Und dann wehen die Fahnen am Daniel doch, die Altstadt ist proppenvoll. Die Prognose des Deutschen Wetterdienstes verunsicherte die Nördlinger noch ein paar Tage zuvor, doch um 9.29 Uhr eröffnen Trommeln und kurz darauf Trompeten den diesjährigen Stabenumzug.
Sabrina Enslir steht direkt gegenüber in der Augsburger Straße und wartet auf ihr Kind. „Es ist schön für die Kinder, wenn sie nicht mehr nur zuschauen, sondern auch endlich selbst dabei sein dürfen“, sagt sie. „Wenn die Kinder das erste Mal mitlaufen, ist das ein rührender Moment“, sagt Yvonne, die ein paar Meter weiter wartet.
Mit dem Stabenumzug kehrt der Frühling in Nördlingen ein
„Frühling ist nun eingekehrt, fort die Winternacht“, singen die über 2000 Kinder mit vielen weiteren der Schaulustigen. Durch das Reimlinger Tor schiebt sich das Getöse immer weiter Richtung Marktplatz, direkt vor den Daniel.
Steffi Högner, Kindergärtnerin im Natur- und Waldkindergarten „Die Wipfelstürmer“, kommt eigentlich gar nicht aus dem Ries. Seit sie hier wohnt, ist sie aber begeistert, „wie kräftig man hier den Frühling feiert“. „Schulfrei, eine Wurst und Karussell fahren – dann ist der Frühling perfekt“, sagt sie. Im „Haus der Kinder“ bauen sie für jeden Stabenumzug ein anderes Wahrzeichen von Nördlingen nach – diesmal war ganz klassisch der Daniel dran. „Die Kinder konnten es kaum erwarten, haben das Stabenlied gesungen und tagelang den Daniel gebaut“, sagt Claudia Mehling, die Kindergärtnerin.
So langsam füllen die Kinder mit all ihren Farben aus Kleidung, Flaggen und Blumenkränzen die letzten freien Flecken des Marktplatzes. Von den Fenstern blicken viele weitere Menschen über den Platz, wie etwa dem „Zuckerlädle“ oder dem „Eiscafé Adria“. Sogar auf dem Baugerüst neben „Papier Hartmann“ stehen die Zuschauer, um den bestmöglichen Blick zu haben.
Neuer Stadtschreiber Kasmann schreibt für das Stabenfest ein Gedicht
Dann beginnen vor allen Teilnehmenden Natalie Wittig, Frederic Stroot und Josephine Lutz von der Mittelschule Nördlingen mit der Huldigung. Fünf bis sieben Mal am Tag hätten sie es bis zu zwei Wochen lang aufgesagt, damit am heutigen Tag alles klappt – „aber eigentlich konnten wir es schon am ersten Tag“, sagt Natalie und grinst.
Neu war diesmal das Gedicht des neuen Stadtschreibers Guido Kasmann. Er schrieb es anlässlich des Stabenumzugs und deshalb beschäftigt es sich natürlich mit dem Frühling: „In Sträuchern tausend Spatzen schwatzen, Flüsse an den Deichen kratzen, dann braucht man nicht mehr Schal noch Mütze, nur Gummistiefel für die Pfütze.“
Stabenfest in Nördlingen: Die schönsten Bilder vom Stabenumzug 2026
„Also da muss mindestens nochmal ein Zehner drin sein“, sagt OB Wittner
Oberbürgermeister David Wittner betont in seiner Rede vor allem die lange Tradition des Festes. „Eltern, Großeltern, Urgroßeltern – da könnt ihr 20 Mal ein „Ur“ davorsetzen, die sind da vielleicht schon mitgelaufen.“ Er ermutigt aber auch die Kinder nach ihrem redlich verdienten Stabengeld zu fragen: „Ihr hoffe, ihr habt alle euer Stabengeld bekommen. Wenn nicht, würde ich meine Eltern oder Großeltern nochmal drauf ansprechen. Also da muss mindestens nochmal ein Zehner drin sein.“
Er selbst habe „Bammel gehabt“ vor dem Wetter an diesem Montagvormittag. So sehr er den Regen auch schätze, ganz sicher bräuchten sie nicht ihn beim Stabenumzug, sagte er. Deshalb widmete er das abschließende Dankeslied vor allem dem lediglich bewölkt gebliebenen Himmel.
Stabenumzug kommt auf der Kaiserwiese an
Dann zieht die Menge weiter Richtung Baldinger Tor, um beim Stabenfest auf der Kaiserwiese anzukommen. Auf der Stadtmauer beobachtet Jürgen Schinderle am liebsten das Geschehen. Er findet, hier bekommt er die „Wucht“ des Stabenfests am besten mit. Ihm war noch bange, dass das Fest wegen des schlechten Wetters nicht stattfinden könne. „Die armen Kinder, die sich so lange auf das Fest vorbereitet haben“, habe er sich gedacht.
Die singenden Kinder kommen gegen 11.30 Uhr auf der Kaiserwiese an. Hier wird angefeuert und sich ausprobiert – etwa beim Stangenklettern oder Basketballversenken. Melinda von der Grundschule Kleinerdlingen lief in diesem Jahr bereits das zweite Mal mit. Aufgeregt war sie diesmal nicht mehr. Dass sie mit dem Ball bei den Spielen dieses Mal getroffen hat, ist ihr Highlight an diesem Tag.
Während schlussendlich auch über der Kaiserwiese nur harmlose Wolken hängen, ist für die vielen Kinder plus Anhang längst klar: Der Frühling ließ sich in Nördlingen wie gewohnt begrüßen – ganz egal, was der Wetterdienst ein paar Tage zuvor noch gesagt hat.
Um kommentieren zu können, müssen Sie angemeldet sein.
AnmeldenSie haben noch kein Konto? Kostenfrei registrieren