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Indonesien

26.12.2018

Ärzteteam aus Kaufbeuren hilft nach Tsunami-Katastrophe

Drei Humedica-Ärzte unterstützen die Krankenhäuser.
Bild: Rasfan, afp

Ein Ärzteteam aus dem Allgäu hilft nach dem Tsunami in Indonesien. Die Zahl der Opfer steigt derweil weiter.

Wenigstens die Schildkröten sind gerettet. Der Tsunami hatte die Tiere am Tanjung-Lesung-Strand mitten im indonesischen Katastrophengebiet in die Büsche gespült. Retter fanden die extrem seltenen Echten Karettschildkröten, trugen sie in Tragetüchern ins Wasser zurück. Es sind kleine Nachrichten wie diese, die den Menschen in Indonesien nach der Naturkatastrophe vom Wochenende wieder ein klein wenig Freude geben. Die Geschichte der Tierretter machte schnell die Runde.

Eigentlich hatten die Helfer in den Büschen nach Opfern gesucht. 430 Tote sind es am Mittwochnachmittag, die Behörden zählen 1500 Verletzte. Knapp 160 Personen gelten noch als vermisst. Obwohl der Tsunami am Samstag in einem beliebten Urlaubsgebiet alles fortgerissen hat, ist von deutschen Opfern weiter nichts bekannt. Aber eigentlich ist es auch egal, woher die Toten stammen. Familien trauern überall gleich – so wie der Indonesier Kastro und seine Frau. Im Krankenhaus in Pandeglang suchten sie die Leichen seiner Schwester und ihrer kleinen Tochter. Die Klinik gebe den Leichnam der Nichte nicht heraus, sagt Kastro. „Ich verstehe es nicht, ich möchte sie doch nur nach Hause bringen (...), dann beten und sie begraben.“

Auch drei Ärzte der Kaufbeurer Hilfsorganisation Humedica unterstützen die Mediziner vor Ort. Das Helferteam aus dem Allgäu hatte sich bereits an Heiligabend ins Flugzeug nach Asien gesetzt. Es übernimmt vor allem die sogenannte basismedizinische Versorgung, kümmert sich neben Tsunami-Opfern vor allem um „normale“ Patienten. „Man darf nicht vergessen, dass es in Indonesien auch weiterhin andere Kranke oder Schwangere gibt“, erklärt Humedica-Sprecher Steffen Richter. „Deren Versorgung ist jetzt natürlich weggebrochen.“ Die Ärzte vor Ort sind am Mittwoch nicht ans Handy zu bekommen – sie haben sicher Wichtigeres zu tun.

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Die Arbeit der Retter ist auch an Tag vier nach der Riesenwelle schwierig, Regen behindert das Vorankommen – und über allem schwebt die Angst vor einer neuen Eruption des Vulkans Anak Krakatau, der den Tsunami ausgelöst hatte. Der Feuerberg unter Wasser sei weiter aktiv, warnte am Mittwoch die indonesische Behörde für Klimatologie und Geophysik: „Meiden Sie Küstengebiete von 500 Meter bis einen Kilometer landeinwärts.“

Die Ärzte aus dem Allgäu dürfen sich von der Angst nicht in ihrer Arbeit behindern lassen. „Unsere Mitarbeiter sind extrem trainiert“, sagt Sprecher Richter. Wer sich bei Humedica bewirbt, durchläuft eine ganze Reihe von Übungen unter realistischen Bedingungen. Trotzdem: „Die Realität ist immer härter.“ (mit dpa)

Tsunami, Indonesien
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Hunderte Menschen sterben bei Tsunami in Indonesien
Bild: Ronald, afp
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