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Drogen
04.09.2018

Warum die kolumbianische Mafia Hündin Sombra töten will

Ruhiges Gemüt: Superschnüfflerin Sombra lässt sich nie aus der Ruhe bringen. Außer von einem anderen Hund.
2 Bilder
Ruhiges Gemüt: Superschnüfflerin Sombra lässt sich nie aus der Ruhe bringen. Außer von einem anderen Hund.
Foto: Fernando Vergara/ap, dpa

Eine deutsche Schäferhündin hat die vielleicht berühmteste Spürnase der Welt. Sie entdeckte schon tonnenweise Kokain. Das brachte ihr nun eine Morddrohung ein.

Sombra lässt sich nicht beirren. Mit einem gezielten Sprung bringt sich die Schäferhündin in Position. Ihre Nase bohrt sich ins Gepäck. Ein paar Sekunden reichen, dann ist klar: Entwarnung. Kein Kokain im Koffer. Diesmal nicht. Das kann beim nächsten Koffer schon anders sein.

Weiter geht der Spaziergang entlang der Gepäckstücke, die darauf warten, in den Flieger gestapelt zu werden. „Erst gestern hat sie wieder angeschlagen“, erzählt Oberst Wilson Ramírez, 41. Brave Sombra. „Eine alleinerziehende Mutter eines fünfjährigen Mädchens“, ergänzt der Kommandant der „Antinarcóticos“, der Drogenfahnder am Flughafen von Bogotá. „Es gibt leider immer noch viele Menschen, meist mit persönlichen und wirtschaftlichen Problemen, die gezielt von der Drogenmafia angeworben werden. Sie suchen sich die, die scheinbar schnell verdientes Geld brauchen.“

Die Superschnüfflerin hat den Plan durchkreuzt. Mal wieder.

Sombra, Spanisch für Schatten, hat ein mattes, braun-schwarzes Fell und ein ausgeprägt ruhiges Gemüt. Die deutsche Schäferhündin lässt sich streicheln, verliert aber die Umgebung nie aus dem Blick. Nur wenn in der Hektik des Flughafengeschehens in Kolumbiens Hauptstadt ein anderer Hund in die Nähe kommt, lässt sich auch Sombra mal aus der Ruhe bringen. Sonst hört das Tier wie eine Eins auf die Kommandos und weicht ihren Begleitern nicht von der Seite.

Ihr größter Fund: 2,9 Tonnen Kokain

Das Tier ist inzwischen weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt. Gleich fünf Fernsehteams haben sich an diesem Tag angesagt, um die berühmteste Spürnase der kolumbianischen Drogenfahndung zu besuchen. Die Hündin hat an Containerhäfen und in Lastwagen schon oft große Mengen Kokain aufgespürt, mit ihrer Hilfe konnte die Polizei an die 250 Verdächtige festnehmen. Ihr Ruhm beruht auf einem besonders großen Fund: 2,9 Tonnen Kokain, versteckt in einem Container, der nach Belgien gehen sollte.

Dazu muss man wissen: Kolumbien ist der weltweit größte Kokain-Produzent. Damit ist das Rauschgift, so zynisch es klingt, eines der wichtigsten Exportprodukte des Landes – auch für Lieferungen nach Europa. Es bestimmt das Leben von Kleinbauern, linken und rechten Rebellen, Industriellen und Politikern. Die Mafia kontrolliert das Geschäft. Wer ihr in die Quere kommt, hat ein Problem. Nun ist Sombra für die Mafia zum Problem geworden.

Deshalb hat Dairo Antonio Úsuga alias „Otoniel“, Chef des „Clan del Golfo“, eines der brutalsten Kartelle, zu ihrer Ermordung aufgerufen. Umgerechnet etwa 55.000 Euro Kopfgeld soll derjenige kassieren, der Sombra beseitige, war auf eigens verteilten Flugblättern zu lesen. „Nicht nur Sombra ist bedroht worden, auch andere Polizeihunde sind Zielscheibe von Drohungen gewesen“, sagt Hundeausbilder Jeison Cardona.

Die Polizei hat nun reagiert und das Tier nach Bogotá „versetzt“. Hier am neuen Flughafen „El Dorado“ kann es ein vergleichsweise ruhiges Leben führen und sich frei bewegen, obwohl es bei den Patrouillen immer wieder von Reisenden erkannt wird, und die wollen dann auch ein Foto mit Sombra machen. Die Hündin ist natürlich nie allein unterwegs; an ihrer Seite sind stets zwei Polizeibeamte. Andere Spürhunde haben nur einen Begleiter.

Für die Mafia sind das Millionenschäden

„Sombra ist jetzt sechseinhalb Jahre alt“, erzählt Oberst Ramírez. „Mit acht Jahren gehen die Hunde in der Regel in den Ruhestand.“ Der Tierarzt untersuche sie regelmäßig „und gibt am Ende eines Lebensjahres grünes Licht, ob ein Tier weiterhin im Einsatz bleiben darf“. Ob Sombras Ruhm durch die internationale Berichterstattung ein Problem oder eher ein Vorteil ist, will Ramírez nicht direkt beantworten. Aber er sei sicher, sagt er, dass es viele potenzielle Schmuggler abhalte, wenn diese wissen, dass eine besonders erfolgreiche Spürnase in Bogotá die Gepäckstücke durchsucht. Allein an den Flughäfen von Medellin und Bogotá soll „Sombra“ schon rund 250 Lieferungen erschnüffelt haben. Für die Mafia sind das Millionenschäden, was die Wut der kriminellen Banden erklärt und letztlich zu den Morddrohungen führte. Im Gegensatz zu Menschen sind Hunde nämlich nicht bestechlich – was in Kolumbien ein nicht zu unterschätzender Faktor ist.

