Newsticker

Putin: Weltweit erster Corona-Impfstoff in Russland zugelassen
  1. Startseite
  2. Lokales (Nördlingen)
  3. Lokalsport
  4. Rassismus-Vorwürfe: Drei Punkte für den TSV Möttingen, aber kein Freispruch

Sportgericht

10.07.2020

Rassismus-Vorwürfe: Drei Punkte für den TSV Möttingen, aber kein Freispruch

Das Kreissportgericht hat über das im November 2019 abgebrochene Kreisligaspiel zwischen dem TSV Möttingen und der SSV Höchstädt entschieden.
Bild: Alexander Kaya (Symbolfoto)

Plus Acht Monate nach dem Abbruch des Kreisliga-Spiels gegen Höchstädt gibt es ein Urteil des Kreissportgerichts. Ob es rechtskräftig wird, ist noch nicht sicher.

In der Zeit vor der Corona-Pause hatte ein Spielabbruch in der Kreisliga Nord für reichlich Wirbel gesorgt. Am 17. November waren die Kicker der SSV Höchstädt nach der Halbzeitpause nicht mehr aufs Spielfeld zurückgekehrt, weil ihr Spieler Abdul Wahab Ibrahim-Ussif von Anhängern des Gastgebers TSV Möttingen mutmaßlich rassistisch beleidigt wurde und aufgelöst in der Kabine weinte.

Knapp acht Monate später hat das Kreis-Sportgericht (KSG) Donau nun ein Urteil gefällt. Demnach wird die Partie mit 2:0 für den TSV Möttingen gewertet, ein Freispruch ist dies für die Rieser allerdings nicht. Denn die Wertung wird damit begründet, dass die Höchstädter den Spielabbruch verschuldet hatten. Ein Abbruch sei allerdings nur das allerletzte Mittel, Priorität habe immer eine Fortsetzung der Partie. Dass rassistisch beleidigende Worte in Richtung Ibrahim-Ussif gefallen sind, steht nach Überzeugung der Sportrichter nach teils widersprüchlichen Stellungnahmen und einer mündlichen Verhandlung jedoch fest. Deshalb wird der TSV Möttingen mit einer Geldstrafe von 300 Euro belegt, die Höchstädter werden wegen des verschuldeten Spielabbruchs mit 100 Euro zur Kasse gebeten.

Möttingens Trainer Gerhard Wiedemann hatte beteuert, dass er keinerlei rassistische Beleidigung im Umfeld der Auswechselbank wahrgenommen hatte. Auch das Schiedsrichtergespann konnte entsprechende Aussagen nicht bestätigen. Allerdings sprach nach Ansicht des Sportgerichts das Verhalten von Höchstädts Spieler Ibrahim-Ussif dafür, dass dieser eben doch entsprechend beleidigt wurde. Denn Ibrahim-Ussif bewegte sich nach einem Foul, für das er die gelbe Karte bekam, erst einmal Richtung Mittelkreis, um dann umzudrehen. Der Höchstädter zeigte den Stinkefinger und drosch den Ball in Richtung der Zuschauer, aus deren Ecke er nach Einschätzung der Sportrichter die Beleidigung glaubhaft vernommen hatte.

Rassismus-Vorwürfe: Drei Punkte für den TSV Möttingen, aber kein Freispruch

Dafür sah Ibrahim-Ussif die rote Karte und wurde für fünf Punktspiele gesperrt. „Wer den Spieler in der Kabine gesehen hat, hat keinen Zweifel daran, was passiert ist“, erklärte Höchstädts Abteilungsleiter Thomas Kehrle während der Winterpause, weshalb sich die Mannschaft solidarisierte und nicht mehr bereit war, die Partie beim Stande von 2:0 für Möttingen fortzusetzen.

Vom TSV Möttingen gab es gestern keine offizielle Stellungnahme. Es hieß lediglich, dass der Vorstand prüfe, ob er Widerspruch einlegen wird, weil er das Urteil für ungerechtfertigt halte. Unverständnis löse beim TSV vor allem die Tatsache aus, dass das Sportgericht die Aussagen der Unparteiischen ignoriert und stattdessen bloße Mutmaßungen angestellt habe. (mit rom)

Themen folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Das könnte Sie auch interessieren