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Zeitschrift

04.01.2017

"Das Sturmgeschütz der Demokratie": Der Spiegel wird 70

Die aktuelle Ausgabe des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel", das sein 70. Jubiläum feiert.
Foto: Marcus Brandt / dpa

Seit 70 Jahren gehört "Der Spiegel" zur deutschen Presselandschaft. Zum Jubiläum verlangt der Chefredakteur, in politisch bewegten Zeiten nicht nur Pressefreiheit zu verteidigen.

Das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" feiert am 4. Januar seinen 70. Geburtstag. Vor sieben Jahrzehnten brachte der damalige Chefredakteur Rudolf Augstein (1923-2002) die erste Ausgabe des politischen Magazins heraus, das sich zu einem Leitmedium in der deutschen Presselandschaft entwickelte. Der amtierende Chefredakteur Klaus Brinkbäumer (49) forderte angesichts von Terrorismus und Rechtspopulismus die deutschen Medien auf, sich für Pressefreiheit und Demokratie einzusetzen. "Medien können und müssen nach wie vor recherchieren, was stimmt, und sagen, was ist", forderte Brinkbäumer im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. 

Anlässlich des Jubiläums hat der Hamburger Senat am 6. Januar zu einem Empfang ins Rathaus eingeladen. Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) ist als Festrednerin vorgesehen. Auch Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) und Brinkbäumer werden zu den geladenen Gästen sprechen. 

Spiegel druckt zwei Jubiläumsausgaben

In Anlehnung an das Image des Nachrichtenmagazins, das unter Augsteins Ägide als "Sturmgeschütz des Demokratie" galt, sagte Brinkbäumer: "Das Wort "Sturmgeschütz" ist mir zu militaristisch. Damit ist aber gemeint, Verteidiger der Demokratie zu sein." Dies müssten Journalisten in Zeiten wie diesen, in denen Demokratie derart ernsthaft in Frage gestellt werde, noch viel mehr sein. "Lügner müssen Lügner genannt werden, und Rassisten sind als das zu beschreiben, was sie sind", ergänzte Brinkbäumer. 

Der Chefredakteur des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel", Klaus Brinkbäumer
Foto: Georg Wendt

Mit zwei Jubiläumsausgaben will das Nachrichtenmagazin zum Jahreswechsel auf sieben Jahrzehnte Verlagsgeschichte zurückblicken. Das Nachrichtenportal "Spiegel Online" startet am 4. Januar 2017 eine Sonderseite. Das wichtigste Ereignis für das Blatt selbst war die "Spiegel"-Affäre 1962. In der Fehde zwischen Augstein und Verteidigungsminister Franz Josef Strauß (CSU) über einen kritischen Artikel zur Nato-Übung "Fallex 62" durchsuchten Kriminalbeamte die Redaktionsräume des Magazins in Hamburg, und Augstein kam vorübergehend in Untersuchungshaft. Letztlich war eine Regierungskrise die Folge. 

Mitarbeiter des Spiegel am Verlag beteiligt

1974 beteiligte Augstein seine Mitarbeiter mehrheitlich (50,5 Prozent) am Verlag, was ihnen Gewinnausschüttungen einbringt - ein in der deutschen Medienbranche einmaliges Modell. "Die Loyalität hier ist sehr hoch, weil das Unternehmen mehrheitlich uns gehört. Alle spüren hier Verantwortung und - etwas pathetisch gesagt - auch ein Erbe. Wir dürfen es nicht vermasseln", sagte Brinkbäumer der dpa. 

Durch den Strukturwandel in der Medienbranche hat auch das Nachrichtenmagazin über Jahre an Auflage eingebüßt und verkaufte zuletzt 789 062 Exemplare (3. Quartal, IVW-geprüft). Das Heft erreicht zusammen mit "Spiegel Online" wöchentlich mehr als 13 Millionen Menschen: auf Papier, im Internet und mobil, wie der Verlag mitteilte. "Wir investieren in zahlreiche neue Produkte und sind als multimediales Haus hervorragend aufgestellt", berichtete "Spiegel"-Geschäftsführer Thomas Hass.

Die Mediengruppe, zu der auch Spiegel TV, das "Manager Magazin" und "Harvard Business Manager" gehören, setzte 2015 rund 285 Millionen Euro um. Sie beschäftigte in dem Jahr noch 1129 Mitarbeiter. Durch ein Sparprogramm, das auch einen Stellenabbau umfasst, sollen von 2018 an dauerhaft 15 Millionen Euro gespart werden. dpa

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