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Coronavirus

29.01.2020

Coronavirus breitet sich aus: Was wurde aus EHEC, Schweinegrippe und Co.?

Ist der Coronavirus die neue Schweinegrippe? Die Pandemie breitete sich 2009 weltweit aus. Auch das Coronavirus hat inzwischen Deutschland erreicht.
Bild: Christophe Gateau, dpa (Symbol)

Plus Zuerst kam das Coronavirus nur in China vor, inzwischen verbreitet es sich weltweit. Das gab es doch alles schon mal: Was wurde aus SARS und der Schweinegrippe?

Das Coronavirus hat Deutschland erreicht. In China sind bereits mehrere Tausend Fälle bekannt, mehr als 100 Menschen sind an den Folgen gestorben. Eine neue Krankheit, täglich neue Entwicklungen - und doch ist das alles gar nicht so neu. Schließlich tauchen regelmäßig neue Krankheitsformen auf, die sich schnell verbreiten. Man spricht von Epidemien, wenn Fälle örtlich begrenzt bleiben, und Pandemien, wenn diese weltweit auftreten. Was aus einigen Pandemien und Epidemien des 21. Jahrhunderts wurde - ein Überblick.

Verwandt mit dem neuen Coronavirus: SARS

Die SARS-Pandemie wird häufig mit dem aktuellen Fall des Coronavirus verglichen. Auch das "Schweres akutes respiratorisches Syndrom" wird durch ein Virus aus der Familie der Coronaviren ausgelöst. Erste Fälle gab es laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) im November 2002 in der südchinesischen Provinz Guangdong. Im Februar 2003 brachte ein infizierter Arzt den Erreger in ein Hongkonger Hotel. Von dort breitete sich das Virus wohl weltweit aus. Insgesamt steckten sich mehr als 8400 Menschen an. Laut WHO starben durch die SARS-Pandemie zwischen 1. November 2002 und 31. Juli 2003 774 Menschen. Die meisten davon in China (349) und Hongkong (299). In Deutschland gab es in diesem Zeitraum neun Infektionen, keine verlief tödlich.

Weil die Schweinegrippe in Deutschland deutlich milder als erwartet verlief, wurde Impfstoff für viele Millionen Euro vernichtet, als das Haltbarkeitsdatum ablief.
Bild: dpa

H1N1, bekannt als "Schweinegrippe"

Wegen einer Grippewelle mit kuriosem Namen wurden 2009 in Deutschland sogar Schulen geschlossen. Das sogenannte Schweinegrippen-Virus heißt eigentlich H1N1 und wurde in dieser Form nie bei einem Schwein nachgewiesen. Im April 2009 rief die WHO alle Länder auf, Pandemie-Pläne zu entwickeln, nachdem sich das Influenza-Virus schnell in Mexiko verbreitete. Die WHO schreibt, dass das Virus in 214 Ländern auftrat. Ab Oktober 2009 stand ein Impfstoff bereit. Zuerst war die Nachfrage in Deutschland groß - dann stellte sich heraus, dass die Grippe deutlich milder verlief als befürchtet.

2011 entsorgte der Bund dann mehrere Millionen Schweinegrippe-Impfdosen, weil das Haltbarkeitsdatum abgelaufen war. Trotzdem war H1N1 2009 und 2010 verantwortlich für weltweit mehr als 18.000 Todesfälle. H1N1 ist ein Influenza-Virus - auch an der gewöhnlichen Grippe sterben jedes Jahr Menschen. Wie das Robert-Koch-Institut (RKI) erklärt, unterschied sich die Schweinegrippe-Pandemie aber von der jährlichen Grippewelle. Erst einmal, weil es sich um ein neues Virus handelte - die Folgen waren nicht absehbar. Außerdem starben an dem Virus, anders als an der gewöhnlichen Grippe, viele Menschen, die vor der Infektion kerngesund waren: Bei etwa einem Fünftel waren keine Vorerkrankungen bekannt. Am 10. August 2010 hat die WHO die Pandemie für beendet erklärt. Das Virus tritt immer noch auf, verbreitet sich aber nicht mehr so stark.

Influenza: Die jährliche Grippewelle

Fieber, Husten, Schnupfen - so unangenehm die Symptome der Grippe sind, an die Meldungen zur Grippewelle hat man sich gewöhnt. Schließlich tritt sie zuverlässig jedes Jahr auf, meist im Januar und Februar - es ist also auch dieses Jahr wieder so weit. Die Grippewelle dauert laut Robert-Koch-Institut normalerweise etwa acht bis zehn Wochen. In dieser Zeit infizieren sich dann etwa fünf bis zehn Prozent der Deutschen mit Influenza. Allerdings schwankt die Stärke der Grippewelle massiv. Das zeigt auch, dass die Grippe nicht unterschätzt werden sollte: Laut RKI starben in Deutschland durch die besonders extreme Grippewelle 2017/18 rund 25.000 Menschen.

Gefährlich ist die Influenza vor allem für ältere Menschen. Das RKI empfiehlt Menschen ab 60 Jahren sowie Schwangeren und Menschen mit chronischen Krankheiten deshalb eine Grippeimpfung.

