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Krankheit

16.04.2019

Alarmierende Zahlen der WHO: Masernfälle 2019 vervierfacht

Ein Kinderarzt impft ein Mädchen gegen Masern. Die Krankheit hat laut WHO alarmierende Ausmaße angenommen. Vor allem Madagaskar, die Philippinen und der Kongo sind betroffen.
Bild: Seeger, dpa (Symbol)

In vielen Ländern wüten die Masern so stark wie lange nicht. Erste Zahlen für 2019 zeigen jetzt das ganze Ausmaß der Verbreitung.

Nach zahlreichen Masern-Ausbrüchen weltweit hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) für 2019 erste alarmierende Zahlen vorgelegt. Die Zahl der von Januar bis März gemeldeten Fälle liege viermal so hoch wie im gleichen Zeitraum des Vorjahres, berichtete die WHO am Montag in Genf. 170 Länder meldeten demnach zusammen rund 112.000 Erkrankungen, verglichen mit 28.000 im vergangenen Jahr. Die tatsächliche Zahl liege noch deutlich höher, warnte die WHO. Sie geht davon aus, dass nur jeder zehnte Fall gemeldet wird. 

Schon im vergangenen Jahr hatte sich die Zahl der Fälle nach vorläufigen WHO-Zahlen verdoppelt. Eine WHO-Expertin schätzte die tatsächliche Gesamtzahl für 2018 auf mehr als zwei Millionen. Bis 2016 war die Zahlen weltweit noch rückläufig.

2017 sind 110.000 Menschen an den Masern gestorben

Masern seien eine der ansteckendsten Krankheiten der Welt und potenziell lebensgefährlich, so die WHO. 2017 seien nach Schätzungen 110.000 Menschen daran gestorben. Betroffen seien meist kleine Kinder, derzeit unter anderem in Madagaskar, wo seit September 120.000 Menschen an den Masern erkrankt sind. Auf dem afrikanischen Inselstaat ist nur etwa die Hälfte aller Kinder geimpft. Einer der größten Ausbrüche zeigt dort die furchtbaren Folgen. Das Virus hatte in Madagaskar leichtes Spiel, weil jahrelang nur gut die Hälfte aller Kinder geimpft wurden. Dem Staat fehlen die Mittel für Impfkampagnen.

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Im zentralafrikanischen Kongo haben die Behörden seit Jahresanfang rund 41.000 Erkrankungen und 760 Masern-Tote gezählt. Auch auf den Philippinen erlagen der Krankheit mehr als 350 Menschen. Bei den Opfern handelt es sich überwiegend um Kinder bis zu fünf Jahren. Überlebende könnten Hirnschäden davontragen oder blind und taub werden. Die Ansteckung könne durch zweimaliges Impfen verhindert werden, aber nur 85 Prozent der Menschen weltweit erhielten die erste und 67 Prozent die zweite Impfung.

Masernfälle: Rückläufiger Trend in Deutschland

In Deutschland war der Trend im vergangenen Jahr rückläufig: Nach knapp 930 Masern-Fällen 2017 wurden nach Angaben des Robert Koch-Instituts im Jahr 2018 etwa 540 Fälle gemeldet. In diesem Jahr könnte es wieder hohe Fallzahlen geben, die meisten Fälle wurden bisher aus Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg, Niedersachsen und Bayern gemeldet. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat sich für verpflichtende Masern-Impfungen für Kinder in Kitas und Schulen ausgesprochen.

Zu einem eklatanten Anstieg kam es demnach zuletzt auch insgesamt in Europa: 2017 seien dort laut WHO-Zahlen 23.927 Menschen erkrankt - 2016 waren es nur 5273. Zu den Gründen für die Zunahme der Krankheitsfälle in entwickelten Ländern gehört Impfmüdigkeit, verbunden mit der Angst vor angeblichen Nebenwirkungen. Für die WHO ist mangelnde Impfbereitschaft bereits eins der größten Gesundheitsrisiken der Welt. Das von einem mangelndem Impfschutz Gefahr ausgeht, zeigen auch die WHO-Daten. Vor Einführung der Masern-Impfung starben 1980 rund 2,6 Millionen Menschen an der Viruskrankheit, 2016 waren es noch rund 100.000, vor allem in ärmeren Ländern. (dpa)

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