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RN-Interview

21.11.2018

„Bist Du nicht fit, wird’s gefährlich“

Thomas Radler sichtlich zufrieden in der Saison 2015 nach einer gelungenen Übung an seinem Lieblingsgerät Reck.
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Thomas Radler sichtlich zufrieden in der Saison 2015 nach einer gelungenen Übung an seinem Lieblingsgerät Reck.

Plus Kunstturner Thomas Radler hat nach 31 Jahren seine Karriere im Bundesligateam der KTV Ries beendet. Insgesamt 518 Geräteeinsätze sind ein Rekord für die Ewigkeit.

Herr Radler, nach unseren zuverlässigen Informationen turnen Sie seit ihrem fünften Lebensjahr, seit 20 Jahren in der ersten Mannschaft der KTV Ries. Wo überall am Körper knackt’s und zwickt’s nach so vielen Jahren Leistungssport?

Thomas Radler: Ehrlich gesagt aktuell nirgends. Aber es hat natürlich in den letzten Jahren schon öfter an verschiedenen Stellen geknackt und gezwickt. Am meisten Probleme hat mir in den letzten 15 Jahren die linke Schulter gemacht, da bin ich leider sehr anfällig und hatte auch mit ungefähr 18 eine OP. Seitdem turne ich auch keine Ringe mehr. Ansonsten ist es ganz normal, dass im Laufe der Zeit die eine oder andere Verletzung auftritt, das war auch bei mir so und gehört zum Leistungssport nun mal dazu. Wichtig ist nur, dass man seinen Körper nicht kaputt macht und im „normalen Alltag“ keine Einschränkungen hat. Und das ist bei mir der Fall.

36 ist ein stolzes Alter für einen Kunstturner, vor allem auf diesem hohen Niveau. Wie haben Sie sich immer wieder für Training und Wettkampf motiviert?

Radler: Erstens: Ich wollte immer im Wettkampf eine optimale Leistung bringen und mir nicht vorwerfen müssen: Hättest du mehr trainiert, dann wäre bestimmt der eine oder andere Fehler nicht passiert. Das war Motivation genug fürs tägliche Training. Und wenn du zudem in den Bundesligawettkämpfen im Lokalderby gegen Monheim oder Buttenwiesen an die Geräte gehst, dann ist das auch Ansporn genug. Zweitens: Bist du nicht fit, dann wird’s gefährlich im Wettkampf. Eine Verletzung deswegen wollte ich nie in Kauf nehmen.

Man hat beinahe das Gefühl, bei der KTV Ries hat man aufgehört, die Zahl Ihrer Geräteeinsätze zu notieren, als die 500 überschritten waren. Wissen Sie noch die genaue Anzahl?

Radler: Nach dem letzten Wettkampf sind es jetzt genau 518 Einsätze, aber das musste ich ehrlich gesagt selber kurz nachschauen bzw. nachrechnen. Die genaue Zahl ist auch gar nicht so entscheidend, ich habe mir aber vor ein paar Jahren schon mal gedacht: Wäre ganz nett, wenn ich die 500er-Marke knacke.

Nach 15 Jahren erstmals ein Derbysieg gegen Monheim

Sie haben Höhen und Tiefen mit der KTV Ries miterlebt, wobei die Tiefen sich mutmaßlich auf das einzige Abstiegsjahr in die 3. Liga beschränken. Was waren für Sie die persönlichen Höhepunkte Ihrer langen Karriere?

Radler: Es gab durchaus weitere Tiefen, aber das gehört im Sport dazu. Die verdrängt man auch mit der Zeit und in Erinnerung bleiben tatsächlich die Höhepunkte. Da gab es einige, und alle kann ich auf die Schnelle nicht mehr aufzählen. Ich belasse es mal bei drei:

Der erste Sieg gegen unseren Lokalrivalen aus Monheim im Jahr 2002, nachdem wir 15 (!) Jahre lang alle Derbys verloren hatten.

Die erste Meisterschaft in der 2. Bundesliga Süd im Jahr 2003.

Der Wiederaufstieg in die 2. Liga im Jahr 2016.

Wie hat sich in all den Jahren aus Ihrer Sicht Kunstturnen verändert? Weniger Ästhetik, mehr Akrobatik?

