Werkstätten für die Fürsten vom Ipf? So lautete der Titel des fesselnden Vortrages von Professor Dr. Rüdiger Krause und seines Masterstudenten Jonathan Schmidt von der Universität Frankfurt.
Der Ohrenberg ist eine Bergkuppe südwestlich von Benzenzimmern. Die bedeutenden archäologischen Funde geben Auskunft über Handwerk, Wirtschaftskraft, Fernbeziehungen und Bedeutung des Machtzentrums Ipf. Die in der Bronzezeit beginnende Besiedlung nahm einen enormen Aufschwung in der Hallstattzeit um ca. 700 vor Christus und reichte bis in die Latenezeit. Die Artefakte weisen auf spezialisierte Handwerkstätigkeiten hin. Gewandfibeln und Ringe aus Bronze wurden ins Umland verhandelt. Eine Produktion vor Ort ist durch Halbfabrikate, Gussrohlinge, Gussabfälle und den Fund von Gusstiegelteilen belegt. Die gleichbleibende chemische Signatur der Bronze unterstreicht dies. Eisen wurde vermutlich in Barren antransportiert und vor Ort verarbeitet. Der Fund von insgesamt 45 Glasresten ist außergewöhnlich. Meist finden sich blaue Glasperlen mit gelben Verzierungen, die in Schmuckketten getragen wurden.
Glasbearbeitung blüht am Ohrenberg
Bruchstücke von Glasarmringen deuten auf hohes handwerkliches Geschick. Zusammengeschmolzene Glasbrocken zeugen davon, dass die Glasbearbeitung vor Ort erfolgte. Die Rohware könnte z.B. aus Ägypten stammen. Die Untersuchung der Glasschmelze zeigte, dass Glas recycelt und mehrfach aufgeschmolzen wurde. Spinnwirtel dokumentieren, dass auch Textilien in der Ohrenbergsiedlung hergestellt wurden. Die Interaktion verschiedener Handwerkstechniken auch mit der Herstellung von „Luxusgütern“ ermöglichte einen Überschuss und Handel. Es ist aber nicht außer Acht zu lassen, dass Landwirtschaft die Basis der Versorgung war. Der Vergleich mit Objekten in Süddeutschland, Tschechien und Norditalien zeigt, dass das Nördlinger Ries und der Ohrenberg aktiv in das Kontaktnetzwerk der Hallstattzeit und der frühen Latenezeit eingebunden waren. Der „Handwerkerhof“ am Ohrenberg überdauerte aber die Ipfbesiedlung.
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