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Pandemie

27.09.2020

Corona-Vorzeigeland: Oh, wie schön ist Uruguay

Palmen, Sonne und kaum Coronafälle, eine Kombination, die zuletzt 77000 Einwanderer anlockte. Nicht einmal 2000 Infektionen registrierte das Land bisher. Mundschutz tragen die Menschen dort trotzdem.
Bild: S. Mazzarovich, dpa

Plus Politisch ruhig, wirtschaftlich stabil – und noch dazu fast unbehelligt von Corona: Das kleine Land wird zum Sehnsuchtsort in Südamerika und lockt Zehntausende Fachkräfte an.

Wer verstehen will, warum das kleine Land Uruguay in den vergangenen Monaten so etwas wie der Garten Eden von Südamerika geworden ist, der muss sich erst die Situation in dessen riesigen Nachbarländern Argentinien und Brasilien vor Augen führen:

Denn die Schreckensnachrichten aus Argentinien reißen nicht ab. Innerhalb der letzten sieben Tage gab es rund 80.000 Neuinfektionen und etwa 2500 Covid-19-Tote. Das sind umgerechnet auf die Bevölkerungsgröße Zahlen wie zu den schlimmsten Zeiten in Brasilien und den USA. Damit nicht genug: Ein wochenlanger Lockdown hat der argentinischen Wirtschaft schwer zugesetzt, aber die Pandemie offenbar nur aufgeschoben, wie sich an der jüngsten dramatischen Entwicklung zeigt. Jetzt ist Argentinien doppelt getroffen: Mit einer Arbeitslosenquote von 13,1 Prozent rutschte das Land auf das Niveau der Wirtschaftskrise im Jahr 2005 ab. Das Bruttoinlandsprodukt sackte im zweiten Quartal um katastrophale 19,1 Prozent ab. Argentinien steht vor einer sozialen Apokalypse.

In den Nachbarländern steigen die Infektionszahlen

In Brasilien wurde in dieser Woche die Zahl von 140.000 Covid-19-Toten überschritten. Zwar klingen die Infektionen langsam ab, in der Amazonas-Metropole Manaus haben Wissenschaftler gar Hinweise auf eine mögliche Herdenimmunität gefunden, doch über den Berg ist das Land noch lange nicht, auch wenn der rechtspopulistische Präsident Jair Bolsonaro das gerne möchte.

Zwischen den beiden lateinamerikanischen Ländern gibt es allerdings ein Land, das mit einer besonnenen Strategie ganz andere Zahlen produziert: Uruguay. Nicht einmal 2000 Infektionen registrierte das Land am Rio de la Plata seit Ausbruch der Pandemie, gerade einmal 47 Tote stehen bislang zu Buche. Das liegt daran, dass Uruguay mit seinen 3,5 Millionen Einwohner vergleichsweise dünn besiedelt ist und dass die Regierung von Präsident Luis Lacalle Pou sich von ihren populistischen Amtskollegen aus Brasilia und Buenos Aires mit einem durch und durch seriösen Kurs abhebt. „Uruguay gilt als ein Ort der Stabilität“, sagt Sebastian Grundberger, Leiter der Konrad-Adenauer-Stiftung in der uruguayischen Hauptstadt Montevideo, im Gespräch mit unserer Redaktion. Die Gesellschaft sei längst nicht so polarisiert, die Wirtschaft stabil.

Uruguay wirbt in Zeiten von Corona um Fachkräfte

Seit Beginn der Pandemie sind deswegen bereits 77.000 Migranten nach Uruguay gekommen – die meisten aus Argentinien und Brasilien. Noch kein Massenexodus, aber für eine kleine Bevölkerung ein bemerkenswerter Zuwachs von 2,2 Prozent innerhalb von sechs Monaten. Uruguay wirbt zudem um Fachkräfte aus den Nachbarländern, deswegen kommt bislang eher die argentinische und brasilianische Mittelschicht ins Land, die genervt von der politischen Polarisierung, den wirtschaftlichen Kapriolen und der Kriminalität vor allem eines sucht: Stabilität. Die kann Uruguay bieten.

Dort heißt man die neuen Mitbürger herzlich willkommen. Der Präsident des uruguayischen Immobilienverbandes, Wilder Ananikian, sagte der Tageszeitung La Nacion, das zweite Halbjahr 2020 könnte das Beste der letzten drei Jahre werden.

Offenbar flieht nicht nur die Mittelschicht in Richtung Uruguay, sondern auch ein gehöriges Stück Kapital. Laut Uruguays Präsident Lacalle Pou sind die angekommenen Argentinier glücklich: „Es sind tausende Argentinier in der letzten Zeit gekommen. Ich habe mit vielen gesprochen und sie sind zufrieden.“ Natürlich gäbe es nicht solch ein Trubel und Tempo wie in Buenos Aires, sagte Lacalle Pou. Aber dafür gebe es eben andere große Vorteile.

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