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Zukunftsforscher

30.04.2020

Arbeit, Schule, Einkauf: So wird die Welt nach Corona sein

Zukunftsforscher haben während der Corona-Krise einen besonders schweren Job.
Bild: Jörg Carstensen, dpa

Exklusiv Corona verändert, wie wir leben, wie wir arbeiten, wie wir uns bewegen, wie wir einkaufen. Was bleibt nach der Krise? Zukunftsforscher Sven Gábor Jánszky blickt voraus - und sagt: Debatte prägt Zukunft.

Restaurants: geschlossen. Schulen: weitestgehend verwaist. Produktionsketten: unterbrochen. Die Corona-Krise hat Deutschland im Griff. Seit März leben die Menschen im Land mit Einschränkungen - und entwickeln eigene Methoden der Krisenbewältigung. Doch wie geht es nach Corona weiter? Wird die Welt eine bessere, wie Forscher Matthias Horx sagt? Arbeiten wir alle nach der Krise wieder wie vorher? Verändert sich die Art und Weise, wie wir lernen, gerade grundsätzlich? Wie entwickeln sich die globalen Machtverhältnisse durch Corona? Zukunftsforscher Sven Gábor Jánszky wagt einen Blick in die Zukunft.

Herr Jánszky, Ihr Kollege Matthias Horx hat in einem Debattenbeitrag gesagt: Die Welt nach Corona wird eine bessere sein. Was sagen Sie: Haben wir eine gute Zukunft?

Sven Gábor Jánszky: Das können wir aktuell nicht seriös bewerten. Horx hat einen schönen Wunschtraum, eine positive Utopie beschrieben. Das hat aber keinerlei wissenschaftliche Basis. Wie die Zukunft aussieht, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Zum Beispiel davon, wie lange die Beschränkungen noch anhalten. Wenn die Krise schnell vorbei geht, kehrt die Welt größtenteils in ihren vorherigen Zustand zurück. Wenn das Weggesperrtsein noch länger anhält, verändert sich die Welt signifikant. Allerdings nicht zum Besseren, sondern zum Schlechteren.

Wie einfach fällt es Ihnen denn aktuell, die Zukunft vorherzusagen?

Jánszky: Das fällt in dieser Krise schwer. Für unsere Trendanalysen sprechen wir ja eigentlich vor allem mit Entscheidungsträgern aus der Wirtschaft, die mit ihren heutigen Entscheidungen die Zukunft der anderen stark beeinflussen. Momentan müssten wir Politiker fragen, was sie in ein paar Wochen entscheiden werden. Auf diese Frage bekommen wir aber keine vernünftige Antwort, weil es keiner weiß. Was wir berechnen können, sind Szenarien, die gleichberechtigt nebeneinander stehen. Wir können allerdings nicht sagen, welcher Fall wahrscheinlicher eintritt.

Zukunftsforscher Sven Gábor Jánszky blickt in die Zukunft - und sagt: Debatte prägt Zukunft.
Bild: 2b AHEAD ThinkTank

Dann werden wir doch mal konkret im Unkonkreten: Welche Szenarien sehen Sie denn aktuell für die zukünftige Arbeitswelt?

Jánszky: In der Arbeitswelt sind zwei Szenarien denkbar. Szenario eins tritt ein, wenn es bis Pfingsten eine weitgehende Lockerung der Restriktionen gibt: Dann kehren die Home-Office-Leute zurück in die Büros, die Produktionsarbeiter nehmen ihre Arbeit wieder auf, die Wirtschaft läuft langsam wieder an. Bei diesem Szenario wird es aus heutiger Sicht keine gravierenden Veränderungen geben. Die Verwerfungen in Unternehmen sind zwar da, der Staat fängt sie aber weitestgehend auf mit wirtschaftlichen Hilfen. Wir blieben bei diesem Szenario weiterhin auf dem Weg hin zur Vollbeschäftigung. Dieser Trend ist so stark, dass ihn auch die Corona-Krise, wenn sie denn bis Pfingsten unter Kontrolle zu bekommen ist, nicht aufhalten kann.

Zukunftsforscher Sven Gábor Jánszky glaubt trotz Corona-Krise weiter an Vollbeschäftigung

Wie sieht Szenario zwei aus, wenn die Restriktionen noch über den Sommer hinaus anhalten?

Jánszky: Dann bekommen viele Unternehmen ernsthafte Probleme. Da hilft dann auch keine Kurzarbeit mehr. Chefs würden Menschen entlassen, die Arbeitslosigkeit würde signifikant steigen. Wenn das passiert, verlängert sich der Weg hin zur Vollbeschäftigung stark. Dann wird das möglicherweise erst zwei, drei Jahre später Realität.

