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Chiemgauer Volkstheater in Nördlingen: „Eine Amsel macht doch keinen frommer!“

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Chiemgauer Volkstheater: Immer Probleme mit den „Mäusen“

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    Eine turbulente Verwechslungskomödie zeigte das Chiemgauer Volkstheater im Nördlinger Klösterle.
    Eine turbulente Verwechslungskomödie zeigte das Chiemgauer Volkstheater im Nördlinger Klösterle. Foto: Toni Kutscherauer

    Seit vielen Jahren sind die alljährlichen Gastspiele des Chiemgauer Volkstheaters ein fester Bestandteil im kulturellen Programm der Stadt Nördlingen. Heuer präsentierten die Rosenheimer den rund 350 Zuschauern im gut besuchten Stadtsaal Klösterle mit „Eine Amsel macht doch keinen frommer!“ eine unterhaltsame und am Ende turbulente Komödie.

    Im Zentrum der Geschichte steht der ehemalige Schlagerstar Sophie Bauer (Mona Freiberg), die vor 50 Jahren als „Amsel vom Chiemsee“ die Charts stürmte. Nun betreibt sie zusammen mit Schorsch (Andreas Kern), ihrem Koch und „Mädchen für alles“, die Pension „Seeblick“. Als Sophie einen Wellness-Bereich für ihr Hotel plant, bleibt ihr Bauantrag ewig lange unbearbeitet, während bei ihrer ungeliebten Konkurrentin Sabine bereits die Bagger anrollen.

    Chiemgauer Volkstheater zeigt pfiffiges Lustspiel im Nördlinger Klösterle

    Von offizieller Seite ist kaum Hilfe zu erwarten, denn der windige und gerissene Landrat Aschauer (Manfred Stecher) ist zu sehr mit seinen außerehelichen erotischen Aktivitäten beschäftigt, wobei er seinen unbeholfenen Adlatus Huber (Flo Bauer) vor den Karren spannt. Unerwartete Unterstützung kommt dagegen von der akkuraten Stadträtin Katja Hübschmann (Kristina Helfrich), die als Kontrollinstanz im Bauausschuss der Vetternwirtschaft den Kampf angesagt hat. Dabei könnte ein anonymer „Whistleblower“ (Peter Fritsch) mit seinen Insider-Informationen wertvolle Hinweise geben. Dummerweise trägt dieser als Erkennungszeichen den gleichen roten Schal, der auch für den erwarteten Damenbesuch des Landrats vereinbart ist, wodurch Verwechslungen vorprogrammiert sind.

    Mit der Komödie von Autor René Heinersdorff präsentieren die Chiemgauer einmal mehr ein Stück im Stil des traditionellen Volkstheaters. Dabei hat man die üblichen Zutaten zu einem pfiffigen Lustspiel gemixt: ländliches Bühnenbild, spritzige Dialoge, witzige Pointen und markige Sprüche im altbayerischen Dialekt („die Krähe vom Brüttinger Weiher“). Auch beim Ensemble setzen die Oberbayern seit jeher auf Kontinuität. Alle Akteure sind seit vielen Jahren dabei und spielen ihre Rollen ebenso leidenschaftlich wie souverän. Andreas Kern überzeugt als schlitzohriger Koch ebenso wie bei einer Gesangseinlage („der Peter Alexander von Ottakring“), während Kristina Helfrich als überkorrekte „Frau ohne Gnade“ gefällt und Flo Bauer als trotteliger Handlanger des Landrats für Lacher sorgt. Das Herz der Spielschar und eine Klasse für sich ist einmal mehr Hauptdarstellerin und Theaterchefin Mona Freiberg als gewiefte, resolute und mit allen Wassern gewaschene Pensionsinhaberin. Kleine Randnotiz: Den im Theaterstück mehrfach intonierten Schlager „Der alte Zuckerhut in Rio de Janeiro“ hat die „Amsel vom Chiemsee“ als Münchner Faschingsprinzessin in den 70-er Jahren tatsächlich gesungen und auf Platte aufgenommen.

    Viele Stammgäste kamen ins Klösterle

    Im letzten Akt wird es noch einmal richtig turbulent. Das geplante Rendezvous platzt, die Demontage des Landrats scheitert und der „Whistleblower“ („die Nase“) erweist sich als pedantischer Erbsenzähler. Zudem taucht die augenzwinkernd ernst zu nehmende Frage auf, wo kleine Gefälligkeiten enden und wo Korruption beginnt. Für die ultimative Verwirrung sorgt schließlich die Mehrdeutigkeit des Begriffs „Mäuse“, unter dem Sophia das liebe Geld, der Landrat seine weiblichen Gespielinnen und der Koch seine tierischen Mitbewohner in der Küche versteht.

    Auch wenn das Stück nur leichte Theaterkost bot und die Handlung bisweilen etwas schwer zu durchschauen war, das Nördlinger Publikum – darunter viele Stammgäste - lachte, klatschte und fühlte sich vom Chiemgauer Volkstheater einmal mehr bestens unterhalten. Folgerichtig wurden die Schauspieler erst nach mehreren Vorhängen mit reichlich Beifall verabschiedet.

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