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Italien

06.12.2019

700 Euro für jeden neuen Bürger: Wie die Region Molise um Zuwanderer wirbt

Viele Ortschaften von Molise (hier das Dörfchen Casalciprano) wirken wie ausgestorben. Die Region ist von massiver Abwanderung geprägt.
Bild: Klaus Blume, dpa

Die Region Molise in Süditalien versucht mit einem Programm, das Schrumpfen ihrer Bevölkerung zu bremsen. Warum sich nun Menschen aus der ganzen Welt bewerben.

Durch die italienische Region Molise fährt man normalerweise nicht einmal hindurch. Man fährt an ihr vorbei. Rom und Neapel liegen in nicht allzu großer Entfernung der zur Mezzogiorno zählenden Region. Südlich von Molise erstreckt sich Apulien mit der Gargano-Halbinsel. Es gibt eigentlich keinen Grund, sich dorthin zu verirren. Aber viele Gründe, das Weite zu suchen. Und genau das ist das Problem.

Deshalb ist die Regionalregierung nun mit einer besonderen Initiative aktiv geworden. Tausende E-Mails und Anrufe gingen seit September an ihrem Sitz in Campobasso ein. 600 Bewerber aus fünf Kontinenten legten gar konkrete Bewerbungen vor. Sie alle wollen von den Subventionen profitieren, die die Region für jene vorsieht, die sich verpflichten, für mindestens fünf Jahre nach Molise zu ziehen. Die Bedingung ist, in eines der mehr als hundert Dörfer mit weniger als 2000 Einwohnern zu ziehen und dort ein Gewerbe zu eröffnen oder ein Gebäude zu sanieren. Im Gegenzug bekommt man 700 Euro monatlich – drei Jahre lang.

Warum nicht eine Bäckerei in der Region Molise eröffnen?

"Die Initiative soll das Phänomen der Abwanderung eindämmen", sagt Antonio Tedeschi, der Abgeordnete, der die Idee für das Programm hatte. Molise, früher ein einfacher Landkreis und erst seit 1963 eine der 20 italienischen Regionen, hat nur etwa 300.000 Einwohner. Und es werden immer weniger. "Die Sache ist ein Anreiz für alle diejenigen, die ihr Leben verändern und die Stadt hinter sich lassen wollen, aber Angst vor dem ersten Schritt haben", fügt Tedeschi hinzu. Und Regionspräsident Donato Toma schlägt vor: "Man kann eine Bäckerei eröffnen, ein Lebensmittelgeschäft oder ein Restaurant".

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Warum eigentlich nicht? So dachten sich offenbar die zahlreichen Bewerber. Das Leben entschleunigen, noch einmal von ganz vorne anfangen und das mit einer gewissen finanziellen Sicherheit. In Molise gibt es Berge, Wald, einen Nationalpark mit Braunbären. Die Luft ist gut, Kriminalität gibt es so gut wie keine. Die Region grenzt sogar an die Adria. Nicht zuletzt isst man hier ausgezeichnet. Auch anderswo in Italien gab es schon Versuche, der Abwanderung Herr zu werden. Im sizilianischen Dorf Salemi konnten Hausruinen für einen Euro erworben werden, die einzige Bedingung war ihr Wiederaufbau. In Kalabrien wurden Migranten in Dörfern angesiedelt. Bislang war keines der Modelle von nachhaltigem Erfolg geprägt.

47 Prozent der Jugendlichen in der süditalienischen Region sind ohne Job

Molise hat es nicht zuletzt wegen seiner Lage und Unbekanntheit besonders schwer, Aufmerksamkeit zu bekommen. Tourismus gibt es nur wenig. Die Arbeitslosigkeit ist höher als in anderen italienischen Regionen, 47 Prozent der Jugendlichen sind ohne Job. Vor allem sie sind es, die in Molise keine Zukunft sehen und abwandern. 15.000 Menschen haben nach Angaben des Statistikamtes Istat der Region seit 2009 den Rücken gekehrt. Eine Million Euro hat das italienische Ministerium für wirtschaftliche Entwicklung für den Versuch bereitgestellt. Das Geld reicht für nur 40 Glückliche, die derzeit von einer Kommission aus den 600 Bewerbern ausgewählt werden. Stehen die Gewinner einmal fest, heißt es: Ab nach Molise!

Lesen Sie dazu auch: Warum ein Richter und ein Mafioso sich seit 31 Jahren Briefe schreiben

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07.12.2019

was hier aber nicht steht ist das die Kleinen orte im Gebirge in großer höhe sind , strom oft länger weg ist und wer soll in Geschäften einkaufen wenn die restlichen Einwohner Selbstversorger sind und kein Geld haben

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07.12.2019

Italien hat doch viele Facharbeiter Migranten, die sie dort ansiedeln können?

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