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Balearen-Insel
25.06.2015

Urlaubsparadies Mallorca will keine Müllkippe sein

Reste einer Party: Dieser Spanier schläft in Valencia am Strand. Hinten am Meer ist schon die Müllabfuhr unterwegs.
Foto: Juan Carlos Gardenas, dpa

Im Urlaubsparadies vieler Deutscher wird tonnenweise Abfall importiert und verbrannt. Damit soll jetzt Schluss sein. Wie man auf der Insel am Image arbeitet...

Sommer, Sonne Strand – und, das muss man trotz aller Urlaubsträume sagen, auch Müll. Wo viele Touristen sind, bleiben viele Abfälle zurück. Zuletzt waren es 800 Kilo pro Kopf im Jahr. Doch das reichte bisher nicht, um die überdimensionierte Müllverbrennungsanlage im Norden Palmas auszulasten. Mallorca importiert noch immer Müll aus anderen europäischen Ländern und auch aus spanischen Städten. Jahrelang kämpften Umweltschützer dagegen, dass Mallorca Europas Müllkippe wird – mit Demonstrationen, Menschenketten und Unterschriftenlisten.

Nun haben die Öko-Verbände ihr Ziel erreicht: Die neue Mitte-links-Regierung der Insel kündigte an, dass der umstrittene Müllimport auf die Insel gestoppt wird. Der bisherige massenhafte Transport von Abfall nach Mallorca und die dortige Abfallverbrennung seien ein Wahnsinn, sagte Miquel Ensenyat, seit Juni der neue Regierungschef Mallorcas von der linksökologischen Partei Més. Sowohl aus Gründen des Umweltschutzes als auch wegen des Imageschadens für Mallorca sei der Müllimport nicht zu verantworten – auch wenn die Touristen auf der Insel von der Anlage nichts mitbekommen haben dürften.

Dieser Kurswechsel ist eine weitere Folge des politischen Umschwungs auf Mallorca und den anderen Balearen-Inseln, wo die Konservativen in der Regionalwahl Ende Mai nach einer langen Reihe von Korruptionsskandalen abgestraft worden waren. Zuvor hatte der neue Linkspakt bereits Millionen Touristen in ganz Europa mit der Ankündigung überrascht, dass er eine Urlaubssteuer auf Mallorca einführen wolle, die ähnlich der deutschen Kurtaxe pro Kopf und Nacht bei der Ankunft bezahlt werden soll.

Den Stierkämpfen in Palma de Mallorca soll es an den Kragen gehen

Zudem will man auch den blutigen Stierkämpfen an den Kragen gehen: Vor allen anderen Reformen will die Regierung ein Verbot der Stierspektakel in der großen Arena der Inselhauptstadt Palma de Mallorca veranlassen. In Sachen Müllimport, der seit 2013 von der Insel betrieben wurde, läuft nun offenbar alles darauf hinaus, dass ein Teil der Verbrennungsanlage Son Reus nahe Palma stillgelegt wird. In den vergangenen Jahren waren zehntausende Tonnen Abfall aus Italien, Nordirland, der spanischen Region Katalonien und zuletzt auch von der Nachbarinsel Menorca nach Palma verschifft und dort verbrannt worden. Umweltschützer hatten stets auf Studien verwiesen, wonach in der Umgebung der vier Verbrennungsöfen eine erhöhte Schadstoffbelastung gemessen worden seien.

Die Geschichte von Mallorcas Müllverbrennungsanlage ist beispielhaft für den Bauwahn und die urbane Fehlentwicklung, deren Hinterlassenschaften heute vielerorts auf der Insel zu beobachten ist. Die Abfallöfen wurden zum Symbol jener Zeiten, in denen auf ungestümes Wachstum und nicht auf Umweltschutz gesetzt wurde: Vor einem Jahrzehnt hatte man begonnen, die Kapazität der Verbrennungsanlage zu verdoppeln, ohne zu bedenken, dass durch Recycling das Abfallvolumen sinken würde. Als die beiden neuen Müllöfen im Jahr 2011 endlich fertig waren, mangelte es an Abfall – und die riesige Anlage wurde zur Investitionsruine.

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