Startseite
Icon Pfeil nach unten
Nördlingen
Icon Pfeil nach unten
Nördlingen
Icon Pfeil nach unten

Pomologie: Geschichte und Bedeutung der Apfel- und Birnensorten im Landkreis Donau-Ries

Landkreis Donau-Ries

Alte Apfelsorten erzählen Geschichte: Zeitreise durch die Pomologie im Donau-Ries-Kreis

  • |
  • |
  • |
  • |
    Steile Triebe beim Luikenapfel sollten meist stehenbleiben, um den Ertrag zu sichern.
    Steile Triebe beim Luikenapfel sollten meist stehenbleiben, um den Ertrag zu sichern. Foto: Christian Baumgärtner

    Äpfel und ihre Geschichte: In Lauchheim wurde es bei den Rieser Kulturtagen erstaunlich lebendig. Statt trockener Fachbegriffe nahm Referent Christian Baumgärnter sein Publikum mit auf eine Zeitreise durch die Pomologie zwischen Ries und Ostalb – von den Anfängen in der Reformationszeit bis ins 19. Jahrhundert.

    Er griff weit zurück in die Geschichte und fing bei dem wohl frühest bekannten Pomologen der Region an: Johann Bauhin. Dann spannte er den Bogen über viele andere wie etwa Pfarrer Carl Vollrath Neidhard (Adelmannsfelden) bis hin zu Eduard Lucas (1816 – 1882), dem Gründer des Pomologischen Instituts Reutlingen, das vielen heute kein Begriff mehr ist. Dort wurden mit immensem Fachwissen Baumwartkurse und Ausbildungen zum Obstgärtner ausdrücklich auch für den Bereich Nördlingen angeboten.

    2000 Bäume säumten damals den Hang des Cassianeums

    Eduard Lucas bestimmte schon damals etliche Sorten aus Bezirkskomitees, von denen im nördlichen Schwaben Monheim und Nördlingen erwähnt werden. Unweigerlich muss man dabei heute an die Obstsortenbestimmungen im Donau-Ries-Kreis vor wenigen Jahren denken.

    Er reiste am 14. Juni 1881 per Riesbahn über Donauwörth nach München. Im heutigen Landkreis Donau-Ries fielen ihm die vielen Obstbäume entlang des Bahndamms auf, damals häufig bereits Halbstämme, was er sehr lobte. Station machte er im Donauwörther Cassianeum bei Ludwig Auer, der offenbar nicht nur ein glühender Kneippianer war, sondern auch zum Pomologenkreis gehörte. Wie sonst lässt es sich deuten, dass damals an die 2000 Hochstammobstbäume den Hang des Cassianeums bei Heilig Kreuz zierten? Sogar die Sorten sind dokumentiert. 1897 erschien in Auers Verlag „Der Obstbau - Taschenbüchlein für Obst- und Bienenzüchter und solche, die es werden wollen“.

    Christian Baumgärtner betonte, wie wichtig es sei, das damalige Wissen heute noch anzuwenden, etwa bei der typischen Württemberger Sorte „Luikenapfel“. Andere Kenntnisse - etwa die geringe Anfälligkeit des Kesseltaler Streiflings gegenüber dem Apfelwickler - liefern heute noch wertvolles Wissen für die Sortenwahl.

    Das bewährte Wissen aus der Geschichte erwerben

    Interessant war auch der Hinweis, dass die Rodungsprämien, denen unzählige Mostobstbäume vor 50 bis 70 Jahren zum Opfer fielen, auch auf den Kampf gegen Alkoholkonsum zurückzuführen war – zugunsten von Tafelobst in ausgewählten Gebieten.

    Wer heute in irgendeiner Weise mit Obstbäumen zu tun hat, eine Streuobstwiese besitzt oder interessiert ist, sollte die Zeit nutzen, „alte Hasen“ als lebendige Lexika auszufragen und neben dem Blick auf moderne Entwicklungen das bewährte Wissen aus der Geschichte erwerben. Akteure wie Christian Baumgärtner setzen einen Teil der Arbeit früherer Pioniere fort.

    Diskutieren Sie mit
    XXX 0 Kommentare
    hier kommen komentare rein

    Um kommentieren zu können, müssen Sie angemeldet sein.

    Anmelden

    Sie haben noch kein Konto? Kostenfrei registrieren