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Oldtimer

10.04.2014

Auferstanden: Münchner erweckt Bugatti Royale wieder zum Leben

Der Bugatti Royale ist eine Legende. Wer eines dieser millionenteuren Kunstwerke besitzt, gibt es nie mehr her. Ein vermögender Münchner ist jetzt trotzdem an ein Exemplar gekommen.

Achtung! Folgende Geschichte handelt von der Welt der Männer. Die ist zwar bekanntermaßen so überschaubar wie – sagen wir – der Titisee im südlichen Schwarzwald, aber in den Augen vieler Damen eher öde und schwer zugänglich. Denn drei Dinge braucht der Mann: Autos, Musik, Fußball – Priorität individuell unterschiedlich. Und nur, wer die Leidenschaft von Männern für Automobile nachvollziehen kann, für den sind auch folgende Zeilen zu verstehen.

Die Story handelt davon, dass ein sehr vermögender, in München lebender Niederländer aus einem verrosteten Rahmen einen Bugatti Royale Torpédo Packard Prototyp 1926 wiederauferstehen ließ. Kostenfaktor: geheim. „Auch der Name des Oldtimer-Liebhabers soll nicht bekannt werden. Das unglaubliche Auto allein steht im Mittelpunkt“, erklärt Franz Stepan.

Über die Arbeiten entstand eine 52-minütige TV-Dokumentation

Der Filmemacher aus der Landeshauptstadt hat die Arbeiten am Bugatti vier Jahre lang begleitet und eine 52-minütige TV-Dokumentation – „Wiedergeburt einer Legende“ – gedreht. Am Donnerstag, 10. April, wird der Film der TVT creative media, eines Tochterunternehmens der RT1-Gruppe, im Medienzentrum Augsburg vor ausgewähltem Publikum Premiere feiern. Parallel dazu soll er weltweit fürs Fernsehen vermarktet werden.

Auferstanden: Münchner erweckt Bugatti Royale wieder zum Leben

Warum ein Film über ein altes Fahrzeug? Der Bugatti gehört Experten zufolge zu den seltensten Automobilen der Welt. Nur sieben Exemplare wurden insgesamt hergestellt. Es sollte ein Auto für Kaiser und Könige werden.

Ein Modell des Bugatti ging für 20 Millionen über den Auktionstisch

Aufgrund der Weltwirtschaftskrise Ende der 1920er und zu Beginn der 1930er Jahre fand Firmenchef Ettore Bugatti kaum Abnehmer. Zum Glück für diejenigen, die heute einen Royale besitzen. „Mehr Ikone geht nicht“, heißt es in einer Fachzeitschrift. Und nur zur Orientierung, was ein Original-Bugatti wert sein kann: Ein anderes Modell ging 2010 für 20 Millionen Euro über den Auktionstisch.

Das wiederum ist für Kenner der Szene nicht verwunderlich. Oldtimer-Sammeln liegt im Trend. Die Klassiker sind heutzutage nicht nur Lust-, sondern auch begehrte Anlageobjekte. Normalsterbliche leisten sich beispielsweise Modelle wie den Citroën 2CV, bekannt als „Ente“. Wer aber über entsprechendes Vermögen verfügt, steigt in die Superluxusklasse ein. Und exakt in dieser Liga tummelt sich der Bugatti.

Wer einen Bugatti Royal hat, verkauft ihn nicht

Laien fragen sich, warum sind diese Automobile so wertvoll? Sammlungskurator und Oldtimerexperte Wolfgang Rolli erklärt: „Mit etwas Distanz betrachtet, erleben wir einen rauschähnlichen Zustand.“ Die Parallelen zum Kunstmarkt seien größer denn je: die Zinsen im Keller, jede Menge Geld in Erbenhänden und der Hedonismus so präsent wie nie zuvor. Die Nachfrage regele den Preis.

Langfristig seien vor allem die teuren historischen Automobile ein gutes Investment und wiesen seit 1980 eine durchschnittliche Rendite von mehr als zwölf Prozent aus, heißt es.

Doch die Marktlage für Bugatti Royale ist bescheiden. Royales werden nicht gehandelt, weil sie so selten sind. Wer einen hat, verkauft nicht. Bekannt ist, dass das Automobilmuseum in Mulhouse einen Royale nachgebaut hat – weitgehend mit Originalteilen aus dem Bugatti-Fundus. Auch im Technikmuseum Sinsheim und der Donington Grand Prix Collection stehen Repliken.