Klar ist aber auch: Das Kokain-Geschäft blüht trotzdem. In den letzten Jahren ist die Produktion noch einmal gestiegen. Trotz eines Friedensvertrags mit der Guerilla-Organisation Farc und trotz Friedensgesprächen mit den marxistischen ELN-Rebellen. Das liegt einerseits daran, dass den Koka-Bauern Entschädigungszahlungen in Aussicht gestellt wurden. Prompt vergrößerten sich die Anbauflächen, damit auch die Entschädigungszahlungen höher werden. Zum anderen ist die Vernichtung der Pflanzen schwierig, ein Verzicht auf das aus Umweltschutzgründen umstrittene Glyphosat hat der Koka-Produktion eher genutzt. Die Diskussion, ob die Koka-Pflanzen mit dem Mittel aus der Luft wieder besprüht werden sollen, ist noch nicht beendet. Und Helfer, die die Pflanzen mit der bloßen Hand herausreißen sollen, werden bisweilen massiv bedroht. Einige sind sogar ermordet worden. „Den Koka-Bauern muss eine echte Alternative geboten werden. Es hilft nichts, die Anpflanzung zu verbieten“, sagt Florian Huber von der Heinrich-Böll-Stiftung in Bogotá. „Es ist notwendig, dass die Bauern mit legalen Produkten auch einen Zugang zum Markt bekommen.“ Dazu gehöre eine entsprechende Infrastruktur in den entlegenen Gebieten des Landes.

Ab zum nächsten Einsatz auf dem Flughafen Bogota: Drogenhündin Sombra mit zwei Polizeibeamten.
Foto: Fernando Vergara/ap, dpa

Zuletzt geriet ein führender Kopf der ehemaligen Farc-Guerilla ins Visier der Fahnder. Kommandant Jesus Santrich wird durch Video- und Audio-Mitschnitte schwer belastet. Er soll versucht haben, zehn Tonnen Kokain in die USA zu schmuggeln, und suchte dazu das Gespräch mit Vertretern eines mexikanischen Drogenkartells. Doch Drogenfahnder aus den USA und Kolumbien zeichneten Santrichs vermeintliche Verhandlungen mit Strohmännern auf. Nun ist ein Streit um eine mögliche Auslieferung Santrichs in die USA entbrannt; der ehemalige Guerillero behauptet, ihm sei eine Falle gestellt worden. Es folgten Hungerstreiks und politische Demonstrationen.

Der Fall Santrich wird zu einer ersten großen Herausforderung für den neuen konservativen Präsidenten Ivan Duque, zumal mit Ivan Marquez noch ein zweiter ranghoher Farc-Kommandant in den Skandal verwickelt ist. Als sich ein Familienangehöriger von Marquez als Kronzeuge in die USA absetzte, suchte Marquez das Weite. Wo er sich derzeit aufhält, ist unklar.

„Das ist alles wie eine Kette zu betrachten“, sagt Oberst Ramírez. Steigt die Kokainproduktion, muss der Stoff auch auf den Markt gebracht werden. Deswegen durchsucht Sombra gezielt jene Fracht- und Passagierflugzeuge, deren Zielflughäfen in den Konsumentenländern liegen. Geht ein Flieger nach Miami, Los Angeles, Madrid oder Frankfurt, kommt Sombra oder ein anderes der landesweit 1300 Tiere der Drogenfahndung zum Einsatz.

Wenn Ramírez Äußerungen hört wie die von Steven Tyler, Sänger der US-Rockband Aerosmith, der mal in einer Talkshow unter dem Gejohle des Publikums ausgeplaudert hat, „halb Peru leer gekokst“ zu haben, ringt der Kommandant nach Worten: „Jeder muss wissen, was er tut. Jeder ist selbst verantwortlich für seinen Körper und seine Gesundheit. Was man aber wissen muss: Der Drogenhandel ist ein Auslöser für Gewalt, für Massaker, für Ungerechtigkeit, Umweltzerstörung und Benachteiligung.“

Fährt der neue Präsident einen härteren Kurs?

Erst am Wochenende wurden in Kolumbien wieder mehrere Tonnen Kokain sichergestellt, die in die Niederlande gehen sollten. Präsident Duque hat angedeutet, zu einer Null-Toleranz-Politik zurückkehren und auch gegen den Besitz kleinster Mengen vorgehen zu wollen. Sein Vorgänger, Friedensnobelpreisträger Juan Manuel Santos, prägte mit Blick auf die Liberalisierung der Vorschriften in den USA einst den Satz: „Wir sollen hier die Campesinos verhaften und der Gringo steckt sich in Ruhe einen Joint an.“ Mit Campesinos sind die Bauern gemeint.

Sombras Nase indes hilft weiter dabei, der Mafia die Stirn zu bieten. Es gibt Gerüchte, wonach solche Hunde selbst drogenabhängig gemacht werden, damit sie gezielt nach Marihuana oder Kokain suchen. Ramírez wehrt sich dagegen und spricht stattdessen von einer „professionellen Ausbildung“ und einem Belohnungssystem. „Ein Tag hier am Flughafen ist nie wie der andere“, sagt er.

Mal wird Sombra zu den Frachtflugzeugen geschickt, mal schnüffelt sie an 500 Gepäckstücken eines Fliegers nach Mexiko-Stadt. „Wir tun das, um eine Monotonie zu vermeiden und die Aufmerksamkeit hochzuhalten. Sombra ist in allen Bereichen des Flughafens im Einsatz.“ Und soll noch mindestens anderthalb Jahre der Schrecken der Drogenmafia bleiben.

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