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München-Hamburg

20.06.2016

Bombendrohung auf Air-Berlin-Flug: "Raus hier, alle raus hier"

Gegen einen einen Flug von Air Berlin hatte es eine Bombendrohung gegeben. 
Bild: Sophia Kembowski, dpa (Symbolbild)

Eine Bombendrohung schockt am Sonntagabend 170 Fluggäste auf dem Weg von München nach Hamburg. Ein junger Mann aus der Region berichtet, was sich an Bord der Air Berlin abspielte.

Es gibt Sätze, die man an Bord eines Flugzeugs als Passagier nicht unbedingt hören möchte. "Raus hier, alle raus hier" zählt definitiv dazu. Als Hermann Wohlleben diesen Satz am Sonntagabend hört, ist die Air-Berlin-Maschine, in der er sitzt, soeben in Hamburg gelandet. Der Airbus A320 war am späten Nachmittag mit etwas Verspätung in München gestartet. Während der Flieger mit seinen 170 Passagieren und acht Crewmitgliedern in der Luft ist, geht bei der Bundespolizei in München eine Bombendrohung ein.

Die Fluggäste erfahren davon zunächst nichts. Auch Hermann Wohlleben wundert sich nicht, dass die Maschine um 18.34 Uhr am Rollfeld stehen bleibt. Der 19-Jährige aus Erdweg im Kreis Dachau fliegt wegen seiner Ausbildung zum Anlagenmechaniker regelmäßig nach Hamburg. "Bei Verspätungen ist es nicht ungewöhnlich, dass die Maschine nicht gleich zum Flughafengebäude fährt."

Wenig später jedoch ändert sich das Szenario. Eine Rolltreppe dockt an der Maschine an; die Crew fordert die Passagiere auf, das Flugzeug schnellstmöglich zu verlassen. Draußen hat sich ein Großaufgebot der Bundespolizei formiert, in einiger Entfernung stehen Einsatzkräfte von Feuerwehr und Rettungsdienst bereit. "Da hat sich dann natürlich ein mulmiges Gefühl eingestellt", berichtet Wohlleben. Panik sei jedoch nicht aufgekommen.

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Mit Bussen und eskortiert von Beamten der Bundespolizei werden die Fluggäste zu einem abgesperrten Bereich des Flughafens gebracht. Dort folgen Kontrollen, Personalien werden aufgenommen. Gut zwei Stunden dauert das Prozedere, erzählt Wohlleben. Erst dann dürfen die Passagiere ihr Gepäck abholen und ihre Reise fortsetzen. Dass es eine Bombendrohung gegeben hat, erfahren sie nur auf Nachfrage bei den Sicherheitsbeamten. Eine Durchsage oder sonstige Aufklärung gibt es nicht. Trotzdem sei die Aktion gut organisiert gewesen, meint Wohlleben. "Alles ist ganz ruhig abgelaufen und die Polizisten waren sehr freundlich."

Air Berlin: Kein Fund nach Bombendrohung

Wer hinter der Bombendrohung steckt, ist am Montag weiter unklar. Die Air-Berlin-Maschine und die Passagiere werden gründlich kontrolliert, eine Bombe aber nicht gefunden. Nach Angaben der Fluggesellschaft überprüfen Bundespolizisten Handgepäck, Reisekoffer sowie die Fluggäste nach Sprengstoff. Spürhunde suchen das Flugzeug nach Sprengsätzen ab. "Wir haben die Hinweise sehr ernstgenommen", sagt die Sprecherin des Flugunternehmens, Theresa Krohn. Am Montagmorgen startet das Flugzeug von Hamburg aus zu einem regulären Flug nach Samos in Griechenland.

Bei den Sicherheitsbehörden laufen derweil die Ermittlungen. Die Bombendrohung, die bei der Dienststelle der Bundespolizei in München einging, war im Namen des "Islamischen Kalifats Europa" unterzeichnet. "Die Anschlagsdrohung wurde als ernsthaft eingestuft. Es kann davon ausgegangen werden, dass die Drohung glaubwürdig war", sagt ein Sprecher der Bundespolizeiinspektion am Hamburger Flughafen am Montagmorgen. Die weiteren Ermittlungen seien Sache der Landespolizei und des Staatsschutzes.

Hintergründe der Bombendrohung gegen Air-Berlin-Maschine noch unklar

Die Androhung einer Bombenexplosion kann nach Angaben der Hamburger Staatsanwaltschaft mit bis zu drei Jahren Gefängnis oder Geldstrafe geahndet werden. Dennoch gehen entsprechende Drohungen nach den Worten von Albert Poerschke, Sprecher der Bundespolizei am Flughafen München, "in schönster Regelmäßigkeit" ein. Vor allem nach Anschlägen wie im November vergangenen Jahres in Frankreich meldeten sich "Trittbrettfahrer".

Auch, dass Bombendrohungen mit "Islamischer Staat" oder irgendeinem anderen Begriff mit "islamisch" im Namen unterzeichnet werde, ist laut Bundespolizei nicht ungewöhnlich. Prinzipiell würden Androhungen dieser Art immer ernst genommen. Aufgabe der Bundespolizei sei es, präventiv tätig zu werden und die Menschen zu schützen. drs, dpa

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