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10.03.2009

Bestürzung nach Festnahme im Fall Michelle

Bestürzung nach Festnahme im Fall Michelle
Bild: DPA

Leipzig (dpa) - Die Verhaftung des mutmaßlichen Mörders der kleinen Michelle hat in Leipzig neues Entsetzen ausgelöst. Die Tatsache, dass der geständige 18-Jährige aus dem direkten Umfeld Michelles kam und das Kind sogar kannte, hat viele Bürger schockiert.

Der Verdächtige besuchte als Kind dieselbe Grundschule wie die achtjährige Michelle. "Etliche Lehrer kennen ihn. Das hat im Kollegium der Schule eine neue Betroffenheit ausgelöst", sagte der Sprecher der Bildungsagentur in Leipzig, Roman Schulz. Zudem soll der Mann im Rahmen seiner Ausbildung im Herbst 2007 ein Praktikum an der Schule absolviert haben.

Nach Angaben der Polizei hatte er sich Michelle gezielt als Opfer ausgesucht. Dass der Mann aus der Nachbarschaft stammt, habe die Eltern des Kindes nicht überrascht, sagte deren Rechtsanwältin Ina Alexandra Tust dem Sender MDR Info. "Wir haben die ganze Zeit damit gerechnet, dass der Täter aus dem Umfeld kommt." Gekannt haben die Eltern den 18-Jährigen allerdings nicht. Er wohnte nur 50 Meter von ihnen entfernt.

Am Dienstag haben erneut Experten der Spurensicherung Räume in dem weiß getünchten Altbau durchsucht, in dem der 18-Jährige mit seiner Mutter gewohnt hat. Vermutlich geschah dort das Verbrechen am 18. August 2008. Medien berichteten, dass der Verdächtige Michelles Leiche in einer Kammer abgelegt hatte, bevor er sie in einen Ententeich warf. Der Sprecher wollte dies nicht kommentieren.

Bestürzung nach Festnahme im Fall Michelle

Wie lange die Untersuchung der Wohnung dauern werde, konnte die Polizei noch nicht sagen. Die Mutter des jungen Mannes konnte bislang noch nicht befragt werden. Sie ist nicht vernehmungsfähig und in ärztlicher Behandlung. In ihrer Begleitung war der mutmaßliche Mörder am Sonntag zur Polizei gegangen, wo er schließlich ein Teilgeständnis ablegte. Der Auszubildende sitzt in Untersuchungshaft. Er soll auch versucht haben, die Schülerin sexuell zu missbrauchen.

Die unterbrochene Vernehmung des 18-Jährigen sollte indessen frühestens Ende der Woche oder Anfang nächster Woche fortgesetzt werden, sagte Landespolizeipräsident Bernd Merbitz in Dresden. Grund sei, dass zunächst der Anwalt des Verdächtigen die Akten - alles in allem waren laut Polizei aneinandergereiht 50 Meter Unterlagen zusammengekommen - ansehen will.

Die Sonderkommission "Michelle" mit 75 Beamten werde "noch geraume Zeit in diesem Bestand weiterarbeiten", sagte Merbitz. Geprüft wird dabei auch, ob der bislang unauffällige 18-Jährige für weitere Übergriffe auf Kinder in Leipzig verantwortlich ist. Die Polizei kündigte an, eher zurückhaltend über die weiteren Ermittlungen informieren zu wollen.

Michelles Eltern werden in einem Prozess als Nebenkläger auftreten, sagte Tust. Sie wollen allerdings nicht selbst in den Gerichtssaal kommen. Sie mieden den Medienrummel und suchten nicht die Konfrontation mit dem Mörder ihrer Tochter. Die Familie war kurz nach dem Verbrechen aus Leipzig weggezogen. Ihr neuer Wohnort soll geheimbleiben.

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