Eine Epidemie in Deutschland: EHEC

Waren die Gurken schuld oder nicht? Im Mai 2011 erkrankten mindestens 3800 Menschen in Deutschland an einem Darmkeim, die meisten in Norddeutschland. Bei einem Teil trat das hämolytisch-urämischen Syndroms (HUS) auf, andere litten unter blutigem Durchfall. Ausgelöst wurde die Krankheitswelle durch die EHEC-Bakterien. Normalerweise erkranken daran vor allem Kleinkinder, 2011 waren es aber größtenteils Erwachsene. 53 Menschen starben an den Folgen. Laut RKI erreichte die Epidemie am 22. Mai 2011 ihren Höhepunkt. Eine erste Untersuchung hatte ergeben, dass die Erkrankten überdurchschnittlich oft Salat sowie rohe Gurken und Tomaten gegessen hatten - die Behörden warnten deshalb vor dem Verzehr. Später nahmen RKI und Bundesinstitut für Risikobewertung diese Warnung zurück.

Ende Juni 2011 stellten die Behörden einen Bericht vor: Wahrscheinlich waren aus Ägypten importierte Samen von Bockshornklee der Auslöser. Am 26. Juli 2011 erklärte das RKI die Epidemie für beendet. Auch in anderen Ländern kam es zu Erkrankungen, aber nicht in der gleichen Größenordnung. In Frankreich gab es im Juni 2011 einen separaten Ausbruch, der wohl auch auf die Samen aus Ägypten zurückzuführen ist.

Im Kongo wurden den Behörden zufolge inzwischen knapp 200.000 Menschen gegen Ebola geimpft.
Bild: Frederick Murphy, CDC, AP, dpa

Eine wiederkehrende Epidemie: Ebola

Das sogenannte Zaire-Ebolavirus wurde 1976 zum ersten Mal nachgewiesen, seitdem gab es immer wieder Ausbrüche. Die bisher schlimmste Epidemie ereignete sich zwischen 2014 und 2016 in Westafrika. An der Krankheitswelle starben mehr als 11.000 Menschen. Fast 30.000 Menschen hatten sich infiziert - die WHO vermutet, dass die Dunkelziffer noch deutlich höher sein könnte. Die ersten Fälle traten in Guinea auf, von dort aus breitete sich die Krankheit nach Liberia und Sierra Leone aus. Die WHO erklärte die Krise zu einer "Gesundheitliche Notlage mit internationaler Tragweite". Eine UN-Mission leistete Notfallhilfe in den betroffenen Ländern - es war das erste Mal, dass so eine Mission wegen einer Krankheit beschlossen wurde.

2014 gab es auch im Kongo Ebola-Fälle, dort starben 49 der 69 Infizierten. Es gab laut WHO aber keinen Zusammenhang mit dem Ausbruch in Westafrika. Einzelne Fälle traten auch außerhalb Afrikas auf.

Seit 2018 gibt es einen weiteren Ebola-Ausbruch im Kongo und im angrenzenden Uganda. Dort sind seitdem mehr als 3400 Menschen an dem Virus erkrankt, mehr als 2200 starben. Es ist bereits der zweitschlimmste Ebola-Ausbruch der Geschichte. Die WHO hat auch dieses Mal die gesundheitliche Notlage ausgerufen.

Das Zika-Virus wird durch Mücken übertragen.
Bild: Patrick Pleul, dpa (Symbol)

Olympische Spiele trotz gesundheitlicher Notlage: Zika-Virus

Viele Menschen, die sich mit dem Zika-Virus infizieren, merken es überhaupt nicht. Trotzdem ist die Krankheit gefährlich, insbesondere für Schwangere und deren ungeborene Kinder. Vor allem im Norden Brasiliens stieg 2015 mit der Zahl der Zika-Infizierten auch die Zahl der Fälle von Mikrozephalie bei Neugeborenen. Etwa 3000 Kinder kamen mit der Hirn-Fehlbildung und einer geistigen Behinderung auf die Welt. Das hing offenbar mit einer Zika-Infektion der Mutter zusammen. Als sich das Virus 2015 und 2016 in Lateinamerika stark ausbreitete, rief die WHO deshalb die "Gesundheitliche Notlage mit internationaler Tragweite" aus und unterstützte Forschungen zum Zusammenhang zwischen Zika-Virus und Mikrozephalie. Experten befürchteten, dass aus der Epidemie eine Pandemie werden könnte - vor allem wenn zu den Olympischen Spielen 2016 Millionen Touristen nach Rio de Janeiro kommen würden.

Die Olympischen Spiele fanden letztendlich aber wie geplant statt. Im November 2018 erklärte die WHO die "Gesundheitliche Notlage" für beendet.

Kann durch eine Impfung verhindert werden: Masern

Masern kommen weltweit vor, immer wieder gibt es Epidemien. Seit 2019 häufen sich die Fälle im Kongo, die WHO spricht vom derzeit schlimmsten Ausbruch weltweit. Schon mehr als 6000 Todesfälle seien die Folge. Etwa jeder 50. Patient stirbt an der Krankheit. Masern kann durch eine Impfung verhindert werden.

Das HI-Virus befällt und zerstört bestimmte Zellen der Immunabwehr und macht Infizierte anfällig für Krankheiten.
Bild: Hans Gelderblom, Robert Koch Institut, dpa
 

HIV/Aids: Pandemie ohne Heilung, seit knapp 40 Jahren

Auch HIV und die durch eine HIV-Infektion ausgelöste Krankheit Aids sind eine Pandemie. Seit den 80er Jahren infizieren sich weltweit Menschen. 2018 lebten laut dem "Gemeinsamen Programm der Vereinten Nationen für HIV/Aids" weltweit rund 38 Millionen Menschen mit HIV. Es gab im gleichen Jahr etwa 1,7 Millionen Neuinfektionen und rund 770.000 Todesfälle.

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