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Tiktok

20.11.2019

Die "Tagesschau" auf Tiktok: Jan Hofer zwischen tanzenden Teens

Die Tagesschau betreibt nun einen eigenen Kanal auf Tiktok.
Bild: Jens Kalaene, dpa

Bei Jugendlichen ist Facebook inzwischen nicht mehr angesagt. Um eine junge Zielgruppe zu erreichen, mischt die Tagesschau deshalb jetzt auf Tiktok mit.

Bei Jugendlichen ist Facebook inzwischen out. Sie sind längst auf anderen, neuen Plattformen unterwegs. Um eine junge Zielgruppe zu erreichen, hat die altehrwürdige "Tagesschau" deshalb am Mittwoch einen Kanal auf Tiktok gestartet.

Die App ist eigentlich nicht für nachrichtliche Inhalte bekannt. Das Unternehmen sieht sich als "Content Network", im Gegensatz zu den sozialen Netzwerken Facebook und Instagram. Demnach sollen bei Tiktok die Inhalte im Mittelpunkt stehen. Und die handeln nicht von Grundrente und Koalitionsverhandlungen, sondern sollen unterhalten. Nutzer filmen sich, wie sie zu Liedern tanzen oder ihre Lippen zu Songtexten bewegen. Oft werden auch Tonspuren aus Filmen oder Serien neu interpretiert. Die meisten Videos dauern wenige Sekunden, die maximale Länge liegt bei einer Minute. Ein Nutzer muss nur einmal tippen, um zum verwendeten Ton-Schnipsel zu gelangen – damit kann er dann ein eigenes Video aufnehmen. Trends verbreiten sich wohl auch deshalb extrem schnell auf Tiktok.

Noch im April war ein eigener Tiktok-Kanal für die "Tagesschau" abwegig

Noch vor wenigen Monaten war es für die "Tagesschau" abwegig, bei diesem Netzwerk mitzumischen. Zwar kündigte die Redaktion im Frühjahr auf Facebook an, nun auch dort präsent zu sein – doch das war am 1. April - ein Scherz also. Der ist nun Realität geworden. Das ARD-Flaggschiff veröffentlichte am Mittwoch einen kurzen Clip auf Tiktok, in dem Sprecher Jan Hofer zu sehen ist. Er projiziert per Knopfdruck verschiedene Muster auf seine Krawatte, bis darauf das "Tagesschau"-Logo zu sehen ist. Der Text lautet: "Wir sind jetzt auch hier. Was zieht man hier so an?"

Der Clip passt zu dem, was sonst auf Tiktok veröffentlicht wird. Es soll aber nicht bei seichter Unterhaltung bleiben. Marcus Bornheim, Erster Chefredakteur von ARD-aktuell, erklärt, man wolle "das Potenzial ausloten, das diese Plattform für die Vermittlung von Nachrichten bietet". Weiter sagt er: "Auf Tiktok wollen wir in erster Linie unsere Marke bei jüngeren Zielgruppen noch präsenter und nahbarer machen." Schließlich sei Tiktok derzeit eine der am stärksten wachsenden Social-Media-Plattformen.

Tiktok hat in Deutschland wohl etwa 5,5 Millionen Nutzer

Weltweit wurde die App mehr als eine Milliarde Mal heruntergeladen, in 175 verschiedenen Sprachen. Zahlen für Deutschland veröffentlicht das Unternehmen nicht. Das amerikanische Onlinemagazin Digiday gelangte aber an eine Präsentation des Unternehmens, der zufolge es in Deutschland 5,5 Millionen monatlich aktive Nutzer gibt.

Bornheim bezeichnet den neuen Kanal als "Experiment und echte Innovationsarbeit", da es auf Tiktok bisher kaum journalistische Ansätze gebe. Tatsächlich sind noch nicht besonders viele Medien auf Tiktok vertreten. Ein erfolgreiches Beispiel ist die Washington Post aus den USA mit rund 250.000 Followern, einige Videos der Zeitung erreichten mehrere Millionen Aufrufe. Auf dem Kanal gibt die Post humorvoll Einblick in die Redaktion. In einigen Videos tauchen zum Beispiel auch Politiker auf. Insgesamt sind die Clips aber eher unterhaltend als informativ.

Das Experiment der "Tagesschau" gefällt aber nicht jedem. Kritik wird vor allem deshalb laut, weil Tiktok der chinesischen Firma Bytedance gehört.

Hinter Tiktok steht ein chinesischer Konzern

Immer wieder werden Bedenken laut, dass politische Inhalte gefiltert werden. Zuletzt war die App kritisiert worden, weil dort kaum Aufnahmen der Proteste in Hongkong zu sehen gewesen seien.  Die Firma weist den Vorwurf zurück. "Tiktok hält sich an lokale Gesetzgebung und entfernt keine Inhalte auf Verlangen einer Regierung – auch nicht der chinesischen Regierung", sagt Gudrun Herrmann, Sprecherin für Tiktok im deutschsprachigen Raum. Die Nutzerdaten speichere das Unternehmen auf Servern in den Vereinigten Staaten und in Singapur. Tiktok ist zudem nicht in China verfügbar. Dort bietet Bytedance die fast identische App "Douyin" an. Die unterliegt Chinas Zensurrichtlinien.

Ein weiterer Vorwurf lautet, minderjährige Nutzerinnen und Nutzer würden auf Tiktok nicht ausreichend geschützt. So verhängte eine US-Bundesbehörde eine Millionenstrafe, weil über die App verbotenerweise persönliche Informationen von Kindern gesammelt wurden. Und in Indien wurde die App kurzzeitig gesperrt, um Kinder vor Pornografie zu schützen. Sie wurde wieder freigegeben, als Bytedance versicherte, die Sicherheitsstandards zu erhöhen. (mit dpa)

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