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Das Leben in einem Augenblick

14.07.2010

Blinzeln rettet Koma-Patienten vor dem Tod

Blinzeln rettete in England einen Koma-Patienten. (Symbolbild)
Bild: dpa

Kurz bevor die Ärzte bei einem Komapatienten die Stecker der medizinischen Geräte ziehen wollten, blinzelte sie der todgeweihte Mann an.

Richard Rudd wurde nach einem Motorradunfall im Oktober vergangenen Jahres für gehirntot erklärt. Der Engländer lag wochenlang regungslos im Koma. Gerade als die Ärzte die Maschinen ausschalten wollten, rettete der Engländer in letzter Sekunde sein Leben - er blinzelte mit den Augen. Die Geschichte des Mannes bewegte am Mittwoch Millionen Zeitungsleser in ganz England.

Immer wieder hatte der 43-Jährige seinen Verwandten gesagt, dass er niemals an einer lebensverlängernden Maschine hängen wolle - egal, was passiert. Als er dann im Oktober vergangen Jahres nach einem Motorradunfall mit Gehirnschaden und im Koma im Krankenhaus lag, dachte seine Familie, sie wisse jetzt genau, was zu tun sei.

Drei Wochen aber überlegte der Vater, was er tun soll. Dann entschloss er sich, den Ärzten zu erlauben, die Behandlung seines Sohnes einzustellen. Als die Ärzte die Maschinen ausschalten wollten, veränderte ein einziger Augenblick alles: In letzter Minute sammelte Richard Rudd all seine Lebenskräfte und blinzelte die Ärzte an. Die ergriffen sofort die Chance und fragten Rudd, ob er weiterleben wolle.

Blinzeln rettet Koma-Patienten vor dem Tod

"Der Arzt fragte ihn dreimal, ob die Behandlung fortgesetzt werden soll", erinnert sich Rudds Vater. Entgegen seiner Ankündigung, nie so leben zu wollen, blinzelte Rudd dreimal mit "Ja". Er war sich absolut klar über seinen Zustand. Ja, er konnte sogar kommunizieren - per Augenzwinkern.

Jetzt, nur neun Monate später, kann er seinen Kopf leicht bewegen und selbst ein Lächeln huscht ab und an über sein Gesicht. Zwar wird Rudd sein Leben lang rund um die Uhr medizinische Betreuung brauchen und höchstwahrscheinlich nie mehr laufen und sprechen können. Eines aber gibt ihm Kraft: Dass er wieder mit seinen beiden Töchtern, den Freunden und Verwandten in Kontakt treten kann.

Das Glück der Rettung in letzter Sekunde beschäftigt den Vater Rudds. Gegenüber dem Telegraph sagte er: "Ich bin froh, dass er die Chance bekam, zu überleben. Die Entscheidung zu treffen, ob dein Kind leben oder sterben soll, ist fast unmöglich."

Rudds Vater hat seine Einstellung zu passiver Sterbehilfe jetzt geändert: "In der Kneipe oder auf der Arbeit sagt jeder: 'Wenn mir das mal passiert, schaltet die Maschinen ab.' Aber das ist die Theorie - was man wirklich will, weiß man erst, wenn man wirklich in der Situation ist." Der Lebenswille könne sich dann letztlich als wesentlich stärker erweisen.

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