Telefonische Krankmeldung: Hausärzte im Landkreis Donau-Ries sehen Vor- und Nachteile
Krankheitstage
Ende der telefonischen Krankmeldung? Das sagen Hausärzte der Region
Weil die Zahl der Krankheitstage gestiegen ist, will die CSU die telefonische Krankschreibung abschaffen. Eine gute Idee? Wir haben bei Hausarztpraxen im Landkreis Donau-Ries nachgefragt.
Die CSU fordert, dass Arbeitnehmer künftig wieder in die Arztpraxis kommen müssen, um sich krankschreiben zu lassen.Foto: Bernd Weißbrod, dpa (Symbolbild)
Die telefonische Krankmeldung wurde im Zuge der Corona-Pandemie unter der Ampel-Regierung 2021 erstmals eingeführt und zwei Jahre später dauerhaft etabliert. Sie sollte dabei helfen, Arztpraxen zu entlasten und die Infektionsgefahr im Wartezimmer zu senken. Die CSU fordert, dem Ganzen nun ein Ende zu setzen – begründet durch den hohen Krankenstand in Deutschland. Das sagen Mediziner in der Region zu dem Vorschlag.
Dr. Michael Mertin, Hausarzt in der Praxis Atriumdocs in Donauwörth, befürwortet die telefonische Krankmeldung, da sie „für alle Beteiligten von Vorteil“ sei. Für Patienten wie ärztliches Personal ließe sich gut Zeit einsparen, da ein extra Praxisbesuch so nicht mehr notwendig sei.
Telefonische Krankmeldung: „Für alle Beteiligten von Vorteil“
Gerade bei hochinfektiösen Patienten sei die telefonische Krankmeldung sinnvoll. Ihnen könne der Arzt nur raten, „zu Hause zu bleiben und niemanden anzustecken“. Außerdem würden Hausmittel und frei verkäufliche Medikamente wie Ibuprofen reichen, solche Krankheiten auszukurieren. Dennoch würden in seiner Praxis nur bekannte Patienten auf diese Leistung zurückgreifen können. Und es müsse „ein insgesamt plausibles Krankheitsbild“ vorliegen, wie momentan Husten, Schnupfen oder Heiserkeit.
Das Missbrauchspotential sieht Mertin, dennoch sei dieses in seiner Praxis gering. „Das Vertrauen zu den Patienten ist hoch“, beteuert der Arzt. Es sei ein „Rückschritt, wenn alle Patienten wieder in die Praxis kommen müssten“. Eine Alternative zur telefonischen Krankmeldung sei ja auch eine Art Videokonferenz mit den Kranken: so könne eine „indirekte Untersuchung“ stattfinden.
Hohes Vertrauen in die Patienten: Missbrauchspotenzial in Donauwörther Praxis gering
Einen Vorteil zur Entlastung der Hausarztpraxen sieht auch Melanie Schlecht in der telefonischen Krankmeldung. Die medizinische Fachangestellte aus der Praxis Dr. Vitkovsky in Oettingen räumt ein, dass die Sprechstunde voll und sehr belastet wäre, würde man alle Patienten einbestellen. Dennoch befürworte die Oettinger Hausarztpraxis die Forderung, die Krankmeldung übers Telefon abzuschaffen – das Angebot würde „wahnsinnig ausgenutzt“ werden. „Man hört am Telefon ja, wenn jemand nicht krank ist“, beteuert Schlecht.
Um die Krankmeldung abzuschließen, würden die Praxen ja auch die Krankenkassenkarten ihrer Patienten brauchen. „Die richtig Kranken schleppen sich rein und bringen die Karte“, erzählt die medizinische Fachangestellte. Nicht-Kranke würden meist jemand anderen dafür in die Praxis schicken. Schlecht beklagt, dass der Begriff der „Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung“, wie eine Krankmeldung offiziell heiße, seit der Corona-Pandemie an Bedeutung verloren habe. „Man ist ja wegen einem Schnupfen nicht arbeitsunfähig.“
Krankschreibung übers Telefon: „Man hört am Telefon, wenn jemand nicht krank ist.“
Auch die Dauer der Krankschreibung würde verschieden aufgenommen werden: Für „wirklich Kranke“ seien zwei bis drei Tage in Ordnung. Die Bescheinigung könne bei Bedarf ja immer verlängert werden. „Nicht-Kranke“ würden sich oft dagegen auflehnen, würden lieber die ganze Woche krankgeschrieben werden.
Schlecht befürworte die Abschaffung der telefonischen Krankschreibung. Die Hemmschwelle, sich krankzumelden, sei höher, wenn man in die Praxis kommen muss. Man müsse dem ganzen „die Leichtigkeit nehmen“. In Oettingen wäre es machbar, alle Patienten in Präsenz zu untersuchen. Allerdings räumt die medizinische Fachangestellte auch ein, dass andere Praxen Probleme dadurch bekommen könnten, nicht alle Patienten unterzukriegen.
Oettinger Praxis zu Krankschreibungen: „Man muss dem Ganzen die Leichtigkeit nehmen“
Hausarzt Sebastian Völkl könne die Forderung nach einem Aus der telefonischen Krankmeldung grundsätzlich verstehen. Als Arbeitgeber gebe er der Politik recht: Das Geschäft trage Schaden davon, „wenn Leute sich oft krankmelden“. Er beobachte generell, dass Patienten zu oft und zu lange krankgeschrieben werden würden. Doch auch unter Kollegen der Arztpraxis Völkl in Nördlingen sei die CSU-Forderung ein Streitpunkt.
Aus seiner Sicht als Hausarzt räumt Völkl ein, „macht eine telefonische Krankmeldung durchaus Sinn“. „Es hält Teile an Patienten aus der Praxis raus.“ Eindeutige Fälle, wie beispielsweise Grippe-Patienten oder Magen-Darm-Erkrankte, brauche er sich in der Praxis nicht extra ansehen. Das Infektionsrisiko im Wartezimmer würde sich dadurch auch unnötig erhöhen.
Telefonische Krankmeldung: sinnvoll vor allem für hochansteckende Patienten
Der Hausarzt beschreibt sich selbst als „Fan“ der telefonischen Krankmeldung - „aber beschränkt“. Man dürfe über das Telefon nicht zu lange krankschreiben und die Krankmeldung selbst müsse man kritisch prüfen. „Oft wollen Leute die ganze Woche“, erzählt Völkl. Er sei ein Fan davon, lieber zwei Tage krankzuschreiben und danach bei Bedarf zu verlängern. Es gäbe auch Patienten in seiner Praxis, „die sich gar nicht am Telefon krankschreiben lassen können“, etwa wegen zu vieler Krankheitstage.
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