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Transgender im 16. Jahrhundert: Leben und Tod von Adam Barbierer

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Transgender in der frühen Neuzeit: Das grausame Schicksal von Adam Barbierer

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    Der Fall von Eva Barbierer ist im Nördlinger Stadtarchiv nachzulesen.
    Der Fall von Eva Barbierer ist im Nördlinger Stadtarchiv nachzulesen. Foto: Gitte Händel

    Über das Schicksal eines besonderen Menschen berichtete Dr. Niklas Konzen in seinem Vortrag im Rahmen der Rieser Kulturtage: Am 7. Dezember 1565 wurde eine Person in Nördlingen hingerichtet. War das eine Frau, die sich als Mann verkleidete oder eine Person, die zwar die Geschlechtsmerkmale einer Frau hatte, sich aber als Mann fühlte? Schon damals hat Eva Barbierer für Verwirrung gesorgt. Denn Frauen wurden eigentlich unblutig hingerichtet, also ertränkt oder verbrannt, diese Person starb aber durch Enthauptung. „Starb also keckhlich und mannlich. Ein Transgender-Schicksal im frühneuzeitlichen Nördlingen“.

    Konzen, Stadtarchivar in Schwäbisch-Gmünd, führte die Zuhörer anhand der Unterlagen im Nördlinger Stadtarchiv durch das Leben von Eva Barbierer, die sich auch Adam Portner nannte. Konzen ist aber nicht der Erste, den dieses Schicksal beschäftigte. Denn schon im Jahr 1950 veröffentlichte der Nördlinger Stadtarchivar Gustav Wulz im Jahrbuch des Historischen Vereins einen Artikel über den „Fall Adam und Eva“. Ihr Auftritt schien mehr zu sein als Verkleidung. Die wurde in der damaligen Zeit häufiger beobachtet. Frauen schützten sich durch Männerkleider beispielsweise auf Reisen vor Übergriffen. Gefährlich war diese allerdings, weil hart bestraft wurde, wenn man ein Verhalten zeigte, das nicht den heterosexuellen Standards entsprach.

    Eva Barbierer wurde in Nördlingen gefoltert

    Den Begriff „Transgender“ gab es damals noch nicht. Auch zu der Zeit, als Wulz über den Fall Eva und Adam berichtete, war er noch nicht etabliert. Weil sich sehr viel im Verständnis sexueller Orientierung und Identität geändert habe, so Konzen, habe er das Thema für eine Ausstellung zu queerer Kunst und queerer Regionalgeschichte in Schwäbisch Gmünd noch einmal aufgegriffen. Was man über das Leben von Eva beziehungsweise Adam weiß, klingt abenteuerlich, ihre beziehungsweise seine Wege führten unter anderem nach Wien, Straßburg, Nürnberg. Doch es gab auch viele Widersprüche. „Die Nördlinger waren nicht amüsiert“, fasste Konzen zusammen. Auf der Suche nach der Wahrheit folterten sie Eva oder Adam. Letztendlich gab es ein Geständnis, das zum Todesurteil führte.

    Dr. Nikolas Konzen
    Dr. Nikolas Konzen Foto: Gitte Händel

    Konzen findet eine Reihe von Belegen, die die Annahme einer Transgender-Identität stützen. So wechselt unter anderem auch der Schreiber der historischen Akten ständig zwischen „ihr“ und „ihm“. Er kommt zum Schluss, „dass Eva oder Adam sich nicht mit dem bei Geburt zugewiesenen Geschlecht identifizierte und diese Inkongruenz offenbar auch gegenüber Dritten recht eindrucksvoll vermittelte“. Und so wurde ihr ein Tod als Mann zugestanden.

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