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17.06.2009

Absturzermittler warnt vor Spekulation

Absturzermittler warnt vor Spekulation
Bild: DPA

Paris (dpa) - Die Ermittlungen über den Absturz der Air-France-Maschine am 1. Juni vor der Küste Brasiliens mit 228 Toten kommen nur mühsam voran. Zwar tragen die Experten immer mehr interessante Informationen zusammen. Doch die Bergungsarbeiten sind ein Wettlauf mit der Zeit.

Inzwischen wurden 50 Leichen und rund 400 Wrackteile geborgen. Die Flugschreiber, die wichtig für die Ermittlung der Absturzursache sind, wurden bisher nicht gefunden. Unterdessen haben die französischen Ermittler vor Spekulationen gewarnt, die in Sackgassen führen können. Dabei verfestigt sich der Eindruck, die Zusammenarbeit von Brasilianern und Franzosen laufe nicht rund.

"Es ist viel zu früh, um sich Szenarien in dieser oder jener Richtung vorzustellen", sagte der Chef des französischen Amts für Unfallanalyse BEA, Paul Louis Arslanian, am Mittwoch in Le Bourget bei Paris. "Alle Daten werden bei der BEA in Echtzeit zentralisiert. Wir haben bisher noch kein Element, um klare Schlüsse zu ziehen." Wenn man spekuliere, lasse man sich beeinflussen. "Irrtümer bei der Analyse verstärken die Verwirrung."

Alle Daten hat das BEA allerdings nicht. Wenn Trümmer und Leichen gefunden werden, dann bekommen die Franzosen die Koordinaten sofort. Aber die Ergebnisse der ersten Autopsien haben die Brasilianer bisher nicht übermittelt. Ein von Frankreich geschickter Experte, der Erfahrung mit früheren Absturzopfern hat, durfte nicht an den Autopsien teilnehmen. "Derzeit weiß ich nicht, was diese Autopsien ergeben haben", gesteht Arslanian ein. "Nehmen sie das als Faktum und nicht als Streit."

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Arslanian ließ auch offen, ob die von den Franzosen geborgenen Leichen und Trümmer wie die anderen nach Brasilien gebracht werden - oder nach Frankreich. "Sie sind noch auf dem Schiff", sagt er. "Sie werden zum Hafen gebracht." Die von den Brasilianern geborgenen Teile werden in Recife in einem Hangar ausgelegt. "Wir haben ein Spezialistenteam, das diese Teile anschaut und Informationen austauscht", sagte Arslanian.

Arslanian nahm auch die Air France und den Flugzeugbauer Airbus für ihre Zurückhaltung bei Aussagen zum Absturz in Schutz. "Wir sind die einzigen, die das Recht haben, etwas über die Ermittlungen zu sagen", erklärte er. "Ich verstehe vollkommen, dass die Familien mehr wissen wollen. Im Augenblick können wir nichts sagen." Daten müssten gesichert sein.

Der Airbus A330 war am Pfingstmontag auf dem Nachtflug von Rio nach Paris in den Atlantik gestürzt. Die Überreste werden in 1000 bis 4600 Metern Tiefe in gebirgigem Gelände vermutet. "Es ist, als wäre das Flugzeug auf den Kordilleren der Anden zerschellt", sagte der BEA-Ermittler Olivier Ferrante. Die ersten Fundstücke am 6. Juni verteilten sich auf 50 Kilometern Länge. Was noch im Wasser ist, ist jetzt teilweise Hunderte Kilometer nach Norden gedriftet.

Die wertvollsten Daten könnten die beiden Flugschreiber liefern. Die Signale ihrer Peilsender reichen unter Wasser etwa zwei Kilometer lang. Die Energie reicht für mindestens 30 Sendetage. "Es ist ein Wettlauf gegen die Zeit", sagte Ferrante. Jetzt wird noch in einem Umkreis von 80 Kilometern gesucht. "Das ist die wahrscheinlichste Zone", sagte Arslanian. Die Wasseroberfläche wird auf 17 000 Quadratkilometern nach Fundstücken abgesucht.

Neben einem Atom-U-Boot setzen die Franzosen seit Dienstag auch von der US-Marine ausgeliehene Horchgeräte ein. Die beiden TPL ("Towed Pinger Locator") werden von Schleppern an einem sechs Kilometer langen Kabel in die Tiefe gelassen. Von der lauten Meeresoberfläche aus wäre das Ticken der Sender kaum zu hören.

Die Spekulationen um den Absturz stützten sich bisher auf die automatisch gesendeten Fehlermeldungen des Unglücks-Airbus. Das Flugzeug hatte den Ausfall der Geschwindigkeitsmesser gemeldet, was das Abschalten davon abhängiger Systeme zur Folge hatte. Das BEA warnte aber davor, daraus Schlüsse zu ziehen. "Das sind keine Alarmsignale, das sind Wartungsmeldungen", sagte Arslanian. "Sie dienen der Wartung des Flugzeugs und sagen nicht, ob ein ausgefallenes System anschließend wieder funktioniert." Darüber könnten die Flugschreiber Auskunft geben - wenn man sie findet.

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