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Kritik zu Blade Runner

09.10.2017

"Blade Runner 2049" überzeugt mit Bildern von düsterer, atemberaubender Schönheit

Trostlos sieht die Welt des Jahres 2049 aus, in der K (Ryan Gosling) seinen Auftrag erfüllen soll.
Bild: Sony Pictures, dpa

„Blade Runner“ von Ridley Scott hat 1982 für das Genre Science-Fiction Maßstäbe gesetzt. Jetzt kommt eine Fortsetzung der düsteren Zukunftsvision mit Ryan Gosling ins Kino.

Gerade einmal zwei Kalenderjahre sind wir von dem Zeitpunkt der Zukunftsvision entfernt, die Ridley Scott in seinem Science-Fiction-Film „Blade Runner“ 1982 entworfen hat. Auch wenn sich glücklicherweise nur wenig von der düsteren Fantasie in unserer heutigen Welt bewahrheitet hat – auf der Leinwand hat Scotts frühes Neo-Noir-Meisterwerk nichts an Wirkung verloren.

"Blade Runner 2046": Ein würdiger Nachfolger

Wenn nun Denis Villeneuve mit „Blade Runner 2049“ in Scotts Fußstapfen tritt, sind die Erwartungshaltungen übergroß. Der frankokanadische Regisseur hat sich in den letzten sieben Jahren vom politisch engagierten Kunstkino kommend („Die Frau, die singt“) mit Genrewerken wie „Prisoners“, „Sicario“ und zuletzt mit dem brillanten Alien-Film „Arrival“ als Vertreter eines höchst anspruchsvollen Mainstreamkinos etabliert. Und so erweist sich sein „Blade Runner 2049“ als würdiges Nachfolgewerk, das der Vorlage mit Liebe und Respekt begegnet, aber inhaltlich wie künstlerisch auf eigenen Beinen steht. Die Zukunft des Jahres 2049 sieht hier noch um einiges düsterer aus: Gigantische Solarfelder erstrecken sich durch verwüstete Landschaften bis zum Horizont, San Diego wurde in eine riesige Müllkippe verwandelt und das dauerverregnete Los Angelas schützt sich mit hohen Mauern gegen die heranbrandenden Meeresfluten.

Ryan Gosling schickt Replikanten in den "Ruhestand"

Hier verrichtet K (Ryan Gosling) seinen Dienst beim LAPD. Genau wie seinerzeit Harrison Fords Deckard ist auch er ein Blade Runner, der menschenähnliche Replikanten einer frühen Serie gewaltsam in den „Ruhestand“ versetzt. Was bei Deckard im Ungewissen blieb und unter Fans zu Glaubenskriegen führte, ist im Falle von K sofort Gewissheit: Der versierte Jäger ist selbst ein Replikant. „Ihr neuen Modelle reißt euch um die Drecksarbeit, weil ihr noch nie ein Wunder gesehen habt“, sagt ein Replikant alter Schule vor dem Ableben zu dem polizeilichen Vollstrecker. Reste eines solchen Wunders finden sich in einer Kiste dreißig Meter unter der Erde: Das Skelett eines weiblichen Replikanten trägt deutliche Gebärspuren. Dass diese sich selbst fortpflanzen und nicht auf schöpferische Hochtechnologie der Menschen angewiesen sind, ist für die rigide Polizeichefin Joshi (Robin Wright) ein nicht akzeptabler Entwicklungsfortschritt: „Unsere Gesellschaft gründet darauf, dass es eine Mauer zwischen den Spezies gibt.“

Blade Runner "K" - Ein Held sucht sich selbst

K wird beauftragt, das Kind zu finden und zu eliminieren. Aber seine Ermittlungsarbeit führt ihn vor allem in die undefinierten Zonen der eigenen Identität, wo sich werksimplantierte Erinnerungen als mögliche Realität erweisen, die Gefühle für die synthetische Hologramm-Gefährtin Joi (Ana de Armas) eine unbekannte Intensität erreichen und die eigene Existenz zum Spielball der schöpferischen Machtfantasien eines High-Tech-Giganten (Jared Leto) wird. Wie jeder echte Held ist auch K auf der Suche nach sich selbst, forscht nach der Seele im eigenen Replikantendasein und der Enträtselung seiner Herkunft.

Wie Scotts Vorlage erzählt sich das Nachfolgewerk über eine Atmosphäre, die vieles nur andeutet und nicht alles in Dialogen erklären will. Meisterhaft bauen Villeneuve und sein Kameramann Roger Deakins Assoziationsräume in ihren futuristischen Settings auf. „Blade Runner 2049“ ist mit Abstand der bestaussehende Science-Fiction seit Jahren und erzeugt über zweieinhalb Stunden hinweg ohne Qualitätsverluste Bilder von düsterer, atemberaubender Schönheit, die eine nachhaltige, magische Wirkung entfalten.

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