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Gesundheitsvorsorge

22.07.2010

CDU will Dicke zur Kasse bitten - Empörung

Übergewichtige sollen nach den Vorstellungen der CDU stärker zur Kasse gebeten werden. Bild: dpa

Der Vorschlag aus der CDU, Übergewichtige stärker für das Gesundheitssystem zur Kasse zu bitten, löst Empörung aus. Dabei scheinen die Deutschen die Idee gut zu finden.

Für Empörung hat ein Vorschlag aus der CDU gesorgt, Übergewichtige stärker für das Gesundheitssystem zur Kasse zu bitten. "Das ist ein durchweg schwachsinniger Vorschlag", sagte der SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach dem "Kölner Stadt-Anzeiger" (Freitagsausgabe) zum Vorschlag des CDU-Nachwuchspolitikers Marco Wanderwitz. Auch die Grünen kritisierten die Idee, die auch aus der CDU zurückgewiesen wurde.

Wanderwitz ist Chef der Jungen Gruppe in der Unionsfraktion. Er sagte der "Bild"-Zeitung vom Donnerstag, es müsse "die Frage erlaubt sein, ob die immensen Kosten, die zum Beispiel durch übermäßigen Esskonsum entstehen, dauerhaft aus dem solidarischen System beglichen werden können." Er halte es für sinnvoll, dass bewusst ungesund lebende Menschen eine eigene Verantwortung auch in finanzieller Hinsicht tragen.

Lauterbach verwies darauf, dass viele Übergewichtige unter Stoffwechselstörungen litten. Union und FDP würden sich scheinbar jeden Tag Gedanken machen, "wie man aus der Tasche des Bürgers noch etwas herausbekommt". Die Bundesgeschäftsführerin der Grünen, Steffi Lemke, nannte es eine "bodenlose Dreistigkeit", wie die Union mit dem Finger auf Übergewichtige zeige.

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Der CDU-Gesundheitspolitiker Jens Spahn erklärte, eine Stärkung der Eigenverantwortung der Versicherten sei erklärtes Ziel der Koalition. "Aber eine Gesundheitspolizei, die kontrolliert, wer was isst, um ihn dann zu bestrafen, wird es mit uns nicht geben."

Nach einer unveröffentlichten Studie der Jacobs-University Bremen unterstützt die Mehrheit der Deutschen höhere Beiträge bei ungesunder Lebensweise, wie die "Bild"-Zeitung weiter berichtete. "Die Mehrheit der Versicherten befürwortet höhere Zuzahlungen bei ungesunden Verhaltensweisen", sagte die Initiatorin der Studie, Adele Diederich.

Der Gesundheitsökonom Jürgen Wasem forderte eine Diskussion über die Belastungen des Gesundheitssystems durch Übergewichtige. "Man sollte, wie bei Tabakwaren, den Kauf gesundheitsschädlicher Konsumgüter höher besteuern und teilweise ins Gesundheitssystem führen", sagte er der Zeitung. "Das betrifft Alkohol, Schokolade oder Risikosportgeräte wie Drachenflieger."

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