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USA

21.01.2021

Amanda Gorman war der heimliche Star der Amtseinführung

Die amerikanische Dichterin Amanda Gorman (22) trägt während der Amtseinführung ein von ihr verfasstes Gedicht vor.
Foto: Patrick Semansky, dpa

Bei der Amtseinführung von Joe Biden berührte Lyrikerin Amanda Gorman die Zuschauer. Die 22-Jährige träumt davon, selbst einmal US-Präsidentin zu werden.

Vor zwei Wochen war Amanda Gorman an einem Tiefpunkt. Die 22-jährige Dichterin hatte kurz zuvor den Auftrag bekommen, einen Text für die Amtseinführung des US-Präsidenten zu verfassen. Eine Mammutaufgabe, der sie sich zwischenzeitlich nicht gewachsen fühlte. Jeden Tag schrieb sie ein paar Zeilen, die Arbeit ging nur langsam voran.

Bis zum 6. Januar, dem Tag, an dem Anhänger von Ex-Präsident Donald Trump das Kapitol in Washington stürmten. Gorman sah sich die Fernsehbilder an - und plötzlich konnte sie nicht mehr aufhören zu schreiben. In dieser Nacht vollendete sie ihren Text "The Hill we Climb", den sie bei der Amtseinführung vor Millionen Zuschauern vorgetragen hat - und der sie innerhalb von Minuten weltberühmt machte.

"The Hill we Climb": Amanda Gorman überzeugte bei der Amtseinführung

Im zitronengelben Mantel und mit rotem Haarband trat Gorman ans Mikrofon, rezitierte mit fester Stimme, einige Sätze unterstrich sie mit zarten, und doch kraftvollen Handbewegungen. In ihrem Text geht es um die USA, die schweren Zeiten, die das Land durchstehen muss, und die Hoffnung auf eine bessere Zukunft, auf Versöhnung und Einigkeit. Gorman erwähnt den Sturm auf das Kapitol und sie erwähnt auch sich selbst: ein "dünnes, schwarzes Mädchen" mit einer alleinerziehenden Mutter, das mit dem Traum aufgewachsen ist, einmal Präsidentin werden zu können.

Joe Biden auf den Stufen des US-Kapitols. Seine Vereidigung als 46. US-Präsident besiegelt am heutigen Mittwoch das Ende der Amtszeit von Präsident Trump.
17 Bilder
Neuer US-Präsident Biden: Die Bilder von der Amtseinführung
Foto: J. Scott Applewhite, AP, dpa

Es ist kein Gedicht im klassischen Sinne, eher eine sprachgewaltige Performance, die nicht nur zufällig in Text und Form an das Erfolgs-Musical "Hamilton" erinnert. In zwei Passagen nimmt Gorman ganz direkt Bezug zu dem gefeierten Werk von Künstler Lin-Manuel Miranda über Alexander Hamilton, einen der Gründerväter der Vereinigten Staaten.

Barack Obama und Oprah Winfrey sind Fans von Amanda Gorman

Nicht nur von Miranda bekam Amanda Gorman am Mittwoch begeistertes Lob für ihren Auftritt: Der ehemalige US-Präsident Barack Obama nannte ihren Text via Twitter "ein Gedicht, das mehr als nur den Moment traf". Oprah Winfrey notierte, sie sei noch niemals stolzer gewesen, den Aufstieg einer jungen Frau zu beobachten.

Von Winfrey hatte Gorman auch den Ring geschenkt bekommen, den sie bei der Amtseinführung trug: Das Schmuckstück zeigte einen Vogel im Käfig und erinnerte an die Schriftstellerin Maya Angelou, die bei der Amtseinführung von Bill Clinton gesprochen hatte. Insgesamt haben erst vier US-Präsidenten Dichter zur Inaugurations-Feier eingeladen: John F. Kennedy, Bill Clinton, Barack Obama - und nun Joe Biden, der mit Amanda Gorman die jüngste Lyrikerin mit der großen Aufgabe betraut hat.

Jill Biden hat Amanda Gorman entdeckt

Dass Gorman, die in Harvard Soziologie studiert hat, großes Talent besitzt, hat sich in der Vergangenheit schon öfter gezeigt. Mit 16 Jahren verlieh ihre Heimatstadt Los Angeles ihr den Titel "Youth Poet Laureate", 2017 erhielt sie diesen Titel ebenfalls von der US-Kongressbibliothek. Ein Auftritt in der Bibliothek war es auch, der Gorman zur Amtseinführung von Joe Biden gebracht hat: Jill Biden, die Frau des US-Präsidenten, hatte damals im Publikum gesessen - und Gorman nach dem Wahlsieg ihres Mannes für die besondere Rolle vorgeschlagen.

Einen derart kometenhaften Aufstieg hätte der Lyrikerin wohl dennoch niemand vorhergesagt. Der Auftritt bei der Amtseinführung war Gormans allererster Fernsehauftritt überhaupt, ihre Bücher können bisher nur vorbestellt werden. Die Zahl ihrer Fans auf Twitter stieg innerhalb von Stunden von 50.000 auf über eine Million.

Alles erreicht hat Gorman aus ihrer Sicht aber noch lange nicht. 2036 will sie für die US-Präsidentschaft kandidieren. "Sie können das schon mal in Ihren Kalender eintragen", hat sie 2017 gesagt. Auf die Frage eines CNN-Reporters nach ihren Ambitionen kommentierte sie nun erneut: "Madame President Gorman, das klingt gut!"

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