Aber selbst beim Worst Case würde sich der Trend fortsetzen?

Jánszky: Ja, absolut. Wie lange es dauert, hängt natürlich auch mit der Konjunktur zusammen. Aber da wir aktuell nicht von einer weltweiten Rezession ausgehen, glauben wir fest an die Fortsetzung des Trends.

Home Schooling ist vielerorts angesagt. Doch funktioniert das überall auch gut?
Bild: Stefan Puchner, dpa

Ein weiterer Bereich, der sich gerade zu verändern scheint, ist der Bildungssektor. Lehrer unterrichten über Videokonferenzen, Schüler lösen Aufgaben auf Bildungsplattformen. Verändert sich unser Lernen gerade grundsätzlich?

Jánszky: Dafür sehe ich keinerlei wissenschaftliche Anzeichen. Ja: Es gibt einzelne lobenswerte Beispiele, bei denen Home Schooling funktioniert. Es gibt aber mindestens genauso viele Beispiele, bei denen einfach per E-Mail irgendwelche Aufgaben verschickt werden und sich sonst überhaupt gar nicht gekümmert wird. Die Wahrscheinlichkeit ist gegeben, dass in der Folge dieser Krise sich die Bestrebungen nach Digitalisierung in den Schulen verstärkt. Aber dass das schnell geht und die aktuelle Lehrergeneration plötzlich die Webcam erkennt, das halte ich für wenig realistisch.

Zukunftsforscher Sven Gábor Jánszky: Krise wird den Trend zu Elektroautos verstärken

Aktuell fährt die Automobilindustrie wieder die Produktion hoch. Gehen Sie davon aus, dass die Automobilbranche die aktuelle Situation nutzt, um in die Mobilität der Zukunft zu investieren?

Jánszky: In der Tat ist das wahrscheinlich. Die Unternehmen, die bisher bei der Transformation noch ein bisschen hinterher waren, die werden die Pause-Taste nutzen, um aufzuholen. Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass die Krise den Trend zu Elektro- oder auch selbstfahrenden Autos verstärkt. So eine Krise gibt auch trägen Unternehmen die Chance, sich schneller zu wandeln. Wenn auch der Staat hilft, etwa mit Abwrackprämien, nimmt das Thema Elektroautos an Fahrt auf.

Wie sieht die Mobilität der Zukunft aus? Elektrisch?
Bild: Hendrik Schmidt, dpa

Bleibt es nach Ihren Prognosen bei den bisherigen Machtverhältnissen in der Automobilbranche?

Jánszky: Wir gehen von einer Verschiebung der Machtverhältnisse aus. China ist sehr viel schneller als Europa aus der Corona-Krise rausgekommen. Europa kommt schneller auf die Beine als die Nordamerikaner. Das wirkt sich auch auf die Industrie aus. Der Trend ging ja auch in dieser Branche schon vor der Krise stark in Richtung Asien im Allgemeinen und China im Speziellen. Wenn China das richtig macht, vergrößert es seinen globalen Fußbabdruck. Das betrifft dann natürlich auch die ganzen Lieferketten und die Zulieferindustrie.

Zuvorderst ist die Corona- eine Gesundheitskrise. Welche Trends sehen Sie im Bereich Medizin?

Jánszky: In den vornehmlich asiatischen Ländern, die die Krise bereits in den Griff bekommen haben, beobachten wir zwei Dinge: Erstens funktionieren da Selbsttests in Verbindung mit digitalen Anwendungen sehr gut. Selbstkontrolle mittels Technologie schafft Autonomie. Das haben die Menschen dort verstanden. Ob das auch in Deutschland passiert, muss sich erst noch beweisen, wenn endlich die Selbsttests und die App am Start sind.

Zweitens: Die Medizin in den asiatischen Ländern geht hin zu einer individualisierten Betrachtung des Menschen. Dort gibt es nicht eine Methode, ein Medikament oder eine Lösung für alle und für alles. Dort muss nicht jeder zu Hause bleiben, wie bei uns. Vielmehr sagt mir mein Handy regelmäßig, ob ich infiziert bin. Bin ich gesund, kann ich mich bewegen wie ich möchte. Es ist das Grundprinzip in Asien, den Menschen die Infos über die Gesundheit in die eigene Hand zu geben. Wir gehen davon aus, dass dieser Trend auch in Deutschland gestärkt wird.

Die Corona-App soll helfen, die Ansteckungen nachzuverfolgen, wenn Ausgehbeschränkungen gelockert werden.
Bild: Hauke-Christian Dittrich, dpa

Ein weiterer Trend, der aktuell zu beobachten ist: Die Deutschen entdecken ihre Solidarität (wieder). Sie singen Loblieder auf den stationären Einzelhandel. Werden wir nach der Krise alle wieder normal einkaufen und essen gehen - lokal, im Geschäft um die Ecke?

Jánszky: Ich glaube eher das Gegenteil, nämlich dass Lieferdienste gestärkt werden. Das ist aber auch eine Chance für lokale Einzelhändler. Viele entdecken gerade, dass ein Lieferservice auch für sie eine Chance ist. Das ist gut, denn nur so können sich Geschäfte zukunftsfest machen. Natürlich werden viele nach Ende der Regulierungen erst mal in Restaurants gehen, in Geschäften einkaufen. Weil sie froh sind, dass sie es wieder können. Das wird aber nicht lange anhalten.

Zukunftsforscher Sven Gábor Jánszky glaubt: Lieferdienste bleiben auch nach der Krise erfolgreich.
Bild: Gregor Fischer, dpa

Ganz grundsätzlich: Wie stark verankert sind denn die neuen Perspektiven, die wie in der Krise gewinnen? Beispiel: Wir applaudieren und musizieren auf dem Balkon für systemrelevante Arbeitnehmer. Bleibt diese Wertschätzung in der Zukunft?

Jánszky: Das sind alles nur Angstbewältigungsmechanismen, die schnell wieder verschwinden. In Zeiten der Unsicherheit bewältigen Menschen ihre Ängste entweder mit großer Dankbarkeit für Menschen, die sich kümmern, oder mit Verschwörungstheorien und Wut. Beides schwächt sich ab, wenn die kollektive Angst verschwindet.

So wie in Spanien klatschen und musizieren auch in Deutschland viele Menschen für systemrelevante Arbeitnehmer.
Bild: dpa

Wie stark beeinflusst denn unsere Einstellung zu der Krise die tatsächliche Zukunft?

Jánszky: Die Zukunft entsteht nicht aus Naturgesetzen, sondern aus Entscheidungen von Menschen. Die werden auch beeinflusst von öffentlichem Meinungsaustausch. Deshalb sind Opposition, Widerspruch, Gegenmeinungen so wichtig, gerade in der Krise. Unsere Ängste, unsere Hoffnungen, unsere Resillienz werden davon beeinflusst. Debatte prägt Zukunft.

Zur Person Sven Gabor Janszky ist Speaker und leitet das größte Zukunftsforschungsinstitut Europas 2b AHEAD.

Wir wollen wissen, was Sie denken: Die Augsburger Allgemeine arbeitet daher mit dem Meinungsforschungsinstitut Civey zusammen. Was es mit den repräsentativen Umfragen auf sich hat und warum Sie sich registrieren sollten, lesen Sie hier.

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Die Diskussion ist geschlossen.

01.05.2020

Die Chinesen hatten bereits vor dem Chinesischen Virus eine äußerst zweifelhafte Einstellung zu Staat, Gesellschaft, Politik,Diktatur,Macht !

In China hat die Kommunistische Partei schon vor Jahren das "Gesellschaftliche Bonussystem" eingeführt .
Jeder , der sich entgegen den Vorgaben der Diktatur benahm und benimmt - wurde entsprechend abgewertet . Jeder , der sich folgsam entlang der Parteilinie bewegte , aufgewertet . Mit den entsprechenden Folgen für Gehalt, Zugang zur Schulbildung, Beruf, gesellschaftliches Ansehen etc .

Ist es nicht hochgradig erschreckend , wie diese Diktatur , gerade jetzt noch , obwohl sie die Welt mit dem Chinesischen Virus in den Abgrund führt, Bewunderung erfährt von sog. "Zukunftforschern,von Europäischen Politikern, und Anderen ?!

Die Sowjetunion konnte nur dadurch besiegt werden ,indem man diese bösartige, widerwärtige Diktatur wirtschaftlich und militärisch totgerüstet hat.
Und das war gut so !!!

Bei China haben unsere Dummköpfe in Politik und Wirtschaft tatsächlich an den närrischen Spruch "Wandel durch Handel" geglaubt .

Mittels des Chinesischen Virus bekommt dieses Land entgültig alle Macht über die Welt in die Hand .
Unglaublich , wie unsere politischen "Lassiesz faire" Apologeten unsere Welt zugrundegerichtet haben . Aus Dummheit !



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01.05.2020

Schöne Zukunft, erst wird Dreck produziert in den asiatischen Ländern, der sie durch einen Virus vor sich hertreibt und die ganze Menschheit, und was ist das Ende des Produktes, man erfindet eine App, der den Menschen gläsern macht.....schöne Welt.

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