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Nördlingen
08.05.2022

Ronald Hummel: Seine Geschichten bleiben

In Erinnerung an Ronald Hummel, fand eine Lesung aus seinen Büchern statt. Unser Bild zeigt von links: Maxi Höhn, Bernhard Hampp, Robert Milde, Alexander Güntert und Alexander Plöger.
Foto: Cara-Irina Wagner, Fotohaus Hirsch

Anfang 2021 ist der langjährige Mitarbeiter unserer Redaktion, Ronald Hummel, gestorben. An ihn wurde jetzt mit einer Lesung im Nördlinger Schrannensaal erinnert.

Wie schön ist es doch, wenn mehr bleibt als ein Grabstein. Wenn Geschichten von einem Menschen erzählt werden, mit dem man nicht mehr selbst reden und lachen kann. Noch schöner ist es, wenn der Verstorbene seine eigenen Geschichten aufgeschrieben hat, wenn man immer wieder in seinen Büchern blättern und sie nachlesen kann. So, wie es bei Ronald Hummel der Fall ist.

Lange Jahre war "Hummi", so sein Spitzname, ein fester Teil des Teams der Rieser Nachrichten. Noch im Dezember 2020 veröffentlichte er seinen letzten Text, bevor er im Frühjahr 2021 leider an einer heimtückischen Krankheit verstarb. Abschied zu nehmen von einem lieben Kollegen, ja Freund, war schwer in den Hochzeiten der Corona-Pandemie, als die Zahl der Trauergäste beschränkt wurde. Doch in gewisser Weise war dieser Abschied jetzt möglich - dank des Vereins Rieser Kulturtage, des Dramatischen Ensembles und des Vereins Alt Nördlingens sowie der Stadtbücherei und der Buchhandlung Lehmann. Alle zusammen organisierten eine Lesung aus Roland Hummels Werken - und die war ein Ohrengenuss. Denn die vier Vorleser Alexander Güntert, Alexander Plöger, Maxi Höhn und Bernhard Hampp ließen "Hummis" Geschichten so lebendig werden, als ob der Autor selbst im Schrannensaal sitzen und einen Schwank aus seinem Leben erzählen würde.

Ronald Hummel: Als Jugendlicher Krimis auf Super 8 gedreht

Aus diesem Leben berichtete zunächst der stellvertretende Redaktionsleiter der Rieser Nachrichten, Robert Milde. Von allen aktiven Kollegen hatte er am längsten mit Ronald Hummel zusammengearbeitet. Zudem hatte Milde die beste Informationsquelle: Seine Ehefrau Monika gehörte zur gleichen Jugendclique wie Hummel und wusste vom schlaksigen Jugendlichen zu berichten, der bereits Krimis auf Super 8 drehte. Milde würdigte den Journalisten Hummel als einen, der hinterfragte: "Er glaubte nicht alles leichtfertig, was ihm so mancher Informant erzählte." Mit einem Schmunzeln erinnerte der stellvertretende Redaktionsleiter auch an die kleine Schwäche von Hummel: Mit dem Computer hatte dieser öfters (erfolglose) Auseinandersetzungen. "Halllooooo" habe Hummel dann immer in Richtung Bildschirm gefragt, erzählte Milde. Und riet den Vorlesern, sich anzustrengen: "Nicht, dass uns ein lang gezogenes „Halllooooo“ von Wolke sieben darauf hinweisen muss, dass hier nicht alles rund läuft."

Lesung als Ehrung in Nördlingen: Die Vorleser legen sich mächtig ins Zeug

Die vier Vortragenden legten sich mächtig ins Zeug, als erstes Alexander Güntert, der aus dem 1997 erschienenen Buch "Kanonen auf dem Galgenberg" las. Die Geschichte spielt zu der Zeit, als der Daniel in Nördlingen gerade im Bau war, und berichtet von Hannes, einem Bauernburschen. Dem durften die Zuhörer mit Güntert vom Rathaus zur Stadtmauer folgen - vor der ein übermächtiger Feind Stellung bezogen hatte. Alexander Plöger las aus dem letzten, 2019 erschienenen Buch Hummels "Kommissar Stelzle ermittelt". Mit unterschiedlichen Stimmen und teils im Rieser Dialekt unterhielt Plöger die Zuschauer bestens mit einer Verfolgungsjagd per Traktor.

Einen Kurzkrimi aus "Rieser Abgrund", 2011 erschienen, hatte Maxi Höhn ausgewählt. Ruhig und eindringlich las sie die Geschichte eines Möchtegern-Gangsters aus Nördlingen vor. War dieser Ich-Erzähler am Ende gar Hummel selbst, der seine eigenen Erlebnisse beschrieb? Den Abschluss machte Bernhard Hampp mit dem 2000 erschienenen Buch "Das Erbe des Kometen", aus dem er wunderbar szenisch vortrug. Er wählte zwei Abschnitte aus, unter anderem den, in dem einer der Protagonisten den Ries-Diamanten findet.

Ein wenig Wehmut lag am Ende über dem Schrannensaal, Hummels Ehefrau Jutta bedankte sich bei allen Akteuren. Der Vorsitzende des Vereins Rieser Kulturtage, Gerhard Beck, erinnerte die Besucherinnen und Besucher daran: Man könne all die Bücher Hummels wieder hervorholen und noch einmal durchlesen. Mag Ronald Hummel auch gestorben sein, seine Geschichten bleiben.

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