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Debatte

28.08.2019

Der DOSB hält E-Sport nicht für echten Sport - zu Unrecht?

Weltmeisterschaften wie "The International 2019" vergeben höhere Preisgelder als Wimbledon.
Bild: Valve (dpa)

Der DOSB hat in einem Gutachten festgelegt, dass E-Sport kein Sport ist. Die Begründung des Verbands ist jedoch schwammig - und wirft Fragen auf.

Wenn man von den Preisgeldern und Zuschauermengen ausgeht, dann kann E-Sport sich mit anerkannten Sportarten wie Tennis oder Motorsport messen. Die Preisgelder gehen in den Millionenbereich. Dieses Jahr gab es bei den Weltmeisterschafen "The Internationals" einen Rekord beim Preispool. Mehr als 34 Millionen Dollar wurden an die Teams verteilt. Allein 15,6 Millionen gingen an das fünfköpfige Team "OG". Damit hat jeder einzelne ein höheres Preisgeld als Gewinner bei Wimbledon bekommen. Bei der "League of legends" Weltmeisterschaft 2018 schauten sich weltweit 205 Millionen Menschen das Finale online an.

Allerdings hat der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) jetzt in einem Gutachten klargestellt, dass E-Sport im Sinne des geltenen Rechts nicht als Sport eingestuft werden kann. Die Begründung: zu geringe körperliche Auslastung. Aber muss man sich dann nicht auch fragen: Wieso wurden Schach, Billiard, Dart und Minigolf vom DOSB anerkannt? Die Sportarten werden als Präzisions- und Denksport bezeichnet, um umfangreiche körperliche Höchstleistungen geht es nicht.

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Das Gutachten stößt beim eSport-Bund Deutschland auf Unverständnis

Die Absage bedeutet für den E-Sport-Bund Deutschland (ESBD) auch, dass die Branche durch Gelder und steuerliche Vorteile nicht gefördert wird. Für ESBD-Präsident Hans Jagnow ist das Urteil nicht schlüssig: "Viele vom DOSB anerkannte Sportarten, wie Sportschießen, Tischfußball oder Darts definieren sich über die Präzision der Bewegung, nicht den Umfang"

Dieser Einwand ist durchaus angebracht, denn die Begründung des DOSB wirkt wie eine Ausrede, die verhindern soll, dass ein modernes Wettkampf-Format in die Gruppe der anerkannten Sportarten aufgenommen wird. Vielleicht hat es auch etwas mit Prestige zu tun, das der DOSB wahren möchte, allerdings sollte man sich Gedanken darüber machen, ob eine Aufnahme des E-Sports wirklich so schädlich wäre. E-Sport definiert sich wie Schach durch den geistigen Sport-Aspekt. Reaktion und Präzision sind Qualitäten, die E-Sportler im gehobenen Wettkampf besitzen müssen.

Virtueller Sport, wie in dem Spiel "FIFA", würde sich von E-Sport unterscheiden

In einer Ausführung über DOSB und E-Sport unterscheidet der DOSB zwischen virtuellem Sport und E-Sport. Wobei er in der Kategorie: "Virtueller Sport" durchaus Potenzial sieht. Als Virtueller Sport zählen für den DOSB die Spiele, die echte Sportarten simulieren, wie die "FIFA"-Reihe. Das "League of Legends", "Dota 2", "Counter Strike" nicht mit Sport-Spielen wie "FIFA" unter einen Hut zu bringen ist, macht der DOSB daran fest, dass die Spiele zu unterschiedlich seien.

Dabei sollten doch eine allgemeine Anforderungen für alle Spiele im Feld des E-Sports zählen - dass man den Sport auf einer elektronischen Ebene betreibt. Ob auf dem Computer, Nintendo Switch, PlayStation oder X-Box. E-Sport wird nicht durch einzelne Spiele definiert sondern fasst sich durch seine Vielfallt als Wettkampf zusammen. Ähnlich wie die Olympischen Spiele.

Laut DOSB birgt e-Sport viele Risiken, dabei gibt es die im Sport doch immer

Ein Risiko, so wird es in der Ausführung des DOSB formuliert, sei die potentielle Suchtgefahr von Videospielen. Ethische Werte würden sich nicht mit denen des DOSB-Leitbilds überschneiden und E-Sport wäre zu kommerziell orientiert, anstatt an der Tätigkeit an sich.

Aber liegt nicht grundsätzlich im Sport ein Risiko, süchtig zu werden? Es gibt viele junge Leute, die sich übermäßig sportlich betätigen, um ihre Leistung zu steigern und im Anschluss sogar leistungssteigernde Mittel nehmen um besser zu werden.

Das Argument, E-Sport würde durch seine wirtschaftlichen Aspekte das Gemeinwohl des Vereinssports bedrohen, kann anhand einer Sportart wie Fußball verglichen werden. Denn ein Fußballverein in der 1. Bundesliga hat weniger etwas mit einem Verein, als mit einem Unternehmen zu tun. Diese Vereine sind vor allem von den Führungspositionen her wirtschaftlich orientiert.

Warum Schach ein anerkannter Sport ist

Auf Twitter  antwortet der DOSB einem Kommentar, der Schach als Beispiel für geringe körperliche Leistung nennt, damit, dass der Schachbund im DOSB Bestandsschutz genießt, aber nach heutigen Kriterien auch nicht mehr aufgenommen werden würde. Zu anderen Sportarten äußerte er sich noch nicht.

 

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