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Berlin
24.06.2016

Imam verweigert Lehrerin Handschlag und zeigt sie an

Bei einem Elterngespräch soll ein Imam einer Berliner Lehrerin den Handschlag verweigert und sich dabei auf Religionsfreiheit berufen haben.
Foto:  Angelika Warmuth/Symbol (dpa)

An einer Berliner Schule gibt es Ärger wegen eines verweigerten Handschlags. Ein Imam wollte einer Lehrerin nicht die Hand geben. Sie ärgerte sich und bekam eine Anzeige.

Diskussionen hat ein verweigerter Handschlag eines Imams an einer Berliner Schule ausgelöst. Wie der Sender RBB berichtet, soll der Imam einer Lehrerin zu Beginn eines Elterngesprächs den Handschlag verweigert haben. Er habe sich dabei auf die Religionsfreiheit berufen. Die Lehrerin wiederum habe diese Form der Begrüßung mehrfach eingefordert und ihm Frauenfeindlichkeit und mangelnden Respekt vorgeworfen. 

Laut RBB handelt es sich bei dem Imamum einen strenggläubigen Schiiten aus der Osttürkei. Er soll dem Bericht zufolge  Strafanzeige gegen die Lehrerin gestellt haben - dem Bericht zufolge wegen Beleidigung und Verletzung der Religionswürde. Die Polizei bestätigte am Donnerstagnachmittag, dass die Anzeige inzwischen einging.  

Pankower Schule will sich zu verweigertem Handschlag nicht äußern

Die Pankower Privatschule erklärte, sie wolle sich aus Rücksicht auf das Wohl der Familie und deren Kinder nicht öffentlich äußern und sprach von einer innerschulischen Angelegenheit. Die Schulgemeinschaft sei von "großer Vielfalt und einem positiven respektvollen Miteinander geprägt", diesen Weg wolle man "konsequent weiter gehen". 

Die Berliner Bildungsverwaltung wurde nach eigenen Angaben nicht über den Fall informiert. "In der Schule muss das Wohl des Kindes im Vordergrund stehen, das heißt, es ist wichtig, mit Eltern im Gespräch zu bleiben", erklärte eine Sprecherin auf Anfrage. 

Berlins Integrationssenatorin Dilek Kolat (SPD) zeigte Verständnis für die Lehrerin. Sie hätte aber trotzdem mit dem Imam gesprochen, schon im Interesse des Kindes, sagte Kolat der Deutschen Presse-Agentur. Ihr sei auch schon der Handschlag verweigert worden. "Mich hat das auch sehr gestört." 

In der Vergangenheit hatte etwa auch die Bezirksbürgermeisterin von Berlin-Neukölln, Franziska Giffey (SPD) von solchen Erfahrungen berichtet, zum Beispiel bei Einbürgerungen. Sie halte das für "einfach nur respektlos, sagte sie im April der "Welt". 

Debatte über den Handschlag

Der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) werden nach Einschätzung des Vorsitzenden Tom Erdmann pro Jahr nur Einzelfälle bekannt. Er halte den verweigerten Handschlag nicht für ein flächendeckendes Phänomen, betonte Erdmann. Die allermeisten muslimischen Männer in Deutschland kooperierten mit Lehrerinnen.

In der Schweiz war im Frühjahr eine Debatte über den Handschlag entbrannt, nachdem 14 und 16 Jahre alte Brüder einer Lehrerin aus religiösen Gründen den Handschlag verweigert hatten. Die Schulbehörde entschied daraufhin, dass im Kanton Basel-Landschaft künftig kein Schüler mehr ablehnen darf, einer Lehrerin die Hand zu geben. 

Die Gleichstellung von Mann und Frau sowie die Integration von Ausländern habe einen höheren Stellenwert als die individuelle Religionsfreiheit, begründete die Schweizer Behörde damals ihr Vorgehen. Bei Missachtung müssten die Eltern oder ihre beiden Söhne künftig mit Sanktionen rechnen. dpa/AZ

RBB-Bericht

Stellungnahme der Schule

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