Spezialisten halfen, die teilweise beschädigten Fundstücke wieder funktionstüchtig zu machen

Nun aber fand ein Bugatti-Fan aus den Niederlanden bei einem privaten Autosammler in Minneapolis (USA) vor einigen Jahren zufällig den verrosteten Rahmen und eine Handvoll Teile eines Royale. Sein Traum: diesen Wagen wieder aufzubauen. Das aber kostet Millionen. „Glücklicherweise fand er in München einen Investor“, erzählt Filmemacher Franz Stepan.

Das Projekt „Bugatti Royale“ kam also in Fahrt. „Ein Team aus internationalen Experten wurde zusammengetrommelt und die Baupläne wurden ausfindig gemacht. Danach begann die weltweite Suche nach den Originalteilen“, erzählt Filmemacher Stepan. Es sei eine Art Sisyphus-Arbeit gewesen, Jahrzehnte nach dem Bau der Bugattis. Und doch war sie erfolgreich. Beste Spezialisten haben Stepan zufolge die teilweise beschädigten Fundstücke wieder funktionstüchtig gemacht. Material, das nicht mehr aufzutreiben war, baute man originalgetreu nach: die alte Ölwanne beispielsweise. „Es musste dabei sehr sorgfältig vorgegangen werden“, sagt Franz Stepan. Wenn nur eine Schraube nicht dem Bauplan entspricht, würde das Fahrzeug sofort seinen Wert verlieren.

Der Prototyp des Luxuswagen wurde in sechs verschiedenen Varianten gebaut

Der Prototyp des Royale wurde von 1926 bis 1931 mit fünf verschiedenen Karosserievarianten gebaut – zuletzt als Coupé Napoléon. Wie damals im Luxuswagen-Markt üblich, lieferte Bugatti nur das „Rolling Chassis“, das heißt, das Fahrgestell mit allen Komponenten samt Motor und Kühlergrill, während die Gestaltung des Aufbaus unabhängigen Karosserie-Unternehmen überlassen wurde. Das Modell war ein äußerst elegantes, über sechs Meter langes Auto, das über die Straßen gleichsam schwebte und für Aufsehen sorgte. Es war Ettore Bugattis Privatwagen.

Der Patron der Firma im elsässischen Molsheim, ein kleiner Italiener mit großem Ingenieurtalent und einem Faible für Design, hatte in den 1920er Jahren mit seinen Renn- und Sportwagen enormen Erfolg. Die waren so angesagt wie heute Ferraris. Dieser Ettore träumte bereits 1913 als junger Mann davon, das beste Auto der Welt zu bauen: das größte, komfortabelste, leiseste, schnellste und teuerste sollte es sein. Aufgrund des Ersten Weltkriegs konnte Bugatti das Projekt aber erst 13 Jahre später starten.

Der Bugatti Royal hatte eine unglaubliche Leistung für seine Zeit

In den 1920er Jahren war Hispano-Suiza, ein technisch fortschrittliches Luxusgefährt eines schweizerisch-spanischen Unternehmens, Fachzeitschriften zufolge der Platzhirsch der europäischen High Society – knapp vor Rolls-Royce. Ettore Bugatti wollte noch einen draufsetzen. Er konstruierte einen mächtigen 12,7 Liter Reihenachtzylinder mit etwa 300 PS. Die Höchstgeschwindigkeit betrug 200 Stundenkilometer – eine unglaubliche Leistung für diese Zeit, wo die meisten Fahrzeuge deutlich unter Tempo 100 blieben.

Doch trotz aller Superlative hatte Bugatti – wie gesagt – keine Fortune mit dem Royale. Den letzten Prototypen fuhr er höchstpersönlich zu Schrott. Der Patrone soll nach einem üppigen Mittagessen am Steuer eingeschlafen sein. Der Autobauer überlebte, sein Wagen nicht.

Der Rahmen des Autos tauchte in den USA auf

Die Überreste des Unfallwagens verschwanden aus den Augen der Öffentlichkeit – bis der Rahmen in den USA auftauchte. Wieder dauerte es Jahre, bis die Experten ihn perfekt aufgebaut hatten. „Inzwischen aber rollt die Luxus-Limousine auf der Straße“, berichtet Franz Stepan. Das Projekt „Bugatti Royale“ ist beendet. Wenn man den Erzählungen glauben darf, muss es für alle Beteiligten ein „wunderbares Abenteuer“ gewesen sein – ein Männertraum. Der riesige Wagen lässt sich einfach steuern. Darum will der geheimnisvolle Eigentümer den Royale auch regelmäßig ausfahren. Denn, so Stepan, der Bugatti ist zu schön, um ihn in einer Garage zu verstecken.

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