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Coronavirus

22.04.2020

Ausgangssperre in Spanien: Der laute Aufschrei der Kinder

Salvador Illa, Gesundheitsminister von Spanien, ruderte nach Protesten zurück. Kinder dürfen bald für eine Weile nach draußen.
Bild: Eduardo Parra, dpa (Archiv)

In Spanien wird die gegen Ausgangssperre protestiert. Denn Kinder dürfen nur raus, um Erwachsene beim Einkaufen zu begleiten. Die Regierung schwenkt um.

Spaniens Mitte-Links-Regierung gerät wegen ihrer Corona-Politik zunehmend unter Druck. Die Unterstützung der Bevölkerung für die harte Ausgangssperre, die nun fast sechs Wochen in Kraft ist, schwindet. Das war wie noch nie zu spüren, als hunderttausende Familien an offenen Fenstern und auf Balkonen mit Töpfen, Deckeln und Kochlöffeln ein „Lärmkonzert“ veranstalteten, um ihren Unmut auszudrücken. Und um ihrer Forderung Nachdruck zu verleihen: „Lasst endlich unsere Kinder raus!“

Der Proteststurm war durch eine fragwürdige Ankündigung von Regierungssprecherin María Jesús Montero ausgelöst worden. Diese hatte Stunden zuvor Hoffnungen enttäuscht, dass die Kinder nach langer Zwangsquarantäne wenigstens ein paar Minuten täglich vor der Tür Roller fahren oder Herumtoben dürfen. Die Regierung, die aus Sozialisten und der Linkspartei Podemos besteht, habe andere Vorstellungen, verkündete Montero: Kinder unter 14 Jahren dürften nur raus, um einen Erwachsenen zum Supermarkt, zur Bank oder zur Apotheke zu begleiten.

Beschränkungen in Spanien: Der Gesundheitsminister rudert zurück

Minuten nach dieser Bekanntmachung braute sich ein Proteststurm zusammen. In Protestaufrufen, die sich rasend schnell in den sozialen Netzwerken verbreiteten, wurde die Ankündigung als „lächerlich und absurd“ bezeichnet. Spanische Medien sprachen von einer „kinderfeindlichen“ und „weltfremden“ Entscheidung.

 

Nur zwei Stunden nach dem eindrucksvollen Topfprotest, der live im TV übertragen wurde, ruderte die Regierung zurück. „Wir hören auf die Gesellschaft“, sagte Gesundheitsminister Salvador Illa. Vom 27. April an dürften Kinder nun an jedem Tag eine Weile zum Luftschnappen draußen sein.

Coronafälle: Infektionskurve flacht ab, aber keine Entspannung in Spanien

Premier Pedro Sánchez machte derweil klar, dass es in Spanien keine schnelle Rückkehr zum Alltag geben werde. Die Lockerung des Ausgehverbots, das gerade erst bis zum 9. Mai verlängert wurde, werde nur „langsam und schrittweise“ möglich sein. Spanien ist das von der Pandemie am schlimmsten betroffene Land in Europa. Die Infektionskurve flacht zwar immer weiter ab, aber von Entspannung kann noch lange keine Rede sein.

Am Mittwoch meldeten die Behörden mehr als 208.000 Infizierte, 3400 mehr als am Vortag. Die Zahl der Todesopfer stieg auf 21.700 Tote. Aus keinem Land der Erde werden mehr Todesopfer pro 100.000 Einwohner gemeldet: Laut Johns Hopkins University kommen in Spanien 46 Corona-Tote auf 100.000 Einwohner, in Deutschland sind es nur sechs.

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