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Fußball-Vorschau

25.10.2018

Kleine gallische Dörfer im Nordries

Wie eng Dorfbewohner und Fußballer bei den Spielen zusammenrücken, wird auf diesem Bild vom vergangenen Sonntag deutlich. Die Kicker des SV Hausen-Schopflohe dankten es den Zuschauern mit einem 3:0-Sieg.
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Wie eng Dorfbewohner und Fußballer bei den Spielen zusammenrücken, wird auf diesem Bild vom vergangenen Sonntag deutlich. Die Kicker des SV Hausen-Schopflohe dankten es den Zuschauern mit einem 3:0-Sieg.

Der SV Hausen-Schopflohe ist in der Kreisklasse so erfolgreich wie nie. Die Zukunft sieht freilich weniger rosig aus, denn dem kleinen Fremdinger Vorortverein geht in absehbarer Zeit der Nachwuchs aus.

Ein bisschen kommen einem die Fußballer des SV Hausen-Schopflohe vor wie das kleine gallische Dorf in den Asterix-Comics, das sich der Eroberung durch die benachbarten Römer-Lager standhaft widersetzt. In unserem Fall versuchen die kleinen Ortsteile von Fremdingen (zu denen auch noch Seglohe zählt), in Zeiten steigender Fusionsfreudigkeit der Sportvereine ihre Selbstständigkeit so lange wie möglich zu erhalten. Was immer schwieriger wird, wie Vorstandsmitglieder des Vereins unisono betonen.

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Jochen Uhl ist einer von drei gleichberechtigten Vorständen, zuständig vor allem für die Instandhaltung von Sportheim und -anlagen sowie für die AH-Mannschaft. Er selber kickt in der Reserve und hebt vor allem die großartige Bereitschaft der rund 250 Vereinsmitglieder hervor, die notwendigen Aufgaben allesamt selbst zu erledigen: vom Rasenmähen über den Gebäudeunterhalt bis zur Organisation des alljährlichen Pfingstpokalturniers. Das sei vor allem deshalb nicht selbstverständlich, weil fast alle Mitglieder auch bei anderen Vereinen oder Veranstaltungen gefordert seien, beispielsweise in der Feuerwehr oder im Schützenverein, beim Blasius-Festival oder beim Weiherfest. Uhl: „Es sind tolle Mitglieder, die bereit sind, jedes Jahr ihren Dienst zu leisten.“

Als vor sechs Jahren der TSV Fremdingen und die SpVgg Herblingen-Hochaltingen zum FC Nordries fusionierten, war auch die Anfrage an den SV Hausen-Schopflohe da, ob er sich beteiligen wolle. „Die Kernbotschaft war damals, dass wir das alleine stemmen“, erinnert sich der jetzige Abteilungsleiter Martin Uhl, nicht verwandt oder verschwägert mit Jochen Uhl, gleichwohl Arbeitskollege und Bürogenosse. Die Personalentwicklung verlaufe wellenförmig; damals habe es ein Hoch gegeben und die positive Einschätzung habe sich mit dem zweimaligen Aufstieg auch bestätigt, erklärt Martin Uhl. Dafür gebe es jetzt eine heftige Delle, denn im gemeinsamen Nachwuchsprojekt JFG Riesrand Nord Oettingen seien so gut wie keine A- und B-Jugendlichen mehr aus Hausen, Schopflohe oder Seglohe vertreten. „Das sieht nicht gut aus“, sagen Uhl und Uhl in einem Atemzug, wohlwissend, dass die Durststrecke bis zu den nächsten Talenten in D- oder E-Jugend zu lang sein könnte. „Die Gefahr ist groß, dass das Personal irgendwann nicht mehr reicht“, ist Jochen Uhl die Besorgnis anzumerken. Das betreffe die erste Mannschaft und die Reserve; AH, Damen (beide auf Hobbybasis), Damengymnastik und Theatergruppe werde es auf jeden Fall in dem vor 40 Jahren gegründeten Verein selbstständig weitergeben.

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Zu kämpfen habe der Verein auch mit der massiven Landflucht von Jugendlichen und jungen Männern. Noch einmal Martin Uhl: „Der berufliche Weg führt oft woanders hin. Unsere Spieler müssen bereit sein, aus allen Richtungen anzureisen. Da gehört schon eine gehörige Portion Vereinsverbundenheit dazu.“ Mit dieser dünnen Personaldecke finde dann ein Konkurrenzkampf um einzelne Positionen nur begrenzt statt.

In der Tabelle eingerahmt von zwei Landkreis-Städten

Also den Moment beim Blick auf die Tabelle genießen: Tabellensechster mit 20 Punkten und ausgeglichener Torbilanz, eingerahmt von den Landkreis-Städten Harburg (5.) und Wemding (7.). Trainer Hans-Peter Kaufmann, der in der zweiten Saison im Nordries das Sagen hat (als Nachfolger des fünf Jahre lang erfolgreichen Manfred Gruber), lobt das homogene Mannschaftsgefüge und den enormen Teamgeist, den er in diesem Maße noch nirgends erlebt habe. Dabei seien wichtige Akteure wie Christoph Schneider (Schulter-OP) und Manuel Förch (Meniskus) derzeit langzeitverletzt, würden wohl erst in der Rückrunde wieder zum Team stoßen. „Das hat uns in der Vorbereitung schon geschockt“, sagt Kaufmann, „aber dann sind wir als Team eng zusammen gerückt.“

So eng, dass der derzeit erfolgreichste Kreisklassist (vier Siege, ein Remis, eine Niederlage aus den letzten sechs Spielen) in dieser Saison nach der Vorrunde schon fast genausoviele Punkte auf dem Konto hat wie in der gesamten letzten Runde. „Ich bin sehr froh, dass wir heuer die Rückrunde deutlich entspannter angehen können“, sagt der Trainer, „und auch mit breiter Brust.“ Dass die Personalsituation in der Zukunft prekär werden könnte, sieht natürlich auch Kaufmann: „Bei den Spielen trifft es vor allem die Reserve. Außerdem merkt man es an der Trainingsbeteiligung, wo ich während der Woche mitunter nur zehn Leute zur Verfügung habe.“

Blauäugig wäre es, wenn der Vereinsvorstand in dieser Lage keinen Plan B in der Schublade hätte. „Natürlich machen wir uns Gedanken, aber es ist noch nichts spruchreif“, gibt Jochen Uhl zu. Die Partner müssten gut zusammen passen, schließlich habe es Fusionen gegeben, bei denen sich die Vereine schnell wieder getrennt hätten. Und natürlich hänge es dann auch von der künftigen Spielklasse ab, ob das kickende Personal mitmache. Uhl fürchtet: „Da ist es mit der Vereinstreue dann ganz schnell vorbei.“

Dem SVHS-Vorstandsmitglied hat das Bild vom kleinen gallischen Dorf übrigens gut gefallen und er gibt bei seinem abschließenden Blick in die Zukunft des Vereins den Ball zurück: „Unsere Situation sieht von außen besser aus, als sie in Wirklichkeit ist. Denn langsam geht uns der Zaubertrank aus ...“

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