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Abstimmung heute
26.03.2019

Kommt heute das Aus für die Zeitumstellung?

Seit 1996 werden in der EU im März und im Oktober die Uhren umgestellt. Doch der Widerstand dagegen wächst. Heute entscheidet das EU-Parlament über die Zukunft der Zeitumstellung.
Foto: Friso Gentsch, dpa

Wird die Zeitumstellung bald abgeschafft? Das EU-Parlament will heute darüber entscheiden. Dann könnte das Ende der Sommerzeit kommen. Die wichtigsten Fragen.

Winterzeit und Sommerzeit: Seit wann gibt es die Zeitumstellung?

Die Idee zur Zeitumstellung stammt ursprünglich vom amerikanischen Erfinder Benjamin Franklin. Bereits 1784 formulierte er seine Idee, durch eine Umstellung der Uhren den Kerzenverbrauch zu senken, in einem Brief an eine Pariser Zeitschrift. Wahrscheinlich hat er seinen Vorschlag aber nicht ernst gemeint.

Welche Länder wenden die Sommerzeit an?

Vor allem jene Länder, die in den gemäßigten Zonen der Nord- und Südhalbkugel liegen, also zwischen den Subtropen und der jeweiligen kalten Zone, wenden die Zeitumstellung an. Dazu gehören alle EU-Staaten. Die Balearen wollten zwar vor Jahren mal die Sommerzeit auf das ganze Jahr ausdehnen, mussten aber zurückrudern.

Plant die EU aktuell die Abschaffung der Zeitumstellung?

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Im vergangenen Jahr hatte die EU-Kommission eine europaweite Online-Befragung zur Zeitumstellung gestartet. 4,6 Millionen Menschen nahmen teil, allein rund 3 Millionen von ihnen kamen aus Deutschland. Das Ergebnis: 84 Prozent der Teilnehmer forderten die Abschaffung der Zeitumstellung.

Am heutigen Dienstag stimmen die Abgeordneten im EU-Parlament abschließend über die Zukunft der Zeitumstellung ab. Ab etwa 12.30 Uhr legt das Parlament seine Position zu dem Thema fest. Der zuständige Verkehrsausschuss hat sich vorab bereits für ein Ende der Zeitumstellung ausgesprochen.

Wenn die Zeitumstellung abgeschafft wird, kommt dann dauerhaft die Sommerzeit oder die Winterzeit?

Nach der Online-Befragung zur Abschaffung der Zeitumstellung im vergangenen Jahr hatte die EU-Kommission vorgeschlagen, bereits 2019 das halbjährliche Drehen an der Uhr abzuschaffen. Zunächst hieß es, jeder Staat solle selbst entscheiden können, ob er dauerhaft Sommerzeit oder Winterzeit will. 

Doch die zuständigen EU-Verkehrsminister sperrten sich gegen ein so schnelles Ende der Zeitumstellung. Sonst drohe ein unübersichtlicher Flickenteppich aus verschiedenen Zeiten in der EU. "Es wäre misslich, wenn man bei einer Fahrt von Norddeutschland über die Niederlande und Belgien nach Frankreich dreimal die Uhr umstellen muss", erklärten die CDU-Abgeordneten Peter Liese und Dieter Koch, die sich beide für ein Ende der Zeitumstellung aussprechen.

Wenn das EU-Parlament heute die Abschaffung fordert - wann kommt das Aus für die Zeitumstellung?

Das könnte noch dauern. Im Verkehrsausschuss befürwortet man ein Ende vom Wechsel zwischen Sommer- und Winterzeit erst ab dem Jahr 2021. Um den gefürchteten Flickenteppich zu vermeiden, will der Ausschuss einen "Koordinierungsmechanismus" ins Leben rufen, in dem Vertreter von Kommission und Mitgliedstaaten sitzen sollen. Er soll eine möglichst einheitliche Regelung in den Mitgliedstaaten hervorbringen.

Wie sich das gesamte Parlament positioniert, bleibt abzuwarten. Am Ende müssen sich Unterhändler der Abgeordneten und der Mitgliedstaaten in jedem Fall noch auf einen Kompromiss einigen. Damit wird nicht vor Herbst 2019 gerechnet - denn bevor es zu Verhandlungen kommt, muss sich nach den Wahlen erst das neue EU-Parlament konstituieren.

Wie lange dauert es nach der Zeitumstellung, bis sich der menschliche Organismus umgestellt hat?

Mediziner sprechen von acht Tagen. In dieser Zeit klagen viele Menschen über innere Unruhe, schlechten Schlaf (sogar bei der Umstellung auf die Winterzeit), über Veränderung der Herzfrequenz und Verdauungsbeschwerden. Kinder tun sich nach Angaben von Ärzten besonders schwer, einen neuen Rhythmus zu finden.

Stimmt es, dass nach der Zeitumstellung zu mehr Verkehrsunfällen kommt?

Die Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM) spricht von bis zu acht Prozent mehr Unfällen im Straßenverkehr. Auch der Auto Club Europa (ACE) hat anhand von Daten des Statistischen Bundesamtes herausgefunden, dass sich in der Woche nach der Zeitumstellung schwere Unfälle häufen.

Gibt es denn überhaupt einen guten Grund für die Zeitumstellung?

Das Büro für Technikfolgen-Abschätzung des Bundestages hat vor zwei Jahren gemeinsam mit externen Gutachtern mehrere Untersuchungen ausgewertet. Das Ergebnis ist ziemlich deutlich: Es fanden sich weder gesundheitliche noch ökonomische Effekte, die man positiv nennen könnte. Die Energieersparnis sei  allenfalls minimal.

Wann ist die nächste Zeitumstellung von Winterzeit auf Sommerzeit geplant?

Schon in wenigen Tagen. Am Sonntag, 31. März, werden die Uhren von 2 auf 3 Uhr auf die Sommerzeit vor gestellt.

Was sagen Umfragen über die Zeitumstellung?

In Deutschland wächst der Widerstand gegen die Zeitumstellung immer mehr. Einer repräsentativen Umfrage im Auftrag der Krankenkasse DAK zufolge liegt der Anteil der Befürworter in Deutschland nur noch bei 18 Prozent. Auch im Rest Europas sinkt das Verständnis für die Zeitumstellung.

Welche Auswirkungen hat die Zeitumstellung auf die Wirtschaft?

Für die deutsche Wirtschaft spielt keine Rolle, ob Sommer- oder Winterzeit gilt. Laut Bundesumweltamt spart man durch die Zeitumstellung keine Energie. Die Umstellung an sich ist für viele Betriebe allerdings ein Problem: Denn mit ihr geht ein hoher Aufwand einher. Verkehrsbetriebe beispielsweise müssen deshalb zwei Mal jährlich ihren Fahrplan anpassen. (dpa, AZ)

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