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Interview

10.10.2018

Die Liga ist nochmals besser geworden

Pat Bär gilt als sehr akribisch arbeitender Basketballtrainer, der seine Mannschaften stets gut vorbereitet in den Wettbewerb schickt.
Bild: Jochen Aumann

Plus Patrick Bär ist als Trainer eine Institution in der Basketball-Bundesliga. Vor dem ersten Angels-Heimspiel am Sonntag analysiert er den diesjährigen Kader und lobt die Fans.

Hallo Herr Bär. Gefühlt sind sie seit mindestens 15 Jahren der Cheftrainer der Nördlinger Bundesliga-Basketballerinnen. Geht’s Ihnen manchmal auch so?

Patrick Bär: Darüber habe ich so noch nie nachgedacht. Sicher sind mittlerweile einige Jahre zusammen gekommen, von Routine kann man aber in dem Zusammenhang nicht sprechen. Jede Saison, jede Mannschaft ist anders, hat eigene Herausforderungen und ist mit Hochs und Tiefs verbunden. Wichtig war und ist, dass die Aufgabe mit Freude und Herzblut ausgefüllt wird.

Das Management der Angels steht jedes Jahr vor der Aufgabe, mit einem überschaubaren Etat einen konkurrenzfähigen Kader zusammen zu stellen. Der Sportliche Leiter Kurt Wittmann ist ein noch älterer Hase als Sie in der Branche. Inwieweit nötigt Ihnen Wittmanns Arbeit Respekt ab?

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Bär: Mit Kurt Wittmann arbeite ich seit dem Aufstieg 2008 eng zusammen. Wir haben beide einen guten Einblick in das Aufgabenpensum des anderen; wie er allerdings seine Aufgaben neben Beruf und Familie schafft, bleibt mir ein Rätsel. Das was Kurt Wittmann in den vergangenen Jahren für den Nördlinger Basketballsport getan hat, lässt sich nicht hoch genug bewerten. Der Respekt und die Achtung voreinander waren nie größer als jetzt. Auch wenn die Rahmenbedingungen an anderen Standorten besser sind, hat Kurt Wittmann es geschafft, die Angels in der Liga mehr als nur zu etablieren.

Sind Sie in alle Personalentscheidungen mit eingebunden?

Bär: Ja, wenn es personelle Dinge zu entscheiden gibt, die den Spielerkader betreffen, dann passiert das immer in Rücksprache. Wir befinden uns im ständigen Austausch und kennen daher die Meinungen und Tendenzen des anderen ziemlich gut. Entscheidungen treffen wir in der Regel nicht von jetzt auf gleich. Das sind Prozesse, bei denen wir uns entsprechend abstimmen und die nötige Zeit geben.

Mit Kimberly Pierre-Louis und Jennifer Schlott sind aus dem Vorjahresteam zwei prägende Spielerinnen der vergangenen beiden Jahre heuer nicht mehr dabei. Gerüchteweise waren sich die Verantwortlichen bei Jen Schlott nicht ganz einig, ob man sie nicht doch weiterverpflichten sollte …

Bär: Sowohl Jen Schlott, als auch Kim Pierre-Louis sind herausragende Persönlichkeiten. Sie haben in den vergangenen zwei Jahren unseren Erfolg mitbestimmt, waren sportlich immer bereit, Verantwortung zu übernehmen, und sind menschlich sehr angenehme Charaktere. Dass beide nun bei anderen Vereinen auflaufen, liegt nicht unbedingt in unserer Hand. Sowohl Jen als auch Kim sind in ambitioniertere Programme gewechselt. Da spielen finanzielle Möglichkeiten und die Perspektive auf größeren sportlichen Erfolg eine wichtige Rolle.

Von der Vergangenheit zur Gegenwart. Alle Testspiele waren erfolgreich und der Start in die neue Saison ist mit dem hohen Sieg gegen Göttingen auch gelungen. Ist das Team der Saison 2018/19 genauso gut wie das des Vorjahres?

