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"Big Eyes"

20.04.2015

"Big Eyes": Die Übermacht des Christoph Waltz

Walter Keane (Christoph Waltz) macht die großäugigen Porträts seiner Frau Margaret (Amy Adams) zu Verkaufsschlagern – unter seinem Namen.
Bild: Studio Canal

Christoph Waltz betrügt im Film von Regie-Star Tim Burton nicht nur seine Frau um deren Kunst – er reißt auch die ganze Erzählung des wahren Dramas mit satirischer Wucht an sich.

Margaret (Amy Adams) ist vor ihrem Ehemann aus der kalifornischen Provinz in die Großstadt San Francisco geflohen. Doch auch dort ist Anfang der Fünfzigerjahre das Leben für eine ausgebildete Malerin nicht leicht: „Findet Ihr Mann okay, dass Sie arbeiten?“, fragt der neue Chef, bevor Margaret Kindermöbel in Serie bemalen darf. Walter Keane (Christoph Waltz) jedoch, ein vorgeblicher Maler, der hauptsächlich an Immobilen verdient, ist begeistert von Margaret.

Der seltsame, anfangs nicht unsympathische Typ, schafft es sogar mit seinem begnadeten Marketing, Margarets Bilder zu verkaufen. Die heißt mittlerweile auch Keane. Allerdings vergisst Walter zu erwähnen, dass die Signatur von seiner Frau ist und schwingt sich selbst zum lächerlichen Abbild eines berühmten Künstlers auf. Die wirkliche Künstlerin schweigt dazu und malt heimlich weiterhin ihre Kinder mit sehr, sehr großen Augen. Denn Walters Karriere braucht ja Nachschub und auch – in einer der vielen atemberaubend absurden Szenen in Tim Burtons Film „Big Eyes“ – für die Biografie ein „Frühwerk“ aus seiner Berliner Zeit mit Skizzen hungernder Nachkriegskinder.

Während Walter die Kopie eines Künstlers mit großer Leidenschaft auf die Leinwand schmeißt, macht dieser Keane ein Vermögen mit den Reproduktionen „seiner“ Originale. Nicht zufällig taucht Warhol immer wieder im Film auf: Walter meint stolz, er hätte noch vor Andy die Idee gehabt, mit Kopien von Kunst Geld zu machen. Dass der Plagiator nur albern unzureichend erklären kann, was Seele und Antrieb hinter diesen Werken sind, diskutiert subtil das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit.

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„Big Eyes“: komische und satirische Momente

Regisseur Tim Burton, der in den 90er Jahren tatsächlich selbst Keane-Bilder gesammelt haben soll, macht aus dieser wahren Geschichte die letztendlich glückliche Emanzipationsgeschichte einer Frau, die wohl ohne den Betrüger an ihrer Seite in ihrer Zeit nicht aus einem Schattendasein herausgekommen wäre. Und die auch zu ihrem Ausbruch wieder die Leitung eines anderen Menschen brauchte.

Amy Adams ist auf eine stille, verstörte Weise das perfekte Opfer. Es genügt das Spiel ihrer Augen getreu ihrem malerischen Motto: Die Augen sind das Fenster zur Seele. Für die Rolle erhielt Amy Adams den Golden Globe als beste Hauptdarstellerin – allerdings in der Sparte Komödie. „Big Eyes“ hat tatsächlich komische und satirische Momente. Etwa, wenn Walter bei einem Künstlerempfang mit einer Gabel auf einen Kritiker (Terence Stamp) zugeht, der sich erdreistet, die Kulleraugen Kitsch zu nennen.

Etwas zu dick legt Christoph Waltz die Lachnummer eines tragischen und verzweifelt größenwahnsinnigen Nicht-Künstlers hin. Doch Tim Burton, der Regisseur mit einer Vorliebe für das Schräge („Edward mit den Scherenhänden“, „Ed Wood“), verzichtet in „Big Eyes“ auf seine üblich satirisch überzeichnete Handschrift. Die wahre Vorlage ist schon so unglaublich absurd, dass er seine Fantasie gar nicht groß anstrengen musste. So nett unterhaltsam „Big Eyes“ dank toller Haupt- und Nebendarsteller daherkommt, so ist der Film doch auch eine hintersinnige Farce über den Kunstbetrieb. Man darf sich diesen Film merken als Selbstporträt eines Künstlers im Zeitalter der Industrialisierung des Kreativen.

Wertung: 4 / 5

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