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Allergien

13.04.2015

Allergiker müssen immer länger und stärker durch Pollen leiden

Die Nase läuft, die Augen tränen: So leiden Allergiker, wenn die Pollen fliegen.
Bild: Karl-Josef Hildenbrand (dpa)

Tränende Augen und ständiges Niesen - für Allergiker hat der Frühling negative Seiten. Die schlechte Nachricht: Pflanzen blühen immer früher und länger.

Der Klimawandel ist schuld daran, dass Heuschnupfen-Patienten heute früher, länger und stärker leiden als noch vor ein paar Jahren. Weil es im Durchschnitt immer wärmer wird, blühen manche Bäume und Sträucher schon im Winter. Andere verstreuen ihre Pollen deutlich früher als sonst.

Jeder fünfte Deutsche leidet unter Heuschnupfen. Die Saison, mit der die Probleme der Allergiker beginnen, startet immer öfter schon im Dezember. Während in dieser Zeit mancherorts noch Schnee liegt, blühen anderswo schon die ersten Haselsträucher.

Durchschnittlich drei Wochen früher als noch vor ein paar Jahren fangen sie an, ihre Pracht zu entfalten – und ihre Pollen in den Wind zu streuen, sagt Uwe Kirsche vom Deutschen Wetterdienst. Er erklärt: „Die Tendenz ist klar. Die Temperaturen steigen, und dadurch werden alle Jahreszeiten im Durchschnitt wärmer.“ Im Mittel beginnt die Blühphase der Pflanzen deshalb eine Woche früher als noch vor 50 Jahren.

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Schwer vorhersagbar, wie das Jahr für Allergiker wird

Wie das Wetter sich im Verlauf der einzelnen Jahreszeiten verändert, können auch die Meteorologen nicht zuverlässig voraussagen. Ob das Jahr für Allergiker besonders gut oder schlecht wird, ist deshalb schwer vorherzusagen. „Der Trend geht dahin, dass Allergiker das ganze Jahr über leiden, weil immer irgendetwas blüht“, sagt aber der Meteorologe Kirsche.

Viel differenzierter lässt sich das nicht voraussagen. Nur in Bezug auf Birkenpollen gibt es vorsichtige Prognosen – auf die Pollen, gegen die besonders viele Menschen allergisch sind. Die Bäume durchlaufen einen Zyklus, in dem sie in manchen Jahren besonders viel Blütenstaub produzieren. Warum das so ist, ist selbst für Biologen ein Rätsel. Aus Erfahrung lässt sich aber sagen, dass Birken vor allem in Jahren mit gerader Jahreszahl extrem viele Pollen ausschütten.

Wenn die Allergene aus den Pollen freigesetzt werden und an die Schleimhäute in Nase und Mund andocken, schaltet bei Betroffenen das Immunsystem auf Alarm. Der Körper hält die „Eindringlinge“ für gefährliche Stoffe – und versucht, sie abzuwehren. Er bildet Antikörper, die sich speziell gegen das Allergen richten – das sogenannte Immunglobulin E.

Mit Heuschnupfen steigt auch das Risiko für Asthma

Einmal sensibilisiert reagiert der Körper immer wieder, sobald die allergieauslösenden Substanzen auf ihn treffen, erklärt Prof. Claudia Traidl-Hoffmann, Chefärztin der Umweltmedizin am Klinikum Augsburg und Direktorin des Instituts für Umweltmedizin der TU-München. Außerdem regt das Immunsystem die Schleim-Bildung an: Niesen, Schnäuzen und verheulte Augen sind die Folge. So versucht der Körper, die vermeintlich gefährlichen Stoffe abzustoßen.

Weil sich Eiweiße – die Allergene – in verwandten Pflanzen strukturell ähneln entstehen sogenannte Kreuz-allergien. Das bedeutet, dass der Körper nicht nur auf Pollen reagiert, sondern auf Früchte oder Gemüse, in denen ähnliche Eiweiße enthalten sind. Viele Heuschnupfen-Patienten sind von solchen Kreuzallergien betroffen.

Gefährlich werden können dabei Obst, Gemüse, Nüsse, Getreide oder Gewürze. Die Problemquellen für Allergiker vervielfältigen sich so. Hinzu kommt, dass Pollen neben dem Allergen auch weitere entzündungsfördernde Substanzen freisetzten, die das Immunsystem aktivieren und sehr wahrscheinlich während des starken Pollenfluges für Symptome auch bei Nicht-Allergikern verantwortlich sind.

Wer länger an Heuschnupfen leidet, hat zudem ein erhöhtes Risiko, an Asthma zu erkranken. Vor allem Kinder sind gefährdet. Weil die ständige Reizung der Schleimhäute chronisch werden kann, sollten Allergien in jedem Fall von einem Arzt behandelt werden.

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