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Kriminalität

04.09.2020

Einbrüche in schwäbische Tierheime: Tierschutzbund vermutet Serientäter

Seit Ende Juni gab es Einbrüche in mehrere Tierheime in Deutschland.
Bild: Ralf Lienert (Symbol)

Plus 19 Tierheime in Deutschland wurden in jüngster Zeit überfallen - darunter auch Heime in Nördlingen und Ulm. Für die Einrichtungen ist das ein herber Schlag. Und auch die Tiere leiden.

So ganz erklären kann Manuela Kaußen sich immer noch nicht, was am vergangenen Dienstag im Nördlinger Tierheim passiert ist. "Ich frage mich schon: Wie dreist kann man sein?", sagt die Leiterin der Einrichtung, die ein paar hundert Meter nördlich der Stadtmauer liegt. Wie die Polizei meldet, war über Nacht ein Einbrecher ins Tierheim eingestiegen, hatte zwei Türen zerstört und rund 300 Euro gestohlen. Es war einer von 19 Einbrüchen in Tierheimen in mehreren deutschen Bundesländern seit Ende Juni. Und das, obwohl es in Tierheimen kaum etwas zu erbeuten gibt.

So auch in Nördlingen: "Es gibt hier nicht Tausende Euro zu holen", sagt Tierheim-Chefin Kaußen. Tatsächlich ist der Sachschaden am Tierheim höher als die Summe, die der Täter gestohlen hat. Mindestens 800 Euro wird nach Angaben der Polizei die Reparatur kosten - was Kaußen auch deshalb ärgert, weil eine Tür völlig grundlos zerstört wurde. Die Türscheibe zum Katzenhaus sei gebrochen, sagt sie. "Dahinter gibt es nichts zu holen." Im Katzenhaus befinden sich aktuell drei Katzen, für sie und die anderen Tiere sei der Einbruch eine Stresssituation gewesen.

Einbruch im Tierheim: Täter machen kaum Beute in Nördlingen

"Unsere Tageseinnahmen hatten wir mit nach Hause genommen", sagt Kaußen. Nur noch die Personalkasse sei im Tierheim gewesen. Der Grund: Das Tierheim war vorgewarnt. So trafen die Mitarbeiter einige Vorbereitungen, um im Fall der Fälle den Schaden gering zu halten. Man pflege gute Kontakte zum Reutlinger Tierheim, in das am 16. August eingebrochen wurde. Der Deutsche Tierschutzbund vermutet: Beide Taten sind Teil einer Serie.

Einbrüche in schwäbische Tierheime: Tierschutzbund vermutet Serientäter

Seit einem Einbruch in Dorsten in Nordrhein-Westfalen Ende Juni zieht sich eine Reihe von Vorfällen über Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Baden-Württemberg und Bayern. Die Täter seien professionell vorgegangen, sagt Pressesprecherin Lea Schmitz. Zudem sei auffällig, dass sich eine Route der Einbrüche durch Deutschland nachvollziehen lässt und sie in meist kurzer Abfolge hintereinander passieren.

Tierschutzbund vermutet Serientäter bei Einbrüchen im Tierheim

Dass es gerade in Tierheimen vermehrt zu Einbrüchen kommt, obwohl dort meist nur wenig Geld zu holen ist, erklärt sich Schmitz mit der Lage der Einrichtungen. "Sie sind meist ruhig und abgelegen, nachts ist nicht immer jemand vor Ort." Deshalb hofften die Täter auf leichtes Spiel. Bislang seien Tiere weder mitgenommen noch verletzt worden. Doch einige seien nach dem Einbruch durch merkwürdiges Verhalten aufgefallen, berichtet sie Sprecherin.

Besonders erschüttert sie, dass mit Tierheimen ehrenamtliche Einrichtungen Opfer der Taten würden. "Ich finde es traurig, dass es Leute gibt, die denen Böses wollen, die Gutes tun", sagt Schmitz. Zumal es vielen Tierheimen so gehe wie der Einrichtung in Nördlingen: Der Sachschaden ist immens, die Beute gering.

Wie die Polizeiinspektion Nördlingen mitteilt, bestehe zwischen der Tat in Nördlingen und anderen Einbrüchen nach jetzigem Stand jedoch kein Zusammenhang. Die Ermittlungen dauerten nach wie vor an, auch was viele andere Taten anbelangt.

Die meisten Tierheim-Einbrüche gab es in Baden-Württemberg und Bayern

Vor allem die Polizei in Baden-Württemberg ist derzeit damit beschäftigt: Hier ereignete sich knapp die Hälfte der bislang bekannten Einbrüche. Das dortige Landeskriminalamt teilt mit, dass die Suche nach einem möglichen Zusammenhang zwischen den Taten "Teil der derzeit laufenden Ermittlungen" sei. Pressesprecher Jürgen Glodek bittet um Verständnis, dass er aktuell "aus diesem Grund keine weitergehende Auskünfte erteilen" könne.

Unter den Opfern der Einbrüche in Baden-Württemberg war auch das Ulmer Tierheim. Dort erlebte man nach der Tat eine Welle der Solidarität.

Am 21. August, vier Tage vor dem Einbruch in Nördlingen, stahlen der oder die Täter in Ulm zwischen 2000 und 3000 Euro und zerstörten Fenster, Fließen und Tresor. Die Tat erwischte das Tierheim genau zu einer Zeit, in der es innerhalb weniger Tage zwei Mal gleich mehrere Hunde aufnahm, weil diese kurz zuvor beschlagnahmt worden waren. "Einen Einbruch kann man nie gebrauchen", sagt Tierheim-Leiter Ralf Peßmann. "Aber in unserer Lage war das dreifach schlimm."

Also versuchte die Einrichtung, sich mit einem Spendenaufruf auf Facebook zu helfen - und erhielt so viel Geld, dass die Reparaturkosten problemlos gedeckt werden konnten, wie Peßmann berichtet. Die genaue Summe kenne er bisher nicht, doch sie sei im stattlichen fünfstelligen Bereich. "Es ist schön, dass auch in Zeiten, in denen viele jeden Cent mehrfach umdrehen müssen, Menschen noch etwas für Tiere übrig haben", sagt der Leiter.

Spenden retten Tierheim Ulm nach Einbruch

Ohne die Spenden wäre man jedoch in massive Probleme geraten, gibt Peßmann an. Derzeit baue man das Tierheim um und werde die Sicherheitsstandards erhöhen, etwa die veraltete Alarmanlage modernisieren. "Der Einbruch soll eine einmalige Geschichte bleiben", sagt er.

In Nördlingen bleiben solche Maßnahmen jedoch vorerst aus. "Wir würden gerne, wenn wir das Geld dafür hätten", sagt Tierheim-Chefin Kaußen. Wie die Einrichtung das fehlende Geld in der Kasse ausgleichen möchte, sei noch offen. "Durch die Pandemie fallen alle unsere Märkte und Feste aus, durch die wir etwas Geld einnehmen konnten", berichtet sie.

Zudem hinterlasse der Einbruch bei ihr ein schlechtes Gefühl. Im Katzenhaus etwa lagen mehrere Glassplitter von der zerstörten Tür, nur durch Glück verletzte sich keines der Tiere. "Das hätte auch anders ausgehen können", sagt Kaußen.

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