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Nach überraschendem Freispruch

14.04.2020

Australischer Kardinal Pell sieht sich als Sündenbock

Kardinal George Pell spricht eine Warnung aus.
Bild: Andy Brownbill/AP/dpa

Vor einer Woche kam der australische Kardinal Pell überraschend aus dem Gefängnis frei. In einem ersten Interview beklagt er sich nun darüber, zum Sündenbock für Vergehen anderer gemacht worden zu sein.

Sydney (dpa) – Der vor einer Woche überraschend vom Vorwurf des sexuellen Missbrauchs freigesprochene australische Kardinal George Pell hat das gegen ihn angestrengte Verfahren scharf kritisiert.

Er frage sich, ob der Zeuge, der gegen ihn ausgesagt hatte, benutzt worden sei, sagte der 78-Jährige in einem Interview des Senders Sky News. "Ich weiß nicht, was der arme Kerl vorhatte." Er selbst sei zum "Sündenbock" für schreckliche sexuelle Verbrechen anderer gemacht worden.

Der ehemalige Finanzchef des Vatikans kritisierte auch die australische Polizei dafür, ihn des Kindesmissbrauchs beschuldigt zu haben. Er wäre nicht überrascht, wenn er mit weiteren ähnlichen Vorwürfen konfrontiert würde, sagte er in dem Interview. Australische Medien berichteten, die Polizei ermittle zu neuen Vorwürfen gegen Pell aus den 1970er Jahren. Eine Bestätigung dafür gab es zunächst nicht.

Australischer Kardinal Pell sieht sich als Sündenbock

Im März 2019 war der frühere Erzbischof von Melbourne wegen des Missbrauchs zweier Chorknaben in den 1990er Jahren zu sechs Jahren Haft verurteilt worden. Das höchste australische Gericht gab dann jedoch am 7. April dem Berufungsantrag des Kardinals mangels Beweisen statt. Pell wurde daraufhin nach rund 13 Monaten in Haft aus dem Gefängnis entlassen. Er war der bislang ranghöchste Geistliche in der Geschichte der katholischen Kirche, der wegen Kindesmissbrauchs verurteilt worden war.

Pell sprach von einem "Kulturkrieg" gegen Menschen wie ihn, die für konservative christliche Werte einträten. Es gebe auch einen systematischen Versuch, christliche Grundsätze zu Ehe, Geschlecht und Sexualität zu beseitigen. "Ich glaube, das hat zu dem beigetragen, was mir geschehen ist." Die meisten, die seine Kampagne gegen Korruption im Vatikan unterstützt hätten, glaubten, dass die Anschuldigungen gegen ihn mit der von ihm vorangetriebenen Reform der Kirchenfinanzen zusammenhingen. Er habe dafür allerdings keine Beweise.

"Ein Trost für mich ist, dass für keinen Christen ein irdisches Gericht das letzte Gericht ist", sagte Pell. "Ich weiß, dass ich meinen lieben Gott nicht werde täuschen können." Der Kardinal will nach seiner Freilassung künftig in Sydney leben. Möglicherweise werde er aber kurz nach Rom reisen, um seine Sachen dort zu packen, sagte Pell. (dpa)

Bericht News Ltd (englisch)

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