer der Firma Döderlein - auf deren Gelände das Schwert gefunden wurde - sind am Donnerstag nach Thierhaupten gefahren, um das Schwert persönlich beim Landesamt für Denkmalpflege abzuholen. „Das ist schon ein großer Tag für uns“, so der OB. Seit dem Fund habe man sich bei der Stadt damit befasst, es in München angesehen, viele Gespräche mit den Archäologen und Eigentümern geführt. „Wir mussten alle sehr geduldig sein“, denn man habe erst die Wissenschaft arbeiten lassen, die Besitzverhältnisse klären und die Ausstellung im Stadtmuseum vorbereiten müssen. „Jetzt ist alles geklärt, jetzt dürfen wir es nach Nördlingen mitnehmen und der Öffentlichkeit zeigen.“
So lief die Rückkehr des Bronzeschwerts nach Nördlingen ab
Das 3400 Jahre alte Bronzeschwert wird in Nördlingen ausgestellt. Unsere Redaktion hat die Rückkehraktion begleitet.
Das Schwert ist rund 3400 Jahre alt.Foto: Jan-Luc Treumann
Schwert von Nördlingen: Stadt übernimmt den Sensationsfund als Leihgabe
Denn es sei ein archäologisch besonderer Fund, noch dazu vor dem Hintergrund der Siedlungsgeschichte des Rieses und in diesem einmaligen Kulturraum. Das sieht auch Museumsleiterin Kugler so. Als die Nachricht vom Schwert aufkam, sei man überrascht gewesen, „dass das so riesig aufgeploppt ist“. Es gebe tolle Funde im Ries, die aber leider abwanderten und nicht in der Region ausgestellt würden. Da müsse man sich mit Repliken oder „gar nichts“ begnügen. Der OB habe sich dahintergeklemmt, dass das Schwert ins Museum komme. Wittner betont, es sei sofort klar gewesen: „Das müssen wir in Nördlingen zeigen.“
Die Stadt übernimmt das Schwert als Leihgabe von der Eigentümerfamilie Roman Mayer. Für Baier ist das Schwert „Wahnsinn“, es sei klar gewesen, dass man das der Stadt zur Verfügung stelle. Die Tragweite des Fundes sei erst später wirklich bewusst geworden. Genau die erläutert Dr. Johann Friedrich Tolksdorf vom Landesamt für Denkmalpflege.
Bronzeschwert aus Nördlingen wird auf 1400 v. Christus datiert
Besonders sei, dass nur noch wenige Schwerter heutzutage gefunden werden, häufig könne man wenig über den Kontext sagen - das ist in dem Fall anders. Drei Personen sind in dem Grab gefunden worden, dazu Grabbeigaben. Von den Eger-Auen waren zusätzliche Schichten auf das Grab gespült worden, sodass es einen geringen Luftaustausch gab. Deshalb sei das Schwert so gut erhalten. An einem Pfeilschaft habe man noch einen kleinen Holzkrümel gefunden. Der habe ausgereicht, um mit der sogenannten Radiokarbonmethode das Grab auf 1400 v. Christus datieren zu können.
Bereits vor einigen Monaten hatte Tolksdorf das Schwert gegenüber unserer Redaktion als „qualitatives Spitzenprodukt“ bezeichnet, denn es ist aus zwei Teilen zusammengeführt worden. Weiter untersucht worden ist das Schwert am Helmholtz-Zentrum in Berlin und bei der Bundesanstalt für Materialforschung. Etwa mit einem Teilchenbeschleuniger. So kam heraus: Die Verzierung am Griff ist aus Kupfer. Das sehe man an wenigen anderen Objekten dieser Zeit, so Tolksdorf.
Was Krümel aus Holz und Bronze über das Schwert aus Nördlingen aussagen
Der OB wollte wissen, ob mit dem Schwert gekämpft worden sei, doch das lässt sich schwer beantworten, sagt Tolksdorf: „Es gibt Schwerter mit entsprechenden Beschädigungen, die treten auf, wenn Schwert auf Schwert trifft.“ Doch wenn Schwert auf Gewebe, also einen Menschen trifft, wird das Schwert auch nicht beschädigt.
Der Träger des Schwertes dürfte ein gewisses Renommee gehabt haben, es sei ein Statussymbol. Bei den Grabbeigaben habe man einen Kupferkrümel gefunden. Mit einer Metallanalyse wurde versucht, die Spurenelemente darin zu untersuchen, um die ursprüngliche Lagerstätte herauszufinden. Genau lässt sich die nicht zuordnen. „Es gab aber eine gar nicht so schlechte Übereinstimmung mit den heutigen italienischen Alpen. Dort gibt es Kupfervorkommen, die zu der Zeit auch ausgebeutet wurden“, sagt Tolksdorf. Das Material musste zusammengetragen werden, eventuell habe der Träger diese Handelsströme auch kontrolliert. Jedenfalls sei es passend, dass das Schwert nun bei einem Logistikunternehmen gefunden wurde.
Klaus Baier und Oberbürgermeister David Wittner unterzeichnen unter den Augen von Museumsleiterin Andrea Kugler den Leihvertrag.Foto: Jan-Luc Treumann
Transport war dann auch das Stichwort: In einem Kleinlaster der Firma Döderlein wurde das Schwert dann nach Nördlingen zum Stadtmuseum gefahren, Wittner und Baier unterzeichneten dort die Leihverträge. Im Museum wird jetzt alles für die Präsentation des Schwertes vorbereitet. Ab dem 7. Mai kann sich dann die Öffentlichkeit dieses besondere Stück Geschichte anschauen.
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