Bär: Diese Aussage kann man zum jetzigen Zeitpunkt nicht treffen, wenn man das überhaupt so pauschal sagen kann. Jede Mannschaft ist einzigartig und anders als das Vorjahresteam. Wenn auch nur eine Spielerin kommt oder geht, verändert das unsere Zusammenstellung und damit die tägliche Arbeit. Ich glaube, wir sind breiter aufgestellt, aber in der Spitze nicht so dominant wie im letzten Jahr. Für einen Trainer ist diese Konstellation besser – die Chemie passt, die Spielerinnen trainieren gut.

Anders formuliert: Ist der starke sechste Platz der vergangenen Saison auch heuer im Bereich des Möglichen?

Bär: Das liegt nur zum Teil in unserer Hand. Aktuell sind zu wenige Spiele gelaufen, um eine Aussage darüber treffen zu können, ob wir höher oder niedriger enden werden. Wir wollen uns so teuer wie möglich verkaufen. Wenn wir unser Potential ausschöpfen und die Leistung stetig steigern können, haben wir eine gute Saison gespielt. Der sechste Platz ist möglich, hängt aber in großen Teilen von unseren Gegnern ab. Die Liga ist im Vergleich zu den letzten Jahren nochmals besser geworden.

Eine alte Basketball-Weisheit lautet: Die Offensive gewinnt Spiele, die Defensive Meisterschaften. Wo hat Ihre Mannschaft in dieser Saison ihre Stärken und an welchen Schwächen müssen Sie noch arbeiten?

Bär: Unsere Stärke liegt sicherlich in der Ausgeglichenheit des Kaders. Wir sind deutlich schwieriger auszurechnen und haben mehr Optionen im Angriff. In der Verteidigung sind wir reifer geworden und wollen das auch auf dem Feld zeigen. Wir werden variabler verteidigen und die Gegner so vor Überraschungen stellen. Unsere größte Stärke ist sicher die derzeitige Intensität. Mit dieser Grundlage lässt sich sowohl in den Trainingseinheiten, als auch in den Spielen einiges bewegen.

Mit Luisa Geiselsöder ist in diesem Sommer eine Spielerin, die in Nördlingen das Basketballs-Einmaleins gelernt hat, mit der deutschen Nationalmannschaft U18-Europameisterin geworden. Was fehlt ihr noch, um auch in der Frauen-Bundesliga zu einer dominierenden Persönlichkeit zu werden?

Die Erfahrung ist der große Unterschied

Bär: Luisa ist nun schon einige Jahre dabei und dennoch ist – speziell auf ihrer Position als Brettspielerin – die Erfahrung der große Unterschied. Luisa wurde als beste Nachwuchsspielerin der vergangenen Saison geehrt. Sie hat ein breites Repertoire an Offensivaktionen und mittlerweile die nötige Ruhe in der Verteidigung. Mit wachsender Spielerfahrung auf diesem Level wird sie lernen, ihre Stärken noch bewusster einzusetzen.

Die Angels-Fans gelten in der Liga als besonders faire Gruppe, die ihre Mannschaft leidenschaftlich unterstützt, aber auch gute Leistungen des Gegners anerkennt. Was wünschen Sie sich von den treuen Basketball-Besuchern in der neuen Saison?

Bär: Das mag abgedroschen klingen, aber unsere Fans zählen zu den besten in dieser Liga. Die Stimmung in der Halle ist gut, auch wenn der Gegner brilliert. Die Atmosphäre kommt bei allen gut an. Allerdings sind unsere Fans auch alle irgendwie Helfer, Mitarbeiter und tatkräftige Unterstützer. Ob Hallenaufbau oder Spieltagsorganisation, unsere Fans gehören zur Basketballfamilie. Wir pflegen ein enges Miteinander – das macht es so besonders. Nichtsdestotrotz wünsche ich mir natürlich, dass wir die Heimspiele weiterhin zu einem Spektakel mit guter Stimmung und den entsprechend Erfolgen werden lassen. Das geht nur gemeinsam.

Das Interview führte Robert Milde

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