Radler: Vor allem in der Weltklasse sind die Übungen die letzten Jahre immer länger und schwieriger geworden, da hat die Ausführung aber nicht darunter gelitten. Somit mein Fazit: mehr Akrobatik und Schwierigkeit, Ästhetik ist gleich geblieben.

Hat ein Kunstturner eigentlich Angst vor schwierigen, mitunter ja auch gefährlichen Übungsteilen?

Radler: Kommt auf den Kunstturner an. Aber ja, manchmal schon, wenn man beginnt, ein neues Übungsteil zu trainieren. Die Angst verschwindet jedoch relativ schnell, wenn man ein neues Teil methodisch sauber erlernt. Zum Schluss bleibt aber immer ein gewisser Respekt und der kann auch nicht schaden, um nicht zu leichtsinnig zu werden.

Sie galten immer als Turner mit extrem guter Körperspannung. Wie kriegt man das hin?

Radler: Ein Teil davon ist vermutlich Veranlagung. Mir hat dafür an manchen Stellen öfter mal die Kraft gefehlt. Ein zweiter Teil wurde mir aber auf jeden Fall auch im Training durch meinen langjährigen Jugendtrainer Jürgen Wundel mitgegeben.

Sie arbeiten und wohnen seit vielen Jahren in München und in Ihrer besten Zeit hat es bestimmt auch Angebote gegeben, zum Beispiel für den FC Bayern zu turnen. War das nie ein Thema für Sie?

Radler: Ein konkretes Angebot gab es nie. Es wäre aber auch kein Thema für mich gewesen. Ich habe mich immer stark mit meinen Heimatverein verbunden gefühlt. Zudem war das bisher im deutschen Turnsport – zumindest auf der Ebene 2. Bundesliga – eher unüblich, vom Heimatverein zur Konkurrenz zu wechseln. Die meisten Turner bleiben ihre gesamte Karriere bei einem Verein und das wird sich hoffentlich nicht so schnell ändern.

Für nächste Saison der KTV-Zweiten bereits zugesagt

Sie haben Ihre Turnlaufbahn in der ersten Mannschaft beendet, betont man bei der KTV Ries ausdrücklich. Können Sie sich vorstellen, künftig ab und zu in der zweiten Mannschaft mitzumischen? Oder bei den Seniorenmeisterschaften, wo beispielsweise Ihre Teamkollegen Wilfried Hofer und Roland Hagner Titel und Platzierungen bis auf bayerischer und sogar deutscher Ebene sammeln? Auch als Trainer oder Kampfrichter könnte man Sie sich vorstellen …

Radler: Ich habe Marcel Schwefel, dem Kapitän der zweiten Mannschaft, schon versprochen, dass ich auf jeden Fall noch eine Saison mit ihm zusammen in der zweiten Mannschaft der KTV Ries turnen werde. Ob alle von den vermutlich vier Wettkämpfen, das müssen wir noch ausdiskutieren. Für die Zeit nach 2019 habe ich noch keinen Plan. Aber so viel zu den konkreten „Vorschlägen“:

Seniorenmeisterschaften: Aktuell kann ich mich dafür nicht motivieren. Schauen wir mal in ein paar Jahren.

Trainer: Eher nicht, da fehlt leider die Zeit neben Familie und Arbeit.

Kampfrichter: Da wird vermutlich Jürgen Wundel, unser aktueller Kampfrichter in der 2. Bundesliga, noch auf mich zukommen und ich werde mich schon irgendwie mit ihm einigen. Den einen oder anderen Einsatz am Kampfrichtertisch traue ich mir auf jeden Fall zu.


Zur Person

Thomas Radler, 36 Jahre, geboren in Nördlingen, aufgewachsen in Rudelstetten. Er turnt seit seinem fünften Lebensjahr für die KTV Ries, wurde als Schüler und Jugendlicher vielfach schwäbischer und bayerischer Meister. Radler lebt mit Ehefrau Julia und Söhnchen Felix (2) in München, wo er bei BMW in der IT arbeitet.


Anlässlich seines 500. Geräteeinsatzes ist im Vorjahr auch ein Porträt über Thomas Radler erschienen: Der Überflieger



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