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Atommüll

16.10.2020

Castor-Transport nach Biblis steht bevor

Atomgetriebene Mikrobatterien eignen sich dort, wo winzige Energiequellen über lange Zeit wartungsfrei funktionieren müssen.
Bild: Jens Büttner, dpa

In den kommenden Wochen ist ein Atommüll-Transport nach Hessen geplant. Wegen Corona war er im Frühjahr abgesagt worden. Polizisten fordern dies nun erneut.

Im Frühjahr wurde er abgesagt, nun soll er rollen: Deutsche Sicherheitsbehörden bereiten sich auf einen Castortransport vom britischen Sellafield ins südhessische Biblis vor. Das bestätigten die Innenministerien von Niedersachsen und Hessen. Über den genauen Zeitpunkt und die Größe des Polizeiaufgebots wird geschwiegen. Atomkraftgegner und Umweltschützer gehen davon aus, dass die sechs Castoren mit hochradioaktivem Müll Anfang November über den niedersächsischen Hafen Nordenham ins Land kommen.

Mit den sechs erwarteten stehen im Zwischenlager Biblis nach Angaben der zuständigen BGZ Gesellschaft für Zwischenlagerung dann 108 Behälter. Aktivisten haben bereits zu Protesten aufgerufen und bemängeln für den Notfall fehlende Reparaturmöglichkeiten für die Castoren im Zwischenlager. Im Frühjahr war der Transport der rund 100 Tonnen schweren Behälter wegen der Corona-Krise abgesagt worden. Das Bundesinnenministerium hielt den notwendigen Polizeieinsatz nicht für verantwortbar.

Polizeigewerkschaft fordert Absage des Castor-Transports nach Biblis

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) fordert indes, den nun geplanten Transport deshalb erneut abzusagen. "Wenn nun von der Polizei erwartet wird, dass sie die Corona-Auflagen und den Gesundheitsschutz stärker durchsetzen soll, dann ist es aus unserer Sicht nicht vereinbar, dass Anfang November ein Nukleartransport von der Polizei quer durch Deutschland begleitet werden soll", sagte GdP-Vize Jörg Radek. "Dafür gibt es keinen zwingenden Grund." Polizeikräfte, die dann zur Sicherung des Castortransportes im Einsatz wären, könne man nicht zeitgleich für den Infektionsschutz abstellen, sagte der GdP-Vize. 

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Neben den Ordnungsämtern hilft auch die Polizei bei der Durchsetzung der Corona-Regeln. Bund und Länder wollen nach ihrem Beschluss vom Mittwoch zudem die Bundespolizei beim Gesundheitsschutz einsetzen. 

Tausende Demonstranten und Polizisten bei Castor-Transport

Bei vergangenen Castortransporten waren Tausende Polizisten aus dem gesamten Bundesgebiet im Einsatz. Radek erwartet, das dies auch beim nächsten Transport wieder der Fall wäre. Er forderte eine Absage und betonte, der Gesundheitsschutz müsse Priorität haben - schließlich seien auch Polizistinnen und Polizisten von Ansteckung bedroht. 

Wann genau die Castoren nach Südhessen gebracht werden sollen, ist nicht bekannt. Die beauftragte Gesellschaft für Nuklear-Service (GNS) hatte Ende September mitgeteilt, die Vorbereitungen für den Transport aus Großbritannien seien wiederaufgenommen worden. Die Transportgenehmigung für die Castoren gilt nach Angaben einer Sprecherin des Bundesamtes für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung (BASE) bis 31. Dezember 2020. Das Amt ist dem Bundesumweltministerium unterstellt, das die Federführung hat. (dpa)

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