Sie war die erste Frau in diesem Amt: 2014 ist Gudrun Gebert-Löfflad zur stellvertretenden Bürgermeisterin der Stadt Nördlingen gewählt worden. „Das war eine große Ehre“, sagt sie heute. Zwölf Jahre lang hat die Löpsingerin die beiden Oberbürgermeister - erst Hermann Faul, dann David Wittner - bei Terminen vertreten, hat Grußworte gesprochen, sich die Sorgen der Menschen angehört, Reisen unternommen. Damit ist jetzt Schluss, und nicht nur damit.
Wenn der neue Stadtrat am 12. Mai zu seiner konstituierenden Sitzung zusammentritt, wird Gudrun Gebert-Löfflad zum ersten Mal seit 18 Jahren nicht dabei sein. Das haben nicht die Bürger, das hat sie selbst so entschieden: Bei den Kommunalwahlen im März ist die 52-Jährige nicht mehr angetreten, nach 24 Jahren stand ihr Name zum ersten Mal nicht mehr auf der Liste der Stadtteilliste. Dass es 2002 überhaupt dazu kam, liegt an einer beruflichen Zwischenstation der Löpsingerin. Denn nach der Geburt ihres ersten Sohnes arbeitete Gebert-Löfflad als Schulsekretärin, ihr Chef war Johann Martin, der Ortssprecher von Löpsingen. Der meinte schon vor der Wahl 2002 zu ihr: „Du könntest doch auf die Liste gehen.“ Und was beim ersten Mal noch nicht klappte, funktionierte sechs Jahre später: Von einem mittleren Listenplatz wurde Gebert-Löfflad in den Stadtrat gewählt.
Gudrun Gebert-Löfflad: Zwölf Stunden-Tage fürs Ehrenamt
Doch nicht nur das, die Mutter von mittlerweile zwei kleinen Buben übernahm 2008 von Johann Martin zusätzlich die Aufgabe der Ortssprecherin von Löpsingen und wurde damit zur ersten Ansprechpartnerin für die Bürger im Nördlinger Stadtteil. Egal, ob neues Spielgerät oder kaputte Straßenlampe, die Menschen aus Löpsingen klingelten als Erstes bei ihr, auch mal am Sonntagvormittag. „Ich war jung, ich hatte da Bock drauf und war voller Energie“, erinnert sich Gebert-Löfflad. Weshalb sie auch gleich ein Großprojekt für „ihr“ Dorf meisterte: den Neubau der Turnhalle. Das sei damals ihre Bewährungsprobe gewesen, meint sie rückblickend. Am 10. Oktober 2010 feierte Löpsingen die Einweihung seiner neuen Sportstätte. „Ich mag Menschen und ich gehe immer davon aus, dass es am Ende gut ausgeht“, sagt Gudrun Gebert-Löfflad. Selbst, wenn auf dem vorgezeichneten Weg Steine liegen. Dann müsse man eben einen anderen nehmen.
Es war ein volles Leben in den vergangenen Jahren: Vor dem Büro die Kinder für die Schule fertig machen, wichtige Anrufe tätigen. Dann in die Arbeit - als die Löpsingerin bei der Heinle Energie und Automationstechnik GmbH angefangen hat, beschäftigte das Unternehmen eine Handvoll Mitarbeiter. Mittlerweile sind es 65, Gebert-Löfflad ist Prokuristin und zuständig für das Personalwesen. Danach wieder nach Hause, zu den Kindern. „Ich konnte immer mittags Zuhause sein, etwa für die Hausaufgaben. So war das alles machbar.“ Abends dann wieder Sitzungen, Termine oder Arbeit: „Diese Flexibilität, die mir mein Arbeitgeber eingeräumt hat, habe ich immer sehr geschätzt. Da konnte ich auch mal abends etwas fertig machen.“ Zwölf, 13-Stunden-Tage waren das stets, sagt sie, machbar nur dank dem Zusammenhalt in der Familie. Der Familienrat habe immer getagt, wenn die Mama eine neue Aufgabe übernehmen wollte: „So etwas habe ich nie alleine entschieden.“
Mittlerweile gehen die Kinder ihre eigenen Wege. Mancher sage zu ihr, jetzt hätte sie doch Zeit, meint Gudrun Gebert-Löfflad und lacht. Doch für sie sei es jetzt gut, nach fast 20 Jahren: „Alles hat seine Zeit.“ Vorstandsvorsitzende der Löpsinger Nahwärme bleibt sie, vielleicht übernimmt sie auch wieder eine Theaterrolle. Doch ansonsten gebe es keinen „Ersatzplan“: „Jetzt lebe ich mal im Rhythmus von allen anderen.“
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