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Nördlingen

09.05.2020

So nehmen Fanclubs im Ries die Fußball-Pause wahr

Fußballfans am Spielfeldrand wird es auf absehbare Zeit nicht geben.
Bild: Jais

Plus Weil das runde Leder nicht rollt, ist das Vereinsleben zum Erliegen gekommen, auch im Ries. Wie gehen Fußballfans damit um? Wir haben uns in der Region umgehört.

Der Ball rollt nicht mehr von der Bundesliga bis in die Amateurklassen. Wie gehen die Fans verschiedener Vereine damit um? Mehreren Fanclubs aus der Region haben wir dazu Fragen gestellt. Der Fußball fehlt allen Befragten sehr. Aufgrund der politischen Vorgaben gerät zur Zeit alles in den Hintergrund. Die schönste Nebensache der Welt und die damit einhergehenden sozialen Kontakte bewegen sich im digitalen Bereich, denn Treffen vis-à-vis sind ja nicht möglich.

Der Oettinger Martin Dörzbach, erst seit Januar zusammen mit dem Lauber Tobias Lechner Vorstand des Nördlinger Löwenfanclubs, betont, dass Fußball von der Bundesliga bis in die Kreisliga für viele Menschen einen Fixpunkt darstelle. Alles fühle sich an wie eine vorgezogene Sommerpause, nur schlimmer. Arnold Hanschek vom FC Bayern-Fanclub „Eichendorffstüble“ sieht das ähnlich. Alle persönlichen Kontakte seien auf Null zurückgefahren. Dörzbach hierzu: „Es gibt eine WhatsApp-Gruppe für Fans und eine für die Vorstandschaft, doch die mitzuteilenden Neuigkeiten halten sich in Grenzen.“ Man sei als Löwenfan grundsätzlich leidensfähig, doch die Corona-Krise sei eine andere Dimension, so Dörzbach. Das Nichtstun falle umso schwerer, da der Nördlinger Löwenfanclub als einer der rührigsten gilt: „Wir sind der aktivste Fanclub außerhalb Münchens, wir fahren zu jedem Spiel“, sagt Dörzbach nicht ohne Stolz.

Man weiß nicht, wie es weiter geht

Die Rieser Löwen Hainsfarth, 1985 gegründet, haben derzeit 78 Mitglieder, größtenteils alle aus Hainsfarth. „Wir versuchen, einmal im Frühjahr und im Herbst mit dem großen Bus zu einem Heimspiel nach München zu fahren. Für das Spiel gegen den MSV Duisburg am 14. März wären wir mit 55 Personen ins Grünwalder Stadion gefahren, leider wurde es einige Tage vorher aus bekannten Gründen abgesagt“, erklärt Vorstand Ralph Fackler. In kleineren Gruppen besucht der Fanclub in etwa jedes zweite oder dritte Heimspiel, viele Mitglieder sind noch aktive Fußballer, weswegen es des Öfteren zu Terminüberschneidungen kommt. „Aktuell ist es natürlich sehr ruhig, auch die Berichterstattung über die Löwen ruht, mal sehen wie es weitergeht“, sagt Fackler.

Der Fanclub des FC Augsburg, die FCA-Freunde Rieskrater, hat insgesamt zwar 143 Mitglieder, doch nur etwas mehr als 50 sind wirklich aktiv. „Wir hoffen, dass wir am 19. Juli unsere Jahreshauptversammlung durchführen können“, sagt Fanclub-Präsident Roland Zühlke. Dann soll auch ein neuer Club-Präsident gewählt werden, denn Zühlke stellt sich nach elf Jahren nicht mehr zur Verfügung. „Wir haben zwei WhatsApp-Gruppen, die Aktivitäten sind allerdings gegen Null. Sollte es Geisterspiele geben, dann werden sich verschiedene Gruppen die Partien gemeinsam im Fernsehen anschauen. Aber das ist nicht das Erlebnis, das schon mit der gemeinsamen Fahrt zum Stadion beginnt“, sagt Zühlke, der befürchtet, dass einige Leute abspringen: „Der einzelne Zuschauer hat weniger in der Tasche und am ehesten spart man am Freizeitverhalten. Der eine oder andere wird sich überlegen, ob er seine Dauerkarte verlängert“, so Zühlke, der sich vehement für ein Freikartenkontingent für Kinder ausspricht: „Insbesondere bei nicht ausverkauften Spielen war mein Vorschlag an den FCA, für eine bezahlte Karte vier Freikarten für Kinder zu erhalten, aber meine Anfragen blieben mehr oder weniger unbeantwortet“, so Zühlke.

Die Entwicklungen abwarten

Alle Befragten sind sich im Grunde einig, dass es, wenn auch mit Geisterspielen, weitergehen wird. Ein Saisonfinale mit Zuschauern im Stadion schließen alle aus. Letztlich sei es auch eine wirtschaftliche Entscheidung. Außer den großen Clubs werde der eine oder andere Verein Probleme bekommen. Unisono erklären die Fanclub-Chefs, dass die Krise keine existenziellen Auswirkungen auf den Fanclub habe. Man arbeite auf Sicht und warte die Entwicklung ab.

Beim Nördlinger FC Bayern Fanclub „Eichendorffstüble“ stand eigentlich das 25-jährige Vereinsjubiläum mit einer Feier im Sportpark auf der Tagesordnung; es wurde ebenso abgesagt und auf das nächste Jahr verschoben wie die Maifeier. Auch die Fahrt zum Auswärtsspiel nach Dortmund wird nicht stattfinden. Der Vereinsausflug Ende September nach Heidelberg ist noch offen. Der siebenköpfige Vorstand hielt Vorstandssitzungen über Videokonferenz ab, zumal auch einige Dinge besprochen werden mussten, die im Zusammenhang mit der Corona-Krise standen. „Für bereits gekaufte Karten haben wir vom FC Bayern das Geld bereits zurückerhalten“, sagt Arnold Hanschek, seit der Gründung des Fanclubs im Jahre 1995 der erste Vorstand. Dieser nutzt den Leerlauf für eine Tour auf dem Jakobsweg von Nördlingen an den Bodensee. Immer am Montag, wenn seine Gaststätte Ruhetag hat, macht sich der Österreicher auf den Weg. „Es ist herrlich, so viel Natur habe ich in Deutschland noch nie gesehen“, sagt Hanschek. Die Geisterspiele sind laut Hanschek lebensnotwendig für viele Profivereine, doch „Faktor Nummer eins sind die Zuschauer, auch wenn die Vereine uns immer wieder erzählen, dass nur ein Budgetanteil von unter 20 Prozent durch Zuschauereinnahmen rekrutiert wird“.

Emotionaler Wert für die Fans

Fußballvereine unterscheiden sich in manchen Punkten von klassischen Wirtschaftsunternehmen. Vereine haben einen emotionalen Wert für ihre Fans, den man rational nicht beschreiben kann. Sie verbinden Regionen, stiften Sinn und geben Menschen Halt. Und letzten Endes funktioniert der Profifußball als Unterhaltungsgeschäft nur aufgrund dieser emotionalen Werte, die Fans überall auf der Welt ihren Vereinen zuschreiben. Fußball ohne Fans ist nichts. Das Bedürfnis nach Austausch ist bei den Fans ja weiter da, findet dann aber eher über Social Media statt. Fußball lebt von Emotionen, auch die Spieler brauchen die Kulissen, die Anfeuerung. Bei Geisterspielen ist es aber eher wie bei einem Trainingsspiel. Das führt zu einem Bedeutungsverlust, es werden andere Spiele sein.

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