Eigentlich hatte Bruno Frey geglaubt, dass sich die Sache mit den Tieffliegern erledigt habe. Über viele Jahre sei ja Ruhe gewesen, sagt der Wemdinger, seit der Merkel-Ära etwa, als auch die Wehrpflicht abgeschafft wurde. „Aber jetzt fängt der Mist wieder an“, ärgert sich Frey. Erst am 20. März habe er zwei tieffliegende Kampfflugzeuge über seiner Heimatstadt gesichtet und vor allem gehört. Frey ist mit seinem Ärger nicht alleine.
Seit dem vergangenen November trainieren Piloten der Bundeswehr in der sogenannten Area 7, zu der auch Teile des Landkreises Donau-Ries gehören, wieder Tiefflüge. Wie die Luftwaffe informierte, senken die Piloten ihre Maschinen dazu für kurze Zeit auf eine Höhe von 250 Fuß, was rund 76 Metern entspricht. Nur zum Vergleich: Das Nördlinger Wahrzeichen Daniel ist rund 90 Meter hoch. Trainingszeiten sind zwischen 9 und 12.30 Uhr sowie 13.30 und 17 Uhr. Die Piloten sollen Städte, Industrieanlagen und Naturschutzflächen meiden, sofern der entsprechende Auftrag es zulasse, was aber nicht immer der Fall ist. Der ehemalige Bundeswehr-Oberst Roderich Kiesewetter erklärte unserer Redaktion im vergangenen Jahr, dass der Tiefflug ein Kernelement sei, um vor gegnerischen Radaren und Luftverteidigungssystemen geschützt zu sein. Doch er sei auch ein belastendes und schwieriges Manöver.
Piloten im Tiefflug: Grundschüler lassen sich nicht beruhigen
Belastend scheinen die Tiefflieger auch für manche Bürger zu sein. Im März etwa schreckte der Lärm Grundschüler in Wemding auf. Zwei Erstklässler ließen sich nicht mehr beruhigen und mussten von ihren Eltern abgeholt werden. Bürgermeister Dr. Martin Drexler sagt, es seien bereits mehrere Beschwerden bei ihm angekommen. Die sammle man derzeit im Rathaus und gebe sie dann in Richtung Bundestagsabgeordnete weiter. Die Bürgerinnen und Bürger würden sich über den Lärm beschweren, den die Tiefflieger verursachten und dass die Flugzeuge so plötzlich und überraschend über ihnen auftauchten.
Schon als die Piloten vor Jahrzehnten über dem Landkreis den Tiefflug trainierten, gab es Widerstand. Damals gründete sich eine Gruppierung, drei Vertreter wurden sogar in den Donau-Rieser-Kreistag gewählt. Einer war Peter Thrul, der später für die PWG im Gremium saß. „MUT“ habe damals für „Müll, Umwelt, Tiefflug“ gestanden, erklärt er, es sei auch um neue Müllverbrennungsanlagen in Bayern gegangen. Thrul wohnt in Marxheim, dort seien die Tiefflieger unter anderem über den Kindergarten gedonnert: „Die Kinder waren dann ganz durcheinander.“ Von den aktuellen Übungsflügen hat Thrul noch nichts mitbekommen, meint aber: „Ich finde es schräg.“ Warum müssten die Tiefflieger ausgerechnet über dem Donau-Ries-Kreis üben? „Und so tief, das erschließt sich mir auch nicht.“ Ähnlich sieht das Heiner Holl aus Nördlingen, der sich in der Vergangenheit auch gegen diese Flüge ausgesprochen hatte. Ihm geht es nicht nur um den Lärm, sondern auch um das, was dahintersteckt - aus seiner Sicht die „Bereitschaft zur kriegerischen Aktivität“.
Die werde Deutschland, beziehungsweise der Nato, vom russischen Präsidenten Wladimir Putin aufgezwungen, argumentiert der SPD-Bundestagsabgeordnete Christoph Schmid, der Mitglied im Verteidigungsausschuss des Bundestages ist. Russische Kampfjets würden regelmäßig in den Luftraum von Nato-Ländern wie Litauen eindringen und damit testen, wie schnell die Nato-Piloten reagieren könnten. Weshalb es wichtig sei, dass die eigenen Piloten trainieren könnten, so nah an der Wirklichkeit wie möglich, auch über bewohntem Gebiet. „Das Mittel der Wahl ist derzeit leider die Abschreckung“, betont Schmid. Man müsse dem potenziellen Aggressor zeigen, dass die Nato abwehrbereit ist und einsatzfähige Kampfjets und geschulte Piloten habe.
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