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Zwei Drittel Urnenbestattungen: So verändert sich der Nördlinger Friedhof

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Bestattungen auf dem Nördlinger Friedhof: Der Trend geht zum Urnengrab

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    Auch die Menschen in Nördlingen wollen vermehrt nicht mehr in einem Erdgrab bestattet werden. So gibt es auf dem Friedhof mittlerweile auch Baumgräber.
    Auch die Menschen in Nördlingen wollen vermehrt nicht mehr in einem Erdgrab bestattet werden. So gibt es auf dem Friedhof mittlerweile auch Baumgräber. Foto: Gitte Händel

    Den Anspruch sieht man schon in den einleitenden Worten: „Jeder Mensch ist einzigartig. Er wird geboren mit Begabungen. Sie wachsen über die Jahre zu Fähigkeiten, diese hinterlassen Spuren, die uns oft ein Leben lang begleiten.“ Und deswegen, so die Friedhofsinformation der Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinde Nördlingen, sei es auch wichtig, für jedes Leben eine passende Bestattungsart zu finden. Wie vielfältig die Möglichkeiten auf dem Friedhof am Emmeramsberg sind, erschließt sich am besten bei einem Spaziergang.

    Da ist der historische Teil. Er ist umgeben von einer Mauer, die Kirche St. Emmeram steht auf dem höchsten Punkt des Berges. Es gibt den neuen Friedhof, an dessen Eingang im Backsteinbau auch das Gebäude der Friedhofsverwaltung ist. Etwa vier Hektar Fläche hat der derzeitige Friedhof.

    Gräber für Sternenkinder auf dem Nördlinger Friedhof

    Etwa 200 bis 220 Bestattungen finden im Jahr auf dem Nördlinger Friedhof statt. Welcher Religion die Verstorbenen angehörten, ob sie noch Mitglied einer Kirche waren, spiele keine Rolle, sagt Ursula Schweier, die Geschäftsführerin des Friedhofs. Grabstelle und Bestattungsform kann man wählen. Die Vielfalt, die der Friedhof bietet, wird dem Anspruch gerecht, für jeden eine passende Bestattungsform zu finden. Da ist zum einen die klassische Form, das Erdgrab für einen Sarg oder eine Urne. Dazu kommen viele neue Formen: Es gibt ein grabmalloses Grabfeld für den Sarg oder die Urne. Diese Plätze werden im Todesfall vergeben, die Pflege übernimmt der Friedhof. Es gibt Urnenstelen, in denen maximal zwei Urnen pro Kammer möglich sind, ein Urnengemeinschaftsgrab und eine Baumgrabstätte. Und es gibt, geschützt durch eine Hecke mit einem liebevoll gestalteten Eingang, die Gräber für Kleinkinder unter einem Jahr und Sternenkinder.

    Mit ihrem Angebot reagiert die evangelische Kirchengemeinde auf die sich ändernden Bestattungswünsche. Da war zunächst die Abkehr von der klassischen Sargbestattung. Ein Einzel- oder Familiengrab, manchmal gar eine Gruft, war die übliche Form. Da die Ruhezeiten bei 15 bis 25 Jahren liegen, prägen sie auch heute noch das Bild des Friedhofes. Denn die Abwendung vom Sarg begann erst um die Jahrtausendwende. Heute sind auch in Nördlingen etwa zwei Drittel der Bestattungen Urnenbestattungen, sagt Schweier. Die Folgen dieses Wandels sieht man: In den Bereichen, die für Sargbestattungen eingerichtet wurden, gibt es vor allem bei den Mehrfachgräbern leere Flächen. Es wurde daher ein Gesamtkonzept erstellt, um den Friedhof umzugestalten, sagt Schweier. Was man nicht erkennt ist, dass heute dort, wo früher Sargbestattungen erfolgt sind, auch Urnenbestattungen möglich sind. Auffälliger sind die Grabfelder, Urnenstelen und Urnengemeinschaftsgräber. Sie gibt es auch im historischen Teil des Friedhofes. Wer sich diesen besonderen Ort für seine Grabstätte wünscht, kann sich seinen Wunsch erfüllen.

    300 Bäume gibt es im historischen Teil des Nördlinger Friedhofes

    Für die Bestattung auf dem Friedhof fallen einmalig eine Grabgebühr und jährlich eine Friedhofsunterhaltungsgebühr an. Über sie sind all die Tätigkeiten zu finanzieren, die nötig sind, damit dieser Friedhof ein gepflegter Ort ist und bleibt. Dazu gehören beispielsweise das Räumen und Streuen der Wege, die Pflege der über 300 Bäume im historischen Teil, aber auch die Kosten für Wasser und Abfallbeseitigung. Der Friedhof muss sich selbst finanzieren, das ist die gesetzliche Vorgabe.

    Sich schon vor seinem Tod Gedanken zu machen, wie und wo man begraben werden möchte, ist nicht die Regel. Vielleicht sollte es auch hier eine Trendwende geben: Sich einen Platz suchen auf dem Friedhof des Ortes, der Heimat ist. Und sich entscheiden, wie viel Raum man haben möchte: einen eigenen Grabstein oder eine kleine Namenstafel.

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