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ARD
08.07.2021

Es regt sich Protest gegen die "Weltspiegel"-Verlegung

Auch "Weltspiegel"-Moderatorin Ute Brucker ist gegen eine Verschiebung des Auslandsmagazins auf den späten Montagabend.
Foto: SWR/Patricia Neligan

Seit 58 Jahren läuft das Auslandsmagazin im Ersten, immer sonntags. Es ist ein Vorzeige-Format. Eigentlich. Denn nun soll es verlegt werden - in die "Todeszone" des TV-Programms.

Die geplante Verlegung des Auslandsmagazins „Weltspiegel“ hat zu großem Protest bei Journalistinnen und Journalisten der öffentlich-rechtlichen ARD geführt. In einem offenen Brief an die Programmverantwortlichen kritisieren bekannte ehemalige und aktuelle Korrespondentinnen und Korrespondenten die Sendeplatzverlagerung, darunter die „Weltspiegel“-Moderatorinnen Natalie Amiri, Ute Brucker und Isabel Schayani. Insgesamt haben 45 Journalistinnen und Journalisten unterschrieben.

Die Journalistin Isabel Schayani erhielt im März den renommierten Grimme-Preis für besondere journalistische Leistung. Die WDR-Auslandskorrespondentin wurde für ihre Berichterstattung aus dem Flüchtlingslager Moria in Griechenland ausgezeichnet.
Foto: Guido Kirchner, dpa

Die Verschiebung des seit 58 Jahren eingeübten „Weltspiegel“-Sendeplatzes am Sonntagabend um 19.20 Uhr auf den Montag um 22.50 Uhr sei „eine drastische Schwächung der Auslandsberichterstattung im Ersten“, erklären sie. Und weiter: „Unser lineares Stammpublikum ist nicht jung und wird uns um diese Uhrzeit wohl kaum im bisherigen Maße treu bleiben.“ Alle anderen Magazine im Ersten, ob Politik oder Wirtschaft, seien zudem unter der Woche vor den „Tagesthemen“ platziert – allein das Ausland sende dann in der „Todeszone“. Denn, so die Journalistinnen und Journalisten, zu so später Uhrzeit suchten Zuschauer keine Magazinform mehr.

Jörg Armbruster schreibt von einem "Kahlschlag" und kritisiert die neue ARD-Programmdirektorin scharf

Der neue Sendeplatz – er „wäre ohne jeden Zweifel der schleichende Tod dieses Magazins, das als einziges Format der ARD dem Zuschauer einen Blick auf andere Kontinente bietet“, schreibt der frühere „Weltspiegel“-Moderator Jörg Armbruster in der KONTEXT:Wochenzeitung. Und kritisiert die neue ARD-Programmdirektorin Christine Strobl für ihr Konzept zur Neuordnung des Programms scharf.

Bedenklich sei „dieser Kahlschlag“ auch, „weil zur gleichen Zeit einige Privatsender ihre Informationssendungen ausbauen und optimieren“, so Armbruster. In einer Zeit, in der erklärt werden müsse, warum so viele Flüchtlinge lieber ihr Leben auf dem Mittelmeer riskierten als in ihrer Heimat zu bleiben, oder sich politische Krisen und Kriege anderswo auch auf Europa auswirkten, sei der „Weltspiegel“ unter anderem ein Beitrag zur Völkerverständigung. Andere Formate, etwa die „Tagesthemen“, böten mit Blick auf die Länge ihrer Berichte über wichtige Auslandsthemen dagegen „nur Häppchenkost“, meint Armbruster.

Christine Strobl ist seit kurzem ARD-Programmdirektorin.
Foto: Jan Woitas, dpa

In einem Interview hatten Strobl und ihre Stellvertreter – der Channel-Manager der ARD-Mediathek, Florian Hager, und der ARD-Chefredakteur Oliver Köhr – kürzlich ihr bereits gemeinsam mit den Intendantinnen und Intendanten beschlossenes Gesamtkonzept etwas näher erklärt.

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Demnach spreche man mit Sandra Maischberger über ein Format, das dem ZDF-Talk von Markus Lanz ähnele, suche ein neues Comedy-Format, das mit der ZDF-„heute-show“ konkurrieren könnte – und wolle den Montag zum „Informationstag“ umbauen. „Im Anschluss an die ’Tagesthemen’ können wir mit dem ’Weltspiegel’ die ideale Verbindung herstellen, um aktuelle Themen aus der ganzen Welt einzuordnen und zu vertiefen“, sagte Strobl.

Auch die Zukunft der Politmagazine („Panorama“, „Monitor“, „Kontraste“, „Fakt“, „Report Mainz“, „Report München“) ist ungewiss. Etwas nebulös antwortete Köhr auf die Frage, ob die Zahl der Politmagazine reduziert werden solle: „Es wird weiterhin jeden Dienstag und Donnerstag um 21.45 Uhr politische Information unter den Marken der Magazine geben.“ Die Herausforderung für die Redaktionen sei, „dass wir Angebote für die ARD-Mediathek brauchen“. Und diese gelinge am besten durch Dokumentationen und Reportagen oder andere filmische Formate. Relevanz messe sich nicht in Sendeplätzen.

Georg Restle, Redaktionsleiter und Moderator des WDR-Politmagazins "Monitor", warnt vor einer „Entpolitisierung und Trivialisierung des Programms“.
Foto: Karlheinz Schindler, dpa (Archivbild)

Das Branchenportal Übermedien hatte zuvor berichtet, dass aus 90 Sendeplätzen der Politmagazine nur noch 66 werden sollen. Georg Restle, Redaktionsleiter und Moderator des WDR-Politmagazins „Monitor“, warnte in der Süddeutschen Zeitung vor einer „Entpolitisierung und Trivialisierung des Programms, wenn die Stückzahl der Magazine reduziert werde und möglicherweise weitere journalistische Hintergrundformate ihre Sendeplätze verlieren sollten“.

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