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Porträt

12.04.2017

Der Osterhase meistert jeden Wandel

Auch in diesem Jahr darf der Osterhase an Ostern nicht fehlen.
Bild: Patrick Pleul/dpa (Symbolbild)

Der Osterhase ist ein Fels in der Brandung. Schon seit Jahrhunderten zeigt er uns, wie man erfolgreich mit der Zeit geht. Ein Porträt.

Flexibilität in der Arbeitswelt gilt ja gemeinhin als ein Kennzeichen heutigen Lebens. Doch stimmt diese These wirklich? Darüber sollte zumindest nachgedacht werden. Schließlich macht uns ein nunmehr stolze 335 Jahre alter Zeitgenosse jedes Jahr zu dieser Zeit aufs Neue vor, dass es diese vermeintlich hochmoderne Tugend offenkundig schon lange gibt. Der Osterhase (lat. Lepus paschalis, eine extremst seltene Unterart der Leporidae, also der Hasenartigen) hat sich jedenfalls in seinem Arbeitsgebiet als ungemein anpassungsfähig erwiesen.

Geboren im Jahr 1682 in Oberdeutschland, Pfalz, Elsass und Westfalen, ist der scheue Hase noch im gleichen Jahr von Medizinprofessor Georg Franck von Franckenau in der Abhandlung „De ovis paschalis – von Oster-Eyern“ beschrieben worden. Ältere, eher im Theologischen zu verortende Schilderungen über die Hasensymbolik wollen wir an dieser Stelle einmal beiseiteschieben. Ohne große Schonfrist jedenfalls hat der flinke Vierbeiner dann begonnen, sein Kerngeschäft zu betreiben: das Ausliefern von hart gekochten und sodann verzierten Hühnereiern in den Gärten deutscher Länder, wo die Eier zur Belustigung der Erwachsenen von Kindern gesucht werden.

Was haben Frühling und Ei miteinander zu tun?

Was haben nun Frühling und Ei und der nicht eierlegende Hase eigentlich miteinander zu tun? Das Ei gilt als Zeichen für Fruchtbarkeit. Diese wiederum passt gut zum Frühling. Und der Hase gilt als fruchtbares Tier, dem eine schon fast unzüchtig anmutende geschlechtliche Aktivität unterstellt wird. Wobei man aber zumindest Lepus paschalis unrecht tut. Denn er vermehrt sich ja gar nicht. Schließlich ist er ein Solitär, es gibt nur einen Osterhasen. Zumal bis heute übrigens nicht wirklich geklärt ist, ob es sich bei ihm um ein Männchen oder Weibchen handelt.

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Jedenfalls wurde das Eierausliefern zudem noch zeitlich in den Kontext der Auferstehung gestellt. Schließlich war 1682 die Wirkungsmacht der christlichen Lehre noch reichlich unbeschädigt. Doch schon 1789 war die Französische Revolution in vollem Gange, die althergebrachten religiösen Vorstellungen kritisch gegenüberstand. Der Osterhase hatte da immerhin schon gut 100 Jahre auf dem Buckel. Aber er passte sich dem Zeitgeist an – und lieferte trotzdem weiter aus. 1882 war Lepus paschalis dann schon international im Einsatz. Deutsche Auswanderer hatten seinen Namen nämlich in die Neue Welt hinausgetragen. Dort firmiert er als „Easter Bunny“. Zeigte sich also wieder flexibel – akzeptierte, dass er dort eben ein Oster-Kaninchen ist.

Osterhase wird auch an Ostern 2082 noch durch den Garten hoppeln

Mittlerweile ist er 335 Jahre alt. Und verfolgt neben der Eier- noch sehr erfolgreich eine Schokoladenstrategie. Zu seinen Kunden zählen nach wie vor Christen – aber auch Anhänger des stark grassierenden Atheismus. Wie wird Lepus paschalis also im Jahr 2082 dastehen? Wir sind uns sicher: Er wird zu Ostern immer noch von Garten zu Garten hoppeln.

Lesen Sie auch: Wo ein Drogenfahnder das Osternest verstecken würde

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