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Nachruf

07.07.2019

Artur Brauner: Ein Jahrhundert-Produzent ist tot

Wie die Bild-Zeitung berichtet, ist der Film-Produzent Artur Brauner im Alter von 100 Jahren an den Folgen eines Schwächefalls gestorben.
Bild: Bernd von Jutrczenka, dpa

Große Kino-Unterhaltung war sein Metier. Jetzt ist die Berliner Produzenten-Legende Artur Brauner im Alter von 100 Jahren verstorben.

Manchmal fragte man sich, woher Artur Brauner die Energie nahm, so lange im Filmgeschäft mitzumischen. Brauner war eine Legende. Nicht nur als Filmproduzent, sondern auch als Firmenpatriarch und Immobilienbesitzer, der mit Steuerauseinandersetzungen immer mal wieder auf die Titelseiten der Boulevardzeitungen geriet. Kein anderer hat so viele Filme produziert wie er, mehr als 250. Nun ist Artur Brauner – den die Berliner „Atze“ nannten – am Sonntag kurz vor seinem 101. Geburtstag gestorben, wie seine Familie der Bild-Zeitung bestätigte.

Seine Firma CCC-Film ist mit über 70 Jahren die älteste deutsche Produktionsfirma in Familienbesitz. In ihren Studios wurden rund 700 Filme gedreht. Und wohl kein anderer Produzent in Deutschland hat so vielen Stars die Hände geschüttelt wie er.

Artur Brauner überlebte den Holocaust

Artur – ursprünglich Abraham – Brauner wurde am 1. August 1918 in Lodz als Sohn eines jüdischen Holzhändlers geboren. Er überlebte den Holocaust, indem er sich in Wäldern versteckte; 49 Verwandte seiner Familie sind in Gettos und Lagern von den Nazis umgebracht worden.

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1946 gründete er seine CCC-Film. Brauner war Deutschlands wichtigster Produzent in den 50er Jahren, als das bundesdeutsche Publikum – noch ausgelaugt von den mageren Nachkriegsjahren, aber schon wieder emsig am Wirtschaftswunder arbeitend – sich ein paar schöne Stunden machen wollte. Er gab ihm jene Illusionen, die für eine kurze Zeit Trost und Ablenkung versprachen. Dabei hatte er wenig Skrupel, die Zuschauer auch mit seichter Unterhaltung zu versorgen.

In Berlin-Spandau baute er eine der modernsten und größten europäischen Atelieranlagen auf, die zeitweilig über 500 Mitarbeiter beschäftigte. Er war in allen Genres zu Hause, die Erfolg versprachen. Dabei vertraute er auf die „großen Namen“ und auf Drehbücher, die ihre Herkunft von Boulevardstücken und Schwänken nicht verleugnen konnten. Und er hängte sich an alle Wellen, die gerade als en vogue im Kino galten, ob es nun Musicals, „Problemfilme“, Karl-May-Verfilmungen oder Wallace-Krimis waren. Sogar für einige Sex-Klamotten war er sich nicht zu schade.

Artur Brauner produzierte Karl-May-Verfilmungen oder Edgar Wallace Krimis

In den 50er und 60er Jahren produzierte er aber auch ambitionierte Literaturadaptionen und Neuverfilmungen klassischer Kinostoffe aus den 20er und frühen 30er Jahren. Dahinter steckte nicht nur das Kalkül, mit dem Remake eines Kassenknüllers noch einmal Profit zu machen. Brauner hatte die Absicht, an eine Filmtradition anzuknüpfen, die dem deutschen Film einmal Weltgeltung verschafft hatte und die noch unbefleckt war von der Unterhaltungsmaschinerie der Nazi-Zeit.

1958 hat er den „Tiger von Eschnapur“ noch einmal verfilmt und 1966 „Die Nibelungen“. Immer wieder hat der Produzent, der der Regisseursgeneration der 60er und 70er Jahre als typischer Repräsentant von „Papas Kino“ erschien, auch etwas gewagt.

Mit der von Robert Siodmak inszenierten Hauptmann-Adaption „Die Ratten“ (1955) gelang ihm eines der wenigen Meisterwerke des Adenauer-Kinos, ein düsterer Film mit expressiven Bildern. Und es gab auch schon damals den unbequemen Artur Brauner: den, der einem Filmball wegen der Anwesenheit des Nazi-Regisseurs Veit Harlan („Jud Süß“) fernblieb; den, der aus der Emigration zurückgekehrte Regisseure wie Robert Siodmak oder Fritz Lang und Schauspieler wie Peter van Eyck oder Fritz Kortner beschäftigte.

Schon in seinem zweiten Film „Morituri“ (1947/48), der eigene Erlebnisse verarbeitete, begann seine Beschäftigung mit der NS-Diktatur. Gerade in den letzten Jahrzehnten, als er nicht mehr Filme wie am Fließband herstellte, hat er diese Themen ausgebaut mit Titeln wie: „Sie sind frei, Dr. Korzak“ (1973), „Die weiße Rose“ (1982), „Bittere Ernte“ (1985), „Hitlerjunge Salomon“(1989), „Babij-Jar – Das vergessene Verbrechen“ (2003) oder „Der letzte Zug“ (2006). Zum 100. Geburtstag widmete ihm der Fernsehsender Arte im vergangenen Jahr einen Themenabend, das Porträt stand unter dem Titel „Der Unerschrockene“. (epd)

Wie Artur Brauner seinen 100. Geburtstag gefeiert hat, lesen Sie hier: Stars und Freunde feiern 100. Geburtstag von Artur Brauner

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Von diesen Prominenten mussten wir uns 2019 schon verabschieden

 

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