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Barcelona

10.06.2019

Baugenehmigung für Sagrada Familia bedroht Rekord des Ulmer Münsters

Der Grundstein für die Sagrada Familia wurde 1882 gelegt – aber um eine Baugenehmigung hat sich seitdem niemand gekümmert.
Bild: Matthias Balk, dpa

Die Sagrada Familia stand bisher illegal in Barcelona. Nach 137 Jahren kann jetzt offiziell weitergebaut werden. In Ulm kommt dürfte das nicht gut ankommen.

Mehr als ein Jahrhundert lang war Spaniens wohl bekannteste Touristenattraktion illegal. Jetzt wird alles anders. Die Sagrada Familia, weltberühmte Basilika des Architekten Antoni Gaudí in Barcelona, bekommt 137 Jahre nach Baubeginn eine Genehmigung.

Die Stadtverwaltung und der Kirchenbauverein einigten sich darauf, den bis heute immer noch unvollendeten Tempel zu legalisieren. Das kuriose Gaudí-Gotteshaus, dessen Name übersetzt „Heilige Familie“ bedeutet, erhielt damit endlich eine offizielle Baugenehmigung.

Sagrada Familia in Barcelona hatte nie eine Baugenehmigung erhalten

Die ungewöhnliche Kirche, die an eine riesige Sandburg erinnert, soll jetzt in den nächsten sieben Jahren fertiggestellt werden. 2005 wurde sie von der Unesco zum Weltkulturerbe ernannt. Die linke Stadtverwaltung von Bürgermeisterin Ada Colau – einer ehemaligen Hausbesetzungs-Aktivistin – hatte kurz nach ihrem Amtsantritt im Jahr 2015 herausgefunden, dass die berühmteste Baustelle Spaniens keine offizielle Bauerlaubnis besaß.

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Dafür erfreute sich die Sagrada Familia aber des Segens der katholischen Kirche. Papst Benedikt XVI. war 2010 persönlich nach Barcelona gekommen, um Gaudís Meisterwerk zur Basilika zu weihen.

Benedikt bezeichnete damals den katalanischen Baumeister als „genialen Architekten“. Sein Gotteshaus sei „eine wunderbare Synthese aus Technik, Kunst und Glauben“.

Allerdings ist die Sagrada Familia erst zu 70 Prozent fertig. Den historischen Plänen zufolge soll sie sich noch weiter ausdehnen – in die Höhe und in die Breite, wo eine riesige Freitreppe zum Hauptportal führen soll.

Für Genehmigung: Baugesellschafft muss über 40 Millionen Euro bezahlen

Ganz nebenbei füllt der Bau die öffentlichen Kassen. Für die Genehmigung muss die Baugesellschaft 4,6 Millionen Euro zahlen, erklärte Baudezernentin Janet Sanz in einer Mitteilung. Zudem muss sie sich mit weiteren 36 Millionen Euro an den Kosten für eine bessere Verkehrsanbindung der Basilika beteiligen.

Rund 20 Millionen Menschen kommen jedes Jahr, um Gaudís architektonisches Wunderwerk wenigstens von außen zu bestaunen. Wer in die Kirche hineinwill, muss für ein einfaches Ticket 17 Euro bezahlen. Doch der Andrang ist so groß, dass ein Zugang meist ohne frühzeitige Onlinereservierung nicht möglich ist.

Wenn alles nach Plan verläuft, soll die Kirche, die einmal 18 Türme haben wird, im Jahr 2026 fertig sein. Der höchste der Türme soll 2022 fertig werden und eine Höhe von 172,5 Metern haben.

Wegen Sagrada Familia: Ulmer Münster bangt um Rekord

Genau das ist der Grund, dass mancher in der Donaustadt Ulm wohl nicht ganz so begeistert die Nachrichten aus Barcelona liest. Denn bisher steht dort der höchste Kirchturm der Welt: Das Ulmer Münster misst 161,5 Meter. Die Sagrada Familia wird dem Münster, wenn alles glatt läuft, diesen Titel abnehmen.

Doch das hängt auch vom Geld ab. Denn die Basilika in Barcelona wird ausschließlich aus Spenden und Eintrittsgeldern finanziert.

Im Jahr 2026 wären dann auch genau 100 Jahre seit dem Tod des legendären Baumeisters Antoni Gaudí vergangen. Er gilt heute als einer der genialsten, kreativsten und verrücktesten Baumeister Spaniens. Doch zu Lebzeiten war er alles andere als populär. Er war seiner Gesellschaft weit voraus. So weit, dass viele Zeitgenossen seinen unkonventionellen Kirchenbau wie auch andere Gaudí-Gebäude damals als „steinerne Missgeburten“ beschimpften.

Missverstanden, frustriert und verarmt lebte er in seinen letzten Lebensjahren in Lumpen gehüllt und zurückgezogen in seinem Gotteshaus. 1926, mit 73 Jahren, starb er nach einem tragischen Unfall: Er wurde, nicht weit von seiner Kirche entfernt, von einer Straßenbahn überfahren und starb kurz darauf im Armenhospital Barcelonas. (mit